Ein Oster-Schatz, der schon 59 Jahre alt ist: Hohenwartherin hat ein besonders süßes Andenken

Von Sabrina Kauer · 31. März 2024 um 19:00

Schmuck, Geschirr oder Uhren sind Dinge, die häufig von Großeltern verschenkt werden und später einmal an sie erinnern. Ganz anders ist es bei Birgit Strasser-Jentsch aus Hohenwarth. Sie besitzt ein Andenken der ganz besonderen Art, nämlich eine Oster-Schokolade der Riegelein Confiserie. An der alten Süßigkeit erfreut sich nicht nur die Besitzerin.

„Das ist mein Schatz“, sagt Birgit Strasser-Jentsch, als sie eine bunte Blechdose auf ihren Esstisch stellt. Sie nimmt mehrere alte Grußkarten heraus, dann zwei braune Tafeln Schokolade. In der Mitte ist je ein weißes Osterlamm mit Siegesfahne zu sehen. Die eine sogenannte Lammtafel ist ein Jahr alt, die andere 59 Jahre.

Riegelein Confiserie ist im Landkreis Fürth ansässig

Zumindest vermutet die Hohenwartherin das, denn auf der Grußkarte von ihrer Oma, die Strasser-Jentsch schon immer zusammen mit der Tafel Riegelein-Schokolade in der alten Haribo-Blechdose aufhebt, steht das Datum 9. April 1965. „So haben wir das aufbewahrt und so bleibt das auch“, sagt Strasser-Jentsch. Dass sich ihre Oma für die Lammtafel als Ostergeschenk entschied, begründet Birgit damit, dass ihre Oma in Nürnberg gewohnt hat und die Riegelein Confiserie in Cadolzburg im Landkreis Fürth ansässig ist.

Essbares hebt man nicht auf

Dass sie die Vollmilchschokolade heute noch hat, findet Strasser-Jentsch „außergewöhnlich“. „Etwas Essbares ist ja eigentlich nichts, was man aufhebt. Deswegen ist diese Schokolade schon ein Highlight in meinem Leben.“ Birgit vermutet, dass die Lammtafel überlebt hat, weil die damals Zweijährige die Schokolade nicht habe essen dürfen. „Ich glaube, dass ich damals zu klein war und sie mir die Schokolade deswegen nicht zum Essen gegeben haben. Und später wird meine Mama gesagt haben: ‚Jetzt ist sie schon alt, jetzt brauchst du sie auch nicht mehr essen’.“

So sei die süße Köstlichkeit in der Blechdose gelandet – und auch für eine Zeit lang vergessen worden. „Es waren auch Jahre dabei, da hat man da nicht mehr reingeschaut.“ Bis zu dem Tag, als Birgit Strasser-Jentsch bei einem Meeting im vergangenen Jahr zufällig die damalige Projektmanagerin der Riegelein Confiserie, Viviane Jocham, kennenlernte. „Ich habe ihr erzählt, dass ich noch so eine alte Lammtafel aus den 60er Jahren habe.“ Die Freude darüber sei groß gewesen und Jocham habe es „unglaublich“ gefunden, dass Strasser-Jentsch nach so vielen Jahren immer noch im Besitz dieser Lammtafel ist.

Daraufhin landete die Hohenwartherin mit ihrer alten Lammtafel im „Schokoboten“, dem Mitarbeiter-Magazin der Rübezahl-Riegelein-Gruppe.

Zudem sei der Hohenwartherin eine riesige Tüte voll süßer Verführungen zugeschickt worden – „diese Sachen haben es natürlich nicht überlebt“, sagt die Personal- und Businesscoachin und lacht. Bis auf eine Schokolade: Die Lammtafel 2023. „Ich finde es toll, dass es das Modell noch gibt.

