Tötungsdelikt an Bahngleisen in Neumarkt: Hier hat die Polizei in der Nacht zugegriffen

Wurde der Mann, der am Donnerstag nahe des Neumarkter Bahnhofs starb, bewusst auf die Gleise gelegt? Dieser Verdacht beschäftigt bereits seit Donnerstagabend die Ermittler, nachdem die Person von einem Güterzug überrollt worden ist. Inzwischen wurden drei Männer festgenommen – nur einen Steinwurf vom mutmaßlichen Tatort entfernt.
Schon kurz nach dem Unglück war sich die Polizei sicher: Das war kein Suizid. Wenig später schwärmte ein Großaufgebot an Polizeikräften aus. Unter anderem die Bundespolizei aus Bamberg und die Hubschrauber-Staffel suchten die Umgebung systematisch ab und gingen gezielt Hinweisen nach. Schon früh fokussierte man sich dabei auf drei Männer. Mehrere Zeugen hätten sie in unmittelbarer Nähe zum Unglücksort gesehen, bestätigte Matthias Gröger, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, noch am späten Abend vor Ort.
Zugriff gegen 21 Uhr in Unterkunft für Monteure
Schon am Abend gingen Hinweise aus der Bevölkerung ein, auf verdächtige oder flüchtende Menschen. Am Freitagvormittag bestätigte die Polizei dann den Fahndungserfolg. Bereits in der Nacht seien die drei gesuchten Männer festgenommen worden. Es handle sich um drei junge, aber erwachsene Osteuropäer, die zur Zeit der Festnahme zum Teil stark alkoholisiert gewesen seien.
Wie das Präsidium auf Nachfrage bestätigt, erfolgte der Zugriff gegen 21 Uhr in einer Pension für Monteure an der Ecke Ingolstädter Straße/Flutgrabenweg – nur einen Steinwurf von der Stelle entfernt, an der der Mann auf den Gleisen gelegen hatte. Ob die Männer und das Opfer dort gewohnt haben und in welcher Beziehung sie zueinander standen, lässt die Polizei bislang offen.
Was die Fahnder letztlich auf die Spur der drei Männer führte, wollte das Präsidium noch nicht offenlegen, ebenso wie Details zur Festnahme. Es werde jetzt geprüft, ob sich gegen die Männer ein konkreter Anfangsverdacht erhärten lässt und sie einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden.
Uploadportal eingerichtet
Wo ein mögliches Motiv oder Hintergründe für ein Tötungsdelikt liegen könnten, sei laut der Mitteilung der Polizeipräsidiums noch völlig unklar. Man habe jedoch Hinweise auf einen Streit, der sich einige Stunden vor dem Tod des Mannes gegen 14.30 Uhr ganz in der Nähe in der Ingolstädter Straße ereignet haben soll. Ob es zu diesem Vorfall eine Verbindung gibt, sei derzeit Gegenstand der laufenden Ermittlungen.
Zeugen, die den Streit am Nachmittag oder das Geschehen am Abend beobachtet haben, sollen sich bei der Kriminalpolizei Amberg unter Tel. (09621)8900 oder jeder anderen Polizeidienststelle melden. Zudem bittet die Polizei in diesem Zusammenhang um mögliche gefertigte Videos oder Bilder. Ein Server dafür wurde eingerichtet. Er ist erreichbar unter https://medienupload-portal03.polizei.bayern.de.
Obduktion abgeschlossen
Am Tag nach dem Großeinsatz, an dem allein von der Polizei Kräfte in dreistelliger Zahl vor Ort waren, ist der Güterzug von der Strecke verschwunden. Der Gleisabschnitt ist wieder freigegeben. Für die aufwendige Spurensicherung war sie nach Angaben der Deutschen Bahn zehn Stunden lang gesperrt. Erst gegen 3.15 Uhr fuhren wieder Züge in Richtung Regensburg.
Bei dem Toten wurde heute eine Obduktion durchgeführt, das abschließende Ergebnisse stehen noch aus. Bei dem großen Polizeieinsatz in der Nacht war neben einem Polizeihubschrauber auch das Unterstützungskommando aus Nürnberg, Kräfte des Polizeipräsidiums Mittelfranken und der Bereitschaftspolizei beteiligt. Außerdem machte sich die zuständige Staatsanwältin der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth ein Bild vom Unglücksort.
Die langwierige Spurensicherung an dem fast unbeladenen Auto-Güterzug wurde auch durch die Witterung erschwert. Noch bevor die Spezialisten der Polizei eintrafen, ging ein Gewitterschauer über der Stadt nieder.

