Wie das Cannabis nach Regensburg kommt: Ab Montag wachsen Pflanzen in der Stadt

Von Micha Matthes · 31. März 2024 um 11:51

Ab Montag können auch in Regensburg Erwachsene die ersten erlaubten Joints rauchen. Es geht los, obwohl – zumindest gefühlt – noch niemand genau weiß, wie das jetzt alles funktionieren soll.

Es geht los, obwohl – zumindest gefühlt – noch niemand genau weiß, wie das jetzt alles funktionieren soll. Ab Montag können auch in Regensburg Erwachsene die ersten erlaubten Joints rauchen. Cannabis ist in Deutschland offiziell entkriminalisiert. Theoretisch dürfen die Erwachsenen dann auch direkt in der Öffentlichkeit 25 Gramm bei sich haben und zu Hause 50 Gramm sowie bis zu drei Pflanzen anbauen.

Da ab diesem Zeitpunkt aber eigentlich erst Samen aus dem EU-Ausland bestellt werden dürfen (nur für den Eigenbedarf), kann es normalerweise noch nicht sofort ein gesetzeskonform in Deutschland angebautes, fertiges Produkt geben. Überhaupt ist der Stichtag für die Teillegalisierung, die Ausgabe von legalem THC-haltigem Cannabis durch die Anbauvereinigungen, eigentlich der 1. Juli. Und die erste Ernte der Clubs wäre im Übrigen wohl frühestens im Oktober möglich.

Viele falsche Vorstellungen: Kunden wollen Joints kaufen

Bei den Konsumenten scheint dennoch etwas anderes anzukommen. „Täglich kommen Kunden in den Laden und wollen direkt THC-haltige Blüten oder fertig gedrehte Joints kaufen“, sagt Marcus Roith, der das Geschäft von Hanf.com am Viereimerplatz führt. Die Kette mit bayernweit zwölf Geschäften war zuletzt stark in den Medien präsent. Ihr Gründer hat in Aschheim einen Cannabis-Club als Pilotprojekt ins Leben gerufen. Die Gemeinde versucht sich gegen diesen mittels der Ad hoc-Einrichtung eines Spielplatzes in unmittelbarer Nähe zu wehren.

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In Regensburg werde es nicht zu so einer Situation kommen, erklärt Roith. „Wenn es im Juli losgeht, werden wir uns natürlich in jeder Stadt eine Fläche suchen.“ Sollte er dann den Club in Regensburg gründen, würden Anbau und Ausgabe aber sicher in einem Industriegebiet – fernab von Schulen und Spielplätzen – angesiedelt, sagt Roith. Im Geschäft am Viereimerplatz werde auch in Zukunft kein THC-haltiges Cannabis ausgegeben. Trotzdem ändert sich mit der Nachfrage auch jetzt schon in den insgesamt fünf Regensburger CBD-Shops das Sortiment. Substrate, Lampen, Dünger: Rauch-Zubehör und Produkte für den Eigenanbau sind zunehmend gefragt. Obwohl die Cannabis-Vereine erst ab Juli anbauen dürfen, steigt auch hier schon auf den 1. April zu das Interesse enorm.

Cannabis Social Clubs in Regensburg stehen in Startlöchern

Kilian Bohn erhält dazu im Moment „sehr viele“ Anrufe. Er ist Inhaber bei Hanf im Glück in Regensburg und Straubing, einem Franchise, das ebenfalls Hanfprodukte vertreibt. Bohn plant bereits die Gründung von zugehörigen Cannabis-Clubs, um dann zum 1. Juli möglichst schnell eine Anbaulizenz erwerben zu können. Dafür sei er auch in Regensburg bereits für Anbauflächen in Gesprächen. Die Samen bezieht Bohn von Partnern, unter anderem aus Spanien. „Dort haben wir durch unser Cannabis Social Club Pilotprojekt in Barcelona bereits ein sehr gutes Netzwerk aufbauen können.“

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Für die Regensburger Cannabis-Clubs von Hanf im Glück und Hanf.com gibt es bislang nur Newsletter – mit denen sich Interessenten quasi auch als Club-Mitglied vormerken lassen können. 800 Personen haben sich bei Bohn bereits angemeldet, 300 Personen sind es bei Roith. Maximal 500 Mitglieder dürfen die Clubs laut Gesetz haben. Hanf im Glück hat außerdem ein Pionierprogramm, bei dem man sich gegen Geld (zwischen 49 und 1199 Euro garantiert einen Platz als Mitglied und bis zu 20 Prozent Cannabis-Rabatt sichern kann). Bei dem von Bohn angedachten Modell gibt es eine monatliche Gebühr, das Cannabis wird zusätzlich pro Gramm bezahlt. Roith erwägt für seinen gemeinnützigen Club (die Clubs dürfen keine Gewinne erzielen), eine Gebühr von circa 150 Euro im Monat. Dafür könnten sich die Mitglieder dann ab Juli jeweils ihre 50 Gramm pro Monat (auf zweimal) abholen, erklärt er. Umgerechnet liegt der Preis pro Gramm aus dem Club bei Roith dann bei drei Euro gegenüber einem Schwarzmarktpreis von aktuell circa zehn Euro.

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Und wie soll das Ganze kontrolliert werden? Dazu bleiben bislang auch noch viele Fragen offen. „Bis dato liegen uns keine Hinweise vor, wie der Vollzug des Cannabisgesetzes ausgestaltet sein soll“, sagt Claudine Tauscher, stellv. Pressesprecherin des Landratsamts. Polizei, Landratsamt und Stadt verweisen auf das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittel (LGL). Der Freistaat beabsichtigt dort die Bildung einer neuen Verwaltungseinheit, die sich bayernweit zentral mit der Thematik der Anbauvereinigungen befassen soll. „Die Regelungen betreffend des gemeinschaftlichen Eigenanbaus treten erst zum 1. Juli in Kraft“, sagt LGL-Pressesprecher Aleksander Szumilas. „Vorher ist keine Antragsstellung möglich.“

Überwachung und Kontrolle durch LGL: Ablauf noch nicht fertig

Generell könne eine Anbauvereinigung entweder in Form eines Vereins oder als eine Genossenschaft organisiert sein. Anträge zur Eintragung in die entsprechenden Register seien an die zuständigen Registriergerichte zu stellen. Die zentrale Kontrolleinheit am LGL werde die Überwachung und Kontrolle des gemeinschaftlichen Anbaus übernehmen. Die Abläufe zum Verwaltungsvollzug des Konsumcannabisgesetzes (KCanG) würden derzeit noch innerbehördlich etabliert, sagt Szumilas.

Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt Regensburg, sagt: Es bleibe abzuwarten, inwieweit die landesrechtlichen Bestimmungen zum Vollzug des Gesetzes hier die Kreisverwaltungsbehörden und insbesondere die Ordnungsämter einbeziehen.

Die Hanf im Glück-Filiale in der Gesandtenstraße ist einer von insgesamt fünf verschiedenen CBD-Shops in Regensburg.
Die Nachfrage nach Rauch-Zubehör und Anbauprodukten steigt derzeit stark.
Kilian Bohn ist Inhaber des Shops Hanf im Glück.
In den Regenburger Shops gibt es nur Blüten mit weniger als 0,2 Prozent THC.