Firmen aus dem Landkreis Schwandorf ließen sich zu psychischen Erkrankungen bei Azubis beraten

Von Lisa Steigerwald · 5. April 2024 um 19:00

Die Fehlzeiten der 16- bis 25-jährigen Berufsanfänger haben sich laut Techniker-Krankenkasse wegen psychischer Erkrankungen seit 2000 um 108 Prozent mehr als verdoppelt. Doch was können Betriebe für ihre Auszubildenden tun, wenn diese psychische Probleme haben?

Eine Veranstaltung bei der Firma emz-Hanauer in Nabburg, zu der das lokale Bündnis für Familien im Landkreis Schwandorf geladen hatte, sollte ein Ratgeber für Betriebe aus der Region sein.

Als Ansprechpartner waren Stefan Gerhardinger von der Caritas, Peter Rosenberger von Krisenchat und das Beratungsteam der Berufsschule Schwandorf vor Ort.

„Es gibt keine Patentlösung. Aber die Kernbotschaft heißt: Hinschauen statt wegschauen und Hilfe aktivieren“, sagte der Psychologe und Psychotherapeut Gerhardinger. Er betonte, dass es nicht das Ziel sei, ein Arbeitsparadies zu schaffen, denn das gebe es nicht. Vielmehr sollten die Beschäftigten mit ihrer Arbeit zufrieden und erfüllt sein.

Die Probleme der Generation Z

„Die Digital Natives haben Probleme in der analogen Welt“, sagte Gerhardinger über die Generation Z. Sie seien es gewöhnt, dass sich die Umgebung an sie anpasse – die analoge Welt tue das nicht. So steht laut dem Psychologen bei jungen Menschen nicht das Geld im Vordergrund, sondern Selbstbestimmung und Freiheit. Und auch die Suche nach einem Sinn sei ein wichtiger Aspekt für Azubis.

Ein Viertel der Kinder und Jugendlichen seien von seelischen Krankheiten betroffen. „Das ist kein Wunder, denn die Krisen geben sich die Klinke in die Hand“, betonte der Psychologe. Corona nannte er dabei wegen der sozialen Isolierung als Brandbeschleuniger.

Psychische Erkrankungen würden mitunter an der Spitze der Gründe für Frührente stehen. Stefan Gerhardinger stellte einen Stufenplan vor, wie sich Arbeitgeber bei auffälligen Beschäftigten verhalten sollten. Jedes Problem sei individuell und so auch die Lösung, betonte der Psychologe. Wichtig sei vor allem hinzuschauen und Hilfe anzubieten.

Plattform bietet kostenlose Beratung per Chat an

Peter Rosenberger stellte per Videoschaltung die Internetseite „krisenchat.de“ vor. Die Plattform biete rund um die Uhr eine niederschwellige und kostenlose Beratung von jungen Menschen per Chat an. Für die Nutzung sei keine Registrierung notwendig. Die Jugendlichen schreiben mit rund 500 ehrenamtlichen Krisenberatern, die ausgebildete Fachkräfte sind.

Projekt soll vor allem Männer ansprechen

Suizide sind laut Rosenberger eine der häufigsten Todesursachen bei Jugendlichen – im Schnitt seien davon drei Viertel Männer. Der männliche Anteil in den Chats liege aber nur bei rund 16 bis 17Prozent. Deshalb starteten die Betreiber von krisenchat.de mit der Techniker-Krankenkasse gemeinsam das Projekt „Was los mit dir“. Dabei werden junge Männer zum Beispiel auf Twitch über das Angebot informiert. „Wir wollen Männer nicht frontal damit konfrontieren, wir sind eher wie ein Trojanisches Pferd“, sagte Rosenberger. So kämen zum Beispiel auch Rapper zur Sprache.

Der Experte wies darauf hin, dass die Azubis die Fachkräfte der Zukunft sind. Deshalb sei es wichtig, sie auf Krisen vorzubreiten und eine Resilienz gegen Verschwörungstheorien und populistischen Rändern zu bilden. Dafür sei die mentale und körperliche Gesundheit notwendig.

Beratungsteam der Berufsschule wird gut angenommen

Eine weitere Stütze für Azubis kann das Beratungsteam des beruflichen Schulzentrums in Schwandorf sein. Es ist nach Angaben der Mitarbeiter bei den Schülern etabliert und werde gut angenommen. In fünf Bereichen (Schulpsychologie, Schulpastorale Beratung, Beratungslehrer, Jugendsozialarbeit und Schulsozialpädagogik) könnten die Berufsanfänger ihre Sorgen und Probleme dem Team anvertrauen.

Julia Tannenberger, Ausbildungsleiterin bei der Firma Eckart in Wackersdorf, resümierte am Ende der Veranstaltung: „Es war eine gute Erweiterung zu dem bestehendem Wissen.“ Hilfreich fand Tannenberger die aufgezeigten Anlaufstellen. An diese könne sich auch der Arbeitgeber wenden, wenn es Probleme mit einem Azubi gibt.