Lieber Leerstand als an Ausländer vermieten: Neumarkter Integrationslotsin kritisiert diese Haltung

„Viele Vermieter nehmen lieber einen Ukrainer mit Hund als jemanden aus Afrika“, sagt Mimoza Marku. Diese Erfahrung macht die hauptamtliche Integrationslotsin für den Landkreis Neumarkt immer wieder. Dabei schneide sich die Gesellschaft damit ins eigene Fleisch, denn so gehen Fachkräfte verloren.
Rassismus auf dem Immobilienmarkt sei Alltag, sagt Marku. Trotzdem gibt sie nicht auf, denn eine Wohnung ist mehr als ein Zuhause. Sie ist häufig auch Bedingung für einen Arbeitsplatz und letztlich der Schlüssel für gelungene Integration.
Fachkräfte kehren in ihre Heimatländer zurück
„Wer keine oder keine angemessene Wohnung hat, findet entweder gar keine Arbeit, weil er nicht dort hinkommt, wo der Job ist, oder er verliert sie wieder“, weiß die Leiterin des Malteser-Integrationsdienstes aus jahrelanger Erfahrung.
Das sei insbesondere fatal, weil der Gesellschaft dadurch gar nicht so selten dringend gebrauchte Fachkräfte verloren gehen, erklärt Marku: „Wir haben zum Beispiel Krankenschwestern und Pflegekräfte, aber auch Bauingenieure, die hier arbeiten können. Vielleicht finden sie für sich allein noch eine kleine Wohnung, aber irgendwann wollen und dürfen sie ja auch ihre Familien nachholen. Aber wenn sie über Jahre keine größere Wohnung finden, gehen sie irgendwann lieber zurück in ihre Heimat.“
Gefühl, nicht willkommen zu sein
Gerade in europäischen Ländern verbessert sich die Situation inzwischen so, dass das Leben dort für die Menschen nicht mehr so viel unattraktiver als in Deutschland ist. Die Integrationslotsin nennt beispielsweise Staaten in Osteuropa wie Albanien, Kosovo oder Kroatien, aber auch die Türkei. „Die Menschen wissen, dass sie dort zwar ein paar hundert Euro weniger im Monat verdienen, aber sie können dort ihre Familie gut davon versorgen“, weiß Marku. Die Arbeitskräfte, die vielleicht schon einige Jahre in Deutschland gearbeitet haben und die Sprache beherrschen, sind damit aber verloren.
Doch abgesehen von der finanziellen Lage kämpfen viele Ausländer in Deutschland auch mit dem Gefühl der Ablehnung. Und diese Diskriminierung zeige sich besonders auf dem Wohnungsmarkt. Die Konkurrenz auf dem Mietmarkt im Landkreis Neumarkt ist riesig, besonders um günstigen Wohnraum konkurrieren viele Bevölkerungsgruppen.
Projekt zur Begleitung für Mieter und Vermieter der Malteser
Neben Geringverdienern, Bürgergeld-Empfängern oder Alleinerziehenden hätten es Ausländer besonders schwer, sagt die Integrationslotsin. Fast täglich erreichen sie verzweifelte Bitten von oft sehr gut integrierten Menschen. Dann macht sie sich für diese auf die Suche. Im Rahmen des Projekts „Wohlfühlraum“ der Malteser arbeitet sie nicht nur mit engagierten Maklern aus der Region zusammen, sondern auch mit Ehrenamtlichen und klappert selbst regelmäßig Mietangebote auf dem freien Markt ab.
Marku: „Menschen lassen Wohnungen lieber leer stehen“
Aber nicht selten wollen Vermieter erst gar nichts von Ausländern als potenziellen Mietern hören – egal mit welchem Hintergrund, ob es nun der gut verdienende Ingenieur aus dem Kosovo ist oder der gerade anerkannte Kriegsflüchtling aus Syrien. „Viele Menschen lassen Wohnungen oder ganze Häuser lieber leer stehen, statt an Ausländer zu vermieten, gerade auf dem Land ist das oft so“, hat Marku festgestellt.
Dabei gibt es inzwischen einige Projekte, um potenziellen Mietern Ängste zu nehmen. Im Rahmen des Projekts „Wohlfühlraum“ stehen Mietern und Vermietern zum Beispiel ehrenamtliche Mietpaten zur Seite, die sie während der gesamten Mietzeit begleiten. Außerdem gibt es bei Bedarf und Wunsch Hilfe im Haushalt und Alltag für die Mieter.
Integrationslotsin Mimoza Marku ist unter Tel. (0151)11171231 oder mimoza.marku@malteser.org zu erreichen. Infos zum Projekt gibt es unter www.wohlfuehlraum-neumarkt.de