Nach Praxisende in Dieterskirchen: Neunburgs Gesundheitszentrum übernimmt Arztsitz

Von Jan Lange · 8. Dezember 2023 um 05:00

Nach 30 Jahren als Hausärztin in Dieterskirchen (Landkreis Schwandorf) war für Ottilie Pletl Mitte des Jahres Schluss. Nachdem für ihre Praxis, die sich im Rathaus befand, kein Nachfolger gefunden werden konnte, wurde der Arztsitz ausgeschrieben. Er ist letztlich der Region erhalten geblieben.

Das Gesundheitszentrum Ostoberpfalz (GZO) in Neunburg erhielt von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) den Zuschlag. Die Hausärztin aus Dieterskirchen sei selbst auf die Stadt Neunburg zugekommen und hatte die Übernahme des Sitzes angeregt, erklärt Bürgermeister Martin Birner (CSU). Andernfalls wäre der Sitz in eine andere Stadt abgewandert oder von der KV eingezogen worden. „Wenn sie selbst einen Nachfolger gefunden hätte, wäre es für uns kein Thema gewesen“, meint der Neunburger Rathauschef.

Patienten finden Ersatz in Neunburg

Unter dem Dach des Medizinischen Versorgungszentrums sind damit nun acht Arztsitze zusammengeschlossen. Die zusätzliche Stelle ist dabei der Gemeinschaftspraxis von Adolf Scharf und Renate Woschée im Ärztehaus Ledererstraße 11 zugeordnet, die seit Anfang des Jahres zum GZO gehört. Florian Herl unterstützt als angestellter Hausarzt das dortige Team.

Herls Mitarbeit ist dringend erforderlich: Allein im ersten Quartal 2023 wurden rund 3700Patienten von den Allgemeinmedizinern des GZO behandelt. Mitte des Jahres sind noch einige dazugekommen. Wie die Dieterskirchener Bürgermeisterin Anita Forster (CSU) weiß, fanden einige der früheren Patienten von Ottilie Pletl Ersatz bei den GZO-Hausärzten. Ein Teil habe sich aber auch nach Oberviechtach oder Rötz orientiert, berichtet die Gemeindechefin.

Krankenakten an GZO in Neunburg übergeben

Einige Patienten hätten sich bereits nach einem neuen Hausarzt umgesehen, als bekannt wurde, dass die Dieterskirchener Medizinerin ihre Praxis aufgeben will. Andere seien erst nach der endgültigen Schließung auf Suche gegangen. „Manche stehen auf der Warteliste“, antwortet Forster auf die Frage, ob alle Patienten einen Ersatz gefunden hätten. Die Krankenakten sind, sofern sie die Patienten nicht persönlich abgeholt hätten, an das GZO übergeben worden, erklärt die Bürgermeisterin. Auch von der Ausstattung der Arztpraxis sei laut Forster nichts vor Ort geblieben.

Der Bereich im Erdgeschoss des Rathauses ist inzwischen wieder vermietet. Matthias Biebl hat die Räumlichkeiten im November übernommen, um seine Physiotherapie-Praxis zu erweitern, bestätigt die Bürgermeisterin von Dieterskirchen. Die ehemalige Hausarztpraxis sei zuvor vom Bauhof der Gemeinde umgebaut worden, so Forster.

Angebot an Gemeinde Dieterskirchen war da

Die Gemeindechefin hätte sich gern weiterhin eine hausärztliche Betreuung in Dieterskirchen gewünscht. Dazu gab es auch Überlegungen nach der Übernahme des Arztsitzes durch das GZO. Das Thema ist nun aber vom Tisch. Das lag aber keinesfalls am Neunburger Gesundheitszentrum. Ein Angebot an die Gemeinde Dieterskirchen habe es gegeben, sagt Birner. Vorgeschlagen wurde, dass es an zwei halben Tagen in der Woche eine hausärztliche Behandlung vor Ort geben könnte. Diese Offerte wurde vom Gemeinderat Dieterskirchen aber abgelehnt.

Anita Forster erklärt die Gründe: „Wir hätten die komplette Praxisausrüstung anschaffen und am Ende das Defizit tragen müssen.“ Aufgrund der eigenen klammen Haushaltskasse hätten sich die Gemeinderäte einstimmig gegen das Angebot entschieden, so Forster. Das Votum sei ihnen nicht leicht gefallen, denn die Dieterkirchener hätten es geschätzt, einen Arzt vor Ort zu haben. „Man ist auch nicht nur zwei Tage in der Woche krank“, meint die Bürgermeisterin mit Blick auf den angebotenen Umfang der medizinischen Betreuung.

Zudem hätten die Behandlung wechselnde Ärzte übernehmen sollen, sagt Forster. „Die Patienten können so kaum eine Beziehung zum Arzt aufbauen“, ist sie überzeugt.

Konstantere Betreuung in Dieterskirchen gewünscht

Anita Forster wäre eine konstantere Betreuung vor Ort lieber gewesen. Diesbezüglich habe es aber zu wenig Flexibilität vonseiten des Gesundheitszentrums gegeben, kritisiert die Gemeindechefin.

Ihr Neunburger Amtskollege erklärt, dass die medizinische Betreuung wirtschaftlich laufen müsse. Die Stadt Neunburg könne nicht das finanzielle Risiko für andere Kommunen übernehmen. Mehr Sprechstunden hätten wohl auch mehr Kosten für Dieterskirchen mit sich gebracht, schätzt Birner. Die Frage wäre dann gewesen, ob die kommunale Rechtsaufsicht derartige Ausgaben genehmigt hätte. Denn die hausärztliche Versorgung gehöre nicht zu den Pflichtaufgaben einer Gemeinde.

Man habe genug andere Pflichtaufgaben, findet auch Anita Forster. Mit Blick auf die kurze Entfernung zu Neunburg hätten die Gemeinderäte genau abgewogen und sich letztlich gegen das Angebot entschieden.