Fachkräftemangel: Deutsche Bürokratie bremst Migranten in Neumarkt aus

Von Petra Schlierf · 3. April 2024 um 15:00

Egal, ob Geflüchtete oder Einwanderer aus EU-Ländern, Migranten müssen sich oft anhören, sie wollten gar nicht arbeiten. Dass das auf eine große Mehrheit nicht zutrifft, betont die Neumarkter Integrationslotsin. Trotzdem haben viele Probleme, einen Arbeitsvertrag zu unterschreiben. Nicht selten scheitern sie am deutschen Formalismus.

Egal ob Elektriker oder Arzt – wer sich in Deutschland auf einen Job bewirbt, muss dieses Schriftstück parat haben. In anderen Teilen der Welt ist das aber alles andere als selbstverständlich, weiß Marku. Die Integrationslotsin für den Landkreis Neumarkt der Malteser im Bistum Eichstätt möchte Menschen aus aller Herren Länder beim Weg in den Job helfen. Doch sie weiß bisher nicht, wo sie das tun soll.

Eigentlich wäre alles bereit: Es gibt einige Ehrenamtliche, die die Zuwanderer und Asylbewerber mit ihrer Erfahrung und ihren Deutschkenntnissen unterstützen würden. Sie helfen Mimoza Marku, Integrationslotsin für den Landkreis Neumarkt der Malteser im Bistum Eichstätt, schon jetzt bei ihrer Arbeit, zum Beispiel als Mieterpaten im Malteser-Integrationsprojekt „Wohlfühlraum“.

Gute Arbeit reicht oft nicht für einen Arbeitsvertrag

Und am Beratungsbedarf besteht für Marku ohnehin kein Zweifel, stellt sie seit Jahren fest. Viele Asylbewerber wenden sich an sie, sobald sie arbeiten dürfen, und fragen nach Arbeit. „Aber die Bewerbungsmappe fehle bei den meisten. Einen Lebenslauf kennen viele überhaupt nicht“, erklärt sie. Dieses Konzept kenne man in vielen Ländern schlichtweg gar nicht. In vielen Gegenden Afrikas, Osteuropa oder Asiens würden Jobs viel weniger bürokratisch vermittelt: „Man redet miteinander, man arbeitet ein paar Stunden oder Tage Probe und dann einigt man sich – oder eben nicht.“

In Deutschland klappt es so mitunter auch, weiß Marku, gerade wenn es um Jobs geht, bei denen Anpacken und Handarbeit gefragt sind. Aber die Bürokratie kommt dann fast immer im Nachgang, selbst wenn man sich schon lange einig ist: „Ich hatte einen Fall, wo jemand schon mehrere Wochen zur Probe gearbeitet hat und alles gepasst hat. Trotzdem wollte der Chef unbedingt noch einen Lebenslauf.“ Ohne die deutschen Bewerbungskonventionen zu kennen, gelinge es ohnehin häufig nur über Vitamin B, an Jobs zu kommen, sagt Marku, und verweist auf ihr inzwischen sehr großes Netzwerk.

Wunsch nach Anlaufstelle für alle Ausländer

Mit eingeschränkten Deutsch-Kenntnissen oder den überschaubaren technischen Voraussetzungen in einer Asyl-Gemeinschaftsunterkunft sei es den Menschen außerdem kaum möglich, sich selbst zu helfen. Am Smartphone gehe das kaum, und spätestens am Ausdrucken scheitere es dann, so die Integrationslotsin.

Ihr Wunsch ist es deshalb, dass alle Ausländer, die Hilfe bei der Bewerbungsplanung brauchen, eine Anlaufstelle bei den Maltesern finden. Schon jetzt greift Marku ihren Schützlingen unter die Arme, wo sie kann, doch zum Lebenslauf-Schreiben fehlt ihr die Zeit.

„Unsere Idee ist es, dass wir ein mal in der Woche zu einer festen Zeit da sind und die Leute zu uns kommen können und dann immer jemand da ist, der mit ihnen arbeiten kann“, erklärt Mimoza Marku. Viel brauche es dafür eigentlich nicht, nur einen Tisch für einen Computer und ein paar Stühle.

Raum für Beratung gesucht

Doch noch laufe die Suche. „Schön wären Räume in der Nähe vom Landratsamt“, sagt Marku, denn das kennen vor allem viele Asylbewerber. Aber auch eine Zusammenarbeit mit Berufsförderzentrum (Bfz) oder der VHS könne sie sich gut vorstellen, schließlich absolvieren einige Asylbewerber dort ihre Integrations- und Sprachkurse.

Sie könnte sich auch vorstellen, das Bewerbungen-Schreiben beim Einbürgerungskursen zum Angebot zu machen. „Wer Lust und Interesse hat, kann da nach dem Unterricht noch kommen“, überlegt Marku.

Integrationslotsin Mimoza Marku ist unter Tel. (0151) 11171231 oder per E-Mail an mimoza.marku@malteser.org.