Geplanter Verkauf des VfL-Areals: Jetzt äußert sich Kelheim Fibres

Von Beate Weigert · 26. März 2024 um 19:00

Ein Manager des Kelheimer Industrieunternehmens nennt Hintergründe für geplanten Verkauf des VfL-Areals. Zudem sagt er, wie weit man ist und wie man die betroffenen Vereine unterstützen will.

Die Nachricht, dass dem VfL-Gelände in Affecking „das Aus droht“, kam vor zwei Wochen für die meisten aus dem Nichts. Nun spricht ein Vertreter des Kelheimer Faserproduzenten über die Beweggründe. Allein – ob die Kreisstadt tatsächlich „einspringt“ und das Areal kauft – ist bislang noch offen.

Am 15. März war man bei Kelheim Fibres (KF) nicht gerade „amused“, dass die Stadt mit ihrer Pressemitteilung vorpreschte und den geplanten Verkauf öffentlich machte. Man wollte zuerst mit den (Haupt-)Betroffenen, insbesondere den Vereinen VfL und SC Kelheim, gesprochen haben. Nun bestätigt Wolfgang Ott vom Management die Verkaufsabsicht.

Ein Kaufvertrag besteht allerdings noch nicht. Denn erst muss noch der Stadtrat zustimmen, ob man den Deal eingeht und das 51.500 Quadratmeter große Areal erwirbt.

Gerüchteküche: Geht es ans „Tafelsilber“?

„Wir sind uns bewusst, dass ein Verkauf für viele Menschen, insbesondere für die Vereinsmitglieder, überraschend ist und eine bedeutende Veränderung darstellt“, so Ott. Man pflege seit Jahrzehnten eine enge Verbindung. Der VfL war 1955 aus dem Werksportverein hervorgegangen. Dass die betroffenen Kelheimer über die Neuigkeit „nicht gerade happy“ seien, versteht Ott, insbesondere seit der Jahresversammlung des VfL Ende vergangener Woche. Fast zwei Stunden habe man nur über diesen Tagesordnungspunkt gesprochen. Mancher unkte dabei und auch sonst dieser Tage in Affecking, dass nun das „Tafelsilber“ veräußert werde. Auch dass ein neuer Investor, dies „verlangt“, hat er schon gehört.

Man habe in der Vergangenheit immer wieder mit der Stadt über das VfL-Gelände gesprochen, so Ott. Aber den Kauf des VfL-Geländes habe man ihr erst Ende Januar angeboten. Dies wäre für beide Seiten eine „Win-Win-Situation“: Kelheim Fibres erziele Erlöse, die Stadt erhalte das volle Zugriffsrecht und erhalten die Chance, das Gebiet weiterzuentwickeln.

„Deutlich länger“ sei man auf Investorensuche. Das verhehlt Ott nicht. „Aber mit dem VfL hat das nichts zu tun.“

Für Kelheim Fibres gehe es darum, die Nachwirkungen der Energiekrise zu bewältigen. Deshalb wolle man die Energietransformation – weg von 100 Prozent Erdgas hin zu 100 Prozent grünem Wasserstoff – schaffen. Dies bedeute aber „erhebliche finanzielle Investitionen“.

Der Umbