Schock, Trauer, Verzweiflung: Windhose versetzt Berchinger Dörfer in Ausnahmezustand

Von Bernhard Neumayer · 5. April 2024 um 15:00

Michael Köbl kämpft mit den Tränen. Erst als er seinen Enkel in den Arm nimmt, beruhigt er sich wieder. Der Schock und die Trauer sitzen auch am Tag nach der Windhose in Wackersberg und Holnstein (Gemeinde Berching) noch tief. Doch aufzugeben, ist für ihn und die anderen Dorfbewohner keine Option.

Am Donnerstagabend fegte ein derart heftiger Sturm durch die beiden Berchinger Ortsteile Wackersberg und Holnstein, dass nach Angaben des Pressesprechers der Feuerwehren im Landkreis Neumarkt rund 30 Gebäude beschädigt worden sind. Wie Kreisbrandmeister Daniel Gottschalk ergänzt, handle es sich um etwa zehn Wohnhäuser und 20 Nebengebäude.

Eines der betroffenen Nebengebäude gehört Michael Köbl. „Ich bin total durch“, sagt er am Freitagvormittag während der Aufräumarbeiten. „Ich fühle mich scheiße, aber es muss weitergehen“, sagt Köbl und zeigt die großen Löcher im Dach seiner Scheune.

Wackersberg und Holnstein: Ziegel flogen durchs Dorf

Wie bei Köbl hat die Windhose auch ein paar Häuser weiter bei Familie Mendl die Dachziegel des Wohnhauses abgedeckt. Teilweise seien sie sogar an die Fassade des Nachbarhauses geflogen.

„Gott sei Dank war keiner draußen“, sagt der zweifache Vater Daniel Mendl. Verletzt worden ist nach erstem Erkenntnisstand niemand – weder in Wackersberg noch in Holnstein. „Der Sturm hat am Donnerstagabend nur circa 20 Sekunden gedauert“, sagt Mendl. Nach einem dumpfen Knall habe er die Ziegel nur noch fliegen sehen.

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Am Tag danach sammelten Holnsteiner und Wackersberger in ihren Dörfern kaputte Ziegel ein. Der Bauhof der Stadt Berching räumte umgestürzte Bäume aus dem Weg. Handwerker und Eigentümer deckten ihre Dächer wieder, zum Teil mit großen Planen.

In Holnstein ist unter anderem auch die Schulturnhalle in Mitleidenschaft gezogen worden. Dort hat die Windhose eine großes Fensterfront zerstört. Auch Bäume im Garten des Kindergartens in Holnstein hat der Sturm zum Einstürzen gebracht. Dort lagen am Freitagvormittag zwischen zwei umgestürzten Bäumen Sandkasten-Spielformen der Kinder und kaputte Dachziegel.

Windhose in Berching: Lob an 190 Einsatzkräfte

Nebenan hat es das Haus, insbesondere die Dachziegel, von Markus Lengenfelder erwischt. Er ist nach einer unruhigen Nacht am Tag danach noch immer geschockt, aber froh, dass es nur ein Sachschaden sei.

Alle Bewohner, mit denen unsere Zeitung gesprochen hat, loben die Einsatzkräfte und den Zusammenhalt im Dorf. Alle packten mit an. Die letzten der 190 Einsatzkräfte (Feuerwehren, BRK, THW) beendeten ihren Einsatz am Donnerstag gegen 22.45 Uhr. Sowohl der Feuerwehr-Sprecher als auch die Polizei sprachen von einer Windhose. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) mutmaßte sogar einen Tornado. Bestätigt wurde dieser aber bis dato nicht.

Das Dach dieses Stalls in Wackersberg wurde zum Teil zerstört. Am Freitagvormittag wurde es wieder gedeckt. Foto: Neumayer
Michael Köbl aus Wackersberg blickt auf eines der großen Löcher im Dach seiner Scheune. Foto: Neumayer
Die Schaukeln in diesem Garten in Wackersberg sind zwar heil geblieben. Dahinter zeigt sich jedoch ein Bild der Verwüstung. Foto: Neumayer
Am Freitag sammelten die Dorfbewohner in Holnstein und Wackersberg Ziegel ein. Foto: Neumayer
So sah das Haus der Familie Mendl in Wackersberg vor der großen Aufräumaktion am Freitag aus. Foto: Daniel Mendl