Von Toten lernen: Körper- und Skelett-Teile sollen Anatomie des Menschen näher bringen

Im Kulturkalender 2024 sticht eine Besonderheit heraus: die Ausstellung „echte menschliche Körper“, bei der eben diese drei Tage im August im ATT zu sehen sind. Klingt erst einmal makaber.
„Es ist mal eine ganz andere Art von Ausstellung“, sagt Kulturamtsleiterin Karin Stelzer. Bedenken habe es keine gegeben, auch Bürgermeister Sandro Bauer habe sich für das Projekt begeistert. „Schließlich werden wichtige Themen präsentiert und jeder kann selbst entscheiden, ob er hingeht oder nicht.“
Raucherlunge ausgestellt
Ein wichtiges Thema: Nikotin und seine Folgen. „Wir haben in der Ausstellung eine saubere und die Lunge eines Rauchers“, sagt Jeremi Sperlich, Leiter der Körperausstellung. Da könne man sehen, was man seinem Körper mit dem blauen Dunst antut.
Damit ist auch der eigentliche Zweck der Veranstaltung geklärt. Es geht nicht um ein Kunstprojekt, wie bei den einstmals skandalträchtigen Körperwelten Gunther von Hagens, die zur Jahrtausendwende zu heftigen Kontroversen geführt haben. „Wir sind eine medizinische Ausstellung, in der Wissen vermittelt wird, das früher ausschließlich Medizinern in den Sektionssälen der Universitäten vorbehalten war“, erklärt Sperlich. Themenschwerpunkte sind Skelett und Bewegungsapparat, Gehirn und Nervensystem, Geschlechtsorgane, Herz und Blutkreislauf, Nieren und Harnwege, Verdauungssystem, Sinnesorgane sowie Atemwege und Lunge. Von den Toten lernen, lautet das Motto der Ausstellung: „Wir möchten anatomisches Wissen an interessierte Besucher zu vermitteln.
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Grundlage hierfür ist eine umfangreiche Sammlung von Exponaten, bestehend aus konservierten menschlichen Körpern, Organen und Moulagen (plastische Nachbildungen von Krankheitsbildern; Anmerkung der Redaktion).“ Makaber, anstößig oder ekelig sei an der Ausstellung nichts, ist Sperlich überzeugt. „Für den Besuch gibt es keine Altersbegrenzung.“
Zerschnitten in 182 Stücke
Der heimliche Star im Tagungszentrum wird wohl ein Mensch sein, der in 182 Scheiben zerschnitten und jede davon konserviert wurde. Auf insgesamt zehn Metern kann man genau sehen, was sich in einem menschlichen Körper abspielt. Woher stammen eigentlich die Körper, die zur Schau gestellt werden? „Das sind Leihgaben aus den Vereinigten Staaten“, sagt Sperlich. Neben den rund 200 Exponaten, die gezeigt werden, gilt es noch eine Menge mehr zu entdecken: Funktionssimulatoren, Tastmodellen sowie ausführliche Erklärungen, Multimediavorführungen und Lehrtafeln zu allgemeinen und spezifischen Themen, wie Alkoholmissbrauch, Krebs, Aids und Organspende.
Die Ausstellung
Die Anatomische Ausstellung „echte menschliche Körper“ findet vom 23. bis zum 25. August jeweils von 11 bis 18 Uhr im Tagungszentrum ATT in Furth im Wald statt. Es werden keine Führungen angeboten, laut Ausstellungsleiter Jeremi Sperlich ist aber alles beschrieben und auch selbsterklärend. Der Eintritt beträgt für Erwachsene 15 Euro, für Schüler und Studenten zehn Euro, Kinder bis sechs Jahre bezahlen fünf Euro. Für angemeldete Schulklassen beträgt der Eintritt ab zehn Personen acht Euro, eine Lehrkraft ist frei, darf sich die Ausstellung vorher ansehen. „Man wird eineinhalb bis zwei Stunden brauchen, ehe man sich alles genau angesehen hat“, so Sperlich.