Die Schokoladentafel ist natürlich moderner, aber ich finde es fantastisch, dass sie das mit dem Lamm beibehalten haben.“

An der 59 Jahre alten Süßigkeit sollte man besser nicht mehr naschen

Die 59 Jahre alte Oster-Süßigkeit könne man zwar heute nicht mehr essen, „das Fett ist sicherlich ranzig“, sagt Strasser-Jentsch, dennoch sei die Lammtafel bis auf zwei Bruchstellen einwandfrei. „Ich finde es toll, dass sie auch meine jungen Jahre überlebt hat. Da haben ja solche Sachen keinen so großen Wert.“ Die heute 62-Jährige wurde in Nürnberg geboren. Trotz einiger Umzüge ging die Schokolade nie verloren oder völlig kaputt.

Die bunte alte Blechdose samt der Schokoladentafeln und der Grußkarten bewahrt Birgit seit jeher in einem Esszimmerschrank ihrer Mutter auf. Inmitten der Erinnerungsstücke liegt zudem ein kleines Amulett aus Jerusalem, auf dem die heilige Maria abgebildet ist. „Das ist da schon immer drin. Vielleicht ist die Schokolade deswegen noch so schön und hält sich so gut, weil sie vom Marien-Amulett geschützt wird“, sagt Strasser-Jentsch.

Ein hoher ideeller Wert

Die Süßigkeit habe keinen materiellen, aber dafür einen umso höheren ideellen Wert. „Meine Oma ist sehr früh gestorben. Vielleicht wollte meine Mama auch nicht, dass ich die Schokolade esse, weil sie die Lammtafel selbst in Ehren halten wollte.“

Früher sei es etwas besonderes gewesen, wenn man so eine hochwertige Schokolade von Riegelein geschenkt bekommen hat. „Meine Mama war die Zwölfte von 14 Kindern. Und dann waren da noch die ganzen Enkel. Vielleicht hat meine Oma zu Ostern immer ihre Lammtafeln verschickt. Das Geld war ja damals auch nicht da, deswegen war das schon etwas Besonderes.“ Birgits Mutter ist im vergangenen Jahr gestorben, weswegen die Lammtafel „immer mehr an Wert gewinnt.“

Leute finden es „Wahnsinn“

Wenn Birgit anderen die Geschichte der alten Vollmilchschokolade erzählt, hielten die Leute es jedes Mal für „Wahnsinn“, dass die Tafel noch in so einem guten Zustand ist und weder riecht noch grau wird. Auch ihrer älteren Cousine Jutta habe sie von der Lammtafel erzählt. „,Oh, ja! So eine habe ich auch bekommen’ hat sie damals gesagt“, erinnert sich Strasser-Jentsch. Ihre Tafel habe es jedoch nicht überlebt.

Probieren möchte Birgit die Schokolade heute nicht mehr. „Nicht, dass es dann ganz schrecklich ist und dann der ganze Zauber verloren geht.“ Für die Oster-Süßigkeit steht die Zukunft aber schon fest: Die alte sowie die neue Lammtafel wird Birgit ihrem zweijährigen Enkel Ferdinand schenken. „Das ist ein Familienerbe und das wird jetzt weitergegeben.“

„Es wäre super, wenn jemand von der Lammtafel liest und sagt: ‚Mei, so eine Tafel habe ich auch mal bekommen’“, sagt die 62-Jährige. Ein nächster Schritt könnte nun sein, die Lakritz-Blechdose an Haribo zu schicken – die ist laut Strasser-Jentsch nämlich auch „uralt“.

Birgitspersönlicher Schatz liegt in der alten Lakritz-Blechdose von Haribo.
Mit der alten Lammtafel war die Hohenwartherin im „Schokoboten“, dem Mitarbeiter-Magazin der Rübezahl-Riegelein-Gruppe.
Hat auch seinen festen Platz in der Blechdose: Die Ostergruß-Karte der Oma, die das Datum 9. April 1965 zeigt, und das Marien-Amulett.