Acht Monate ohne Sperrstunde: Gute Nachrichten für Regensburger Nachtschwärmer

Der vorläufige Fall der Sperrstunde in Regensburg hat zahlreiche Vorteile. Vor allem gab es viel weniger Ruhestörungen. Junge Politiker zogen eine Zwischenbilanz.
Selten ist sich die Regensburger Politik so einig wie am Dienstagabend. In der Bar Kosmonaut haben Stadträte, Nachwuchspolitiker und Gastronomen eine Zwischenbilanz „Acht Monate ohne Sperrstunde“ gezogen. Unisono betonten sie, der Fall der Sperrstunde im Juli 2023 habe zahlreiche Vorteile gebracht: Mehr Ruhe in der Altstadt, weil nicht Hunderte auf einmal die Bars um 2 Uhr verlassen. Die Gäste können die Feiernacht in Ruhe ausklingen lassen. Gastwirte überziehen nicht mehr und deshalb fallen keine Geldbußen an.
Grünen-Stadträtin Anna Hopfe brachte Zahlen der Polizei mit. In den acht Monaten von Juli 2023 bis Ende Februar 2024 gab es 222 Polizeieinsätze wegen Ruhestörungen in der Innenstadt. Zwischen Juli 2022 und Ende Februar 2023 waren es 318 gewesen. Auch die Daten der Polizei bestätigen also die positive Einschätzung.
Weniger Polizeieinsätze
Regensburger Lokale dürfen seit dem Fall der Sperrstunde bis fünf Uhr öffnen. SPD, Grüne, CSU, Brücke, Freie Wähler sowie Horst Meierhofer (FDP), Christian Janele (Christlich-Soziale Bürger), Irmgard Freihoffer (damals Linke) und Jakob Friedl (Ribisl-Partie) hatten den einjährigen Probelauf mit anschließender Evaluierung im April 2023 beantragt. Der Verwaltungsausschuss des Stadtrats gab grünes Licht.
Nachtschwärmer und Wirte störte es schon lange, dass in Innenstadt-Lokalen um 2 Uhr und in den Clubs um vier Uhr zugesperrt werden musste.
Die Antragsteller erhofften sich einen Impuls für die innerstädtische Kultur und damit den gesellschaftlichen Austausch. Auch die Erholung der Gastronomie nach der Corona-Zeit wollten sie unterstützen. Während drinnen gefeiert werde, sollte es draußen ruhiger werden. Gastwirtschaften nähmen eine ordnende Rolle im Nachtleben ein, heißt es im Antrag. Das hätten die Pandemie-Jahre mit den Eskalationen auf öffentlichen Plätzen gezeigt.
Am Dienstagabend moderierte Sprecherin Claire Lindner von der Grünen Jugend. Vieles von dem, was sich die Antragsteller 2023 erhofften, scheint gelungen zu sein. Der Fall der Sperrstunde habe eher Vorteile, sagte bei der Diskussionsrunde der SPD-Stadtrat und Gastronom Alexander Irmisch, der die „Schierstadt“ in Stadtamhof betreibt.
Lärmpegel ist geringer
„Es nimmt den Druck für die Gastronomen raus.“ Gäste, die sitzenbleiben wollen, müsse das Personal nicht mehr hinauskomplimentieren. Es habe oft zu Lärm geführt, dass alle um 2 Uhr draußen sein sollten.„Jetzt geht jeder, wann er mag. Der Lärmpegel ist geringer.“ Vorher habe er für jede Veranstaltung, bei der er nicht wusste, ob sie länger dauern werde, die Genehmigung des Ordnungsamts benötigt.
„Es ist viel entspannter“, bestätigte Tobias Maier, Wirt der Bar Heimat. Sophia Ramm vom Kosmonaut sagte, grundsätzlich funktioniere es gut, doch die wenigsten nutzten die Verlängerung bis fünf Uhr aus. „Man muss die Leute nicht rausschmeißen, sondern es schleicht sich aus.“ Ein Überziehen um 15 Minuten koste 800 Euro. „Das können wir uns nicht leisten.“ Einige Diskussionsteilnehmer hatten Klagen der Clubbetreiber gehört, dass sie weniger Geschäft machen, weil nicht mehr so viel Partyvolk um 2 Uhr in ihre Häuser strömt. Noah Rohrwild von den Jungen Liberalen empfahl, die Diskotheken sollten neue Anreize setzen, damit mehr Gäste kommen.
Befragung der Betroffenen
Dass die Clubs zum Teil leiden, bedauerte Ramm. Die Bars verdienten aber wegen der längeren Öffnung nicht das große Geld. Hier widersprach Tobias Maier, der an den Wochenenden durchaus profitiert.
Alexander Ammelounx von der Jungen Union hatte den Besuch des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann am Dienstag genutzt, um mit der Polizei zu reden. Fazit: „Wir können eine positive Zwischenbilanz ziehen.“
Kreisvorsitzender Anton Sperger vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) plädiert wie die jungen Politiker dafür, dass der Stadtrat die Sperrstunde dauerhaft streichen soll. Auch nach Urteil von Kathrin Fuchshuber, Chefin des Hotelvereins, ist der Lärmpegel in der Altstadt gesunken. Die Hoteliers begrüßten eine Verlängerung bis Jahresende. Parallel dazu solle eine Erhebung der Stadt laufen. Dann könne man sich auf verlässliche Zahlen stützen. Anna Hopfe kündigte an, die Stadt werde die Verbände in der zweiten Jahreshälfte für die Evaluierung befragen. Optimistisch war Alexander Irmisch: „Ich glaube, dass wir es so hinbekommen, dass generell ausgesetzt wird.“