Aus drei mach’ einen Standort: Neunburgs Gesundheitszentrum soll neu strukturiert werden

Von Jan Lange · 4. April 2024 um 11:00

Unter medizinischen Gesichtspunkten ist 2023 das erfolgreichste Jahr für das Gesundheitszentrum Ostoberpfalz (GZO) gewesen. Diese positive Bilanz zog jetzt der ärztliche Leiter Richard Wagner im Gesundheitsausschuss.

Durch die Eingliederung von fünf Allgemeinarztsitzen wurde die medizinische Einrichtung in Neunburg zum größten Gesundheitsdienstleister in der Pfalzgrafenstadt und auch der Region. Statt der bisher zwei umfasst das GZO nun acht Arztsitze.

Zuletzt wurde der Arztsitz der Dieterskirchener Allgemeinmedizinerin Ottilie Pletl gerettet. Nachdem sie Mitte 2023 ihre Praxis nach 30 Jahren aufgegeben hatte, wurde ihr Arztsitz ins GZO integriert. Mit Florian Herl wurde in der Folge ein junger Facharzt für Allgemeinmedizin angestellt. Mit ihm konnte auch die Altersstruktur der Ärzteschaft im GZO nachhaltig verbessert werden, erklärte Wagner.

Leistungsspektrum optimiert

Ein weiterer Gewinn sei die Einstellung der Kardiologin Katharina Grinnus-Bochhammer gewesen. Mit ihr konnte laut Wagner nicht nur das medizinische Leistungsspektrum optimiert werden, sondern auch der Erhalt der internistischen Versorgung für die nächsten Jahre gesichert werden.

Für die nächsten Monate sei geplant, das Team des GZO durch einen weiteren Facharztsitz weiter zu verstärken. Die entsprechenden Verhandlungen würden derzeit noch laufen, so Wagner.

Eine weitere Expansion setze die Bereitschaft voraus, so Wagner, zusätzliche finanzielle Belastungen in Kauf zu nehmen. Im Vorjahr war das Defizit des Neunburger Gesundheitszentrums gestiegen. Das endgültige Ergebnis liege aber erst im Juni vor, da dann die Endabrechnung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern für das vierte Quartal 2023 komme.

Die aktuell nötigen finanziellen Mehraufwendungen seien im Sinne einer langfristig guten, medizinischen Versorgung der Bevölkerung aber sinnvoll investiert, stand für den ärztlichen Leiter fest.

Pro Quartal wurden im vergangenen Jahr durchschnittlich 4800 gesetzlich Versicherte behandelt. Rechnet man die Privatpatienten dazu, ist von etwa 20000 Behandlungsfällen im gesamten Jahr 2023 auszugehen, erläuterte der ärztliche Leiter. 2021, dem ersten kompletten Geschäftsjahr des Gesundheitszentrums, wurden im Durchschnitt zwischen 2400 und 2500 Patienten pro Quartal behandelt.

Bisherige räumliche Aufteilung ist besondere Herausforderung

„Nach extremer Expansion des Gesundheitszentrums 2023 stehen nun dieses und in den folgenden Jahren die Umstrukturierung und Neuorganisation sowie die Nutzung von Synergien im Vordergrund der Bemühungen“, gab Wagner einen Ausblick auf die Zukunft. Die derzeitige räumliche Aufteilung des GZO auf vier Praxisstandorte in drei Gebäuden stelle für das medizinische Personal und für die Verwaltung eine besondere Herausforderung dar.

Schon seit längerem arbeitet die Stadt Neunburg als Träger des Gesundheitszentrums daran, die medizinische Versorgung an einem Standort zu bündeln. Das alte Krankenhaus in der Krankenhausstraße komme als alleiniger Standort für das GZO nicht infrage, da hier aktuell neben dem Gesundheitszentrum auch ein Pflegeheim untergebracht ist. Favorisiert wird stattdessen eine Immobilie in der Altstadt, um diese dadurch ebenfalls weiter zu beleben.

Veränderungsprozess ist noch nicht abgeschlossen

Diese Veränderungs- und Optimierungsprozesse sind jedoch noch nicht abgeschlossen. Nach fast fünf Jahren des Bestehens – 2020 wurde das GZO eröffnet – sei die Entscheidung hinsichtlich eines gemeinsamen Standorts aller Teilbereiche überfällig, meinte Wagner überzeugt. Er hofft, dass der Stadtrat noch in diesem Jahr eine Entscheidung zum künftigen Standort trifft.

„Vorübergehende Umsatzrückgänge bei gleichzeitig erhöhtem Finanzbedarf waren für 2023 unter diesen Umständen nicht zu vermeiden und sind die Ursache für das gestiegene Defizit“, sagte Wagner zu den Stadträten. Der ärztliche Leiter führte das Minus allerdings zu einem nicht unerheblichen Teil auch auf die Praxisabschreibungen zurück.

Für dieses Jahr seien bereits Maßnahmen angedacht, um das Defizit zu verringern. So sei man dabei, die Praxen länger zu öffnen. Auch eine Zusammenlegung der Allgemeinarztpraxen werden aktuell geprüft.

Reduzierung des Defizits

„Aus Sicht der ärztlichen Leitung erscheint insgesamt eine deutliche Reduzierung des aktuellen Kostendefizits bereits kurz- bis mittelfristig realisierbar“, zeigte sich Wagner optimistisch. Angestrebt werde ein für die Stadt langfristig kostenneutrales Gesundheitszentrum.

Bei der chirurgischen Praxis rechnet der GZO-Leiter für 2024 aufgrund des fehlenden D-Arzt-Scheins mit Patientenverlusten, während im internistischen Bereich und der Allgemeinmedizin von gleichbleibenden Fallzahlen ausgegangen wird.