MVZ Neunburg plant Kooperation – Bayerns Gesundheitsminister Holetschek sichert Hilfe zu

Während Bodenwöhr überlegt, ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) zu gründen, gibt es in Neunburg seit drei Jahren eine solche Einrichtung. Das Gesundheitszentrum Ostoberpfalz soll ein Vorzeigebeispiel für die medizinische Versorgung im ländlichen Raum sein. Davon machte sich jetzt Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) ein Bild.
In vielen Gemeinden jenseits der Ballungszentren ist die Gesundheitsversorgung inzwischen selbst zum medizinischen Notfall geworden. Praxen schließen, weil deren Inhaber keine Nachfolger finden. Um eine Notlage in der eigenen Stadt zu verhindern, nahm die Stadt Neunburg im Juli 2020 das erste kommunale MVZ Bayerns in Betrieb. Dort wurden in kurzer Zeit sieben Arztsitze zusammengeschlossen. Insgesamt zählt es 40 Mitarbeiter samt der Azubis, informierte der ärztliche Leiter Richard Wagner.
Mehr Studienplätze für Ärzte-Nachwuchs
Darauf gilt es weiter aufzubauen, findet Neunburgs Bürgermeister Martin Birner (CSU). Er hofft dabei auf die Unterstützung des Freistaates. Aus diesem Grund hatte er Holetschek auch eingeladen. Das jetzige Treffen vor Ort diente vor allem dazu, dem Minister einen Zehn-Punkte-Plan zu übergeben. Darin wird unter anderem die Schaffung von mehr Studienplätzen für den Ärzte-Nachwuchs, die Erhöhung der Landarztquote, der Abbau der Bürokratie in den Allgemein- und Facharztpraxen sowie die adäquate Anpassung der Arzthonorare an Lohnsteigerungen und Inflation gefordert.
Bei dem einen oder anderen Punkt konnte Holetschek bereits feste Zusicherungen machen. So sicherte er zu, dass es 2500 neue Studienplätze für den Mediziner-Nachwuchs geben werde.
Aber auch für eine neue Kooperation mit dem Klinikum St.Marien in Amberg sollte bei dem Treffen mit dem Minister geworben werden. Mit dieser Kooperation will Neunburg erneut neue Wege beschreiten. Ziel sei es, in Amberg Allgemeinmediziner speziell für Neunburg auszubilden.
Pilotprojekt angedacht
Bisher werden im Amberger Klinikum Allgemeinmediziner parallel zum eigenen Ärzte-Nachwuchs ausgebildet. „Wenn wir Fachärzte ausbilden, um unseren Betrieb aufrechtzuerhalten, wird es schwer, gleichzeitig auch noch Allgemeinmediziner anzulernen“, erklärt der Ärztliche Direktor Harald Hollnberger. „Die Ausbildung der Allgemeinmediziner konkurriere im Stellenplan mit den Facharztausbildungen. Dies führt dazu, dass Allgemeinärzte nur in einem sehr begrenzten Umfang zusätzlich ausgebildet werden können.“
Hinzu komme, dass der Betrag, den das Amberger Klinikum für die Ausbildung der Allgemeinmediziner erhalte, die Kosten nicht decke. Diejenigen, die ausgebildet werden, könnten sich überall einen Job suchen. So seien Absolventen beispielsweise in Praxen in Regensburg oder Augsburg tätig. Dem Klinikdirektor schwebt ein gemeinsames Pilotprojekt mit Neunburg vor, bei dem die Allgemeinmediziner in einem separaten Programm und kostendeckend ausgebildet werden und später in der Pfalzgrafenstadt praktizieren.
Runder Tisch mit allen Beteiligten
Für ein solches Pilotprojekt brauche es aber die Zustimmung der Kassenärztlichen Vereinigung und die finanzielle Unterstützung des Freistaates. Er hofft auf einen runden Tisch mit allen Beteiligten, bei dem entsprechende Lösungen vereinbart werden könnten.
Vonseiten des Bayerischen Gesundheitsministers gab es bei dem Treffen in Neunburg bereits positive Signale. Man wolle sich das Thema noch mal gemeinsam anschauen, versprach Holetschek. Er beteuerte auch, Modelle unterstützen zu wollen, mit denen die medizinische Versorgung auf dem Land gesichert werde.
Harald Hollnberger zeigte sich danach zuversichtlich, dass sich in Sachen Ausbildung von Allgemeinmedizinern eine Lösung finde. „Ob die KV oder die Politik eine entsprechende Förderung auflegt, ist egal. Wichtig ist, dass wir die Ärzte ausbilden können“, meint Ambergs Klinikdirektor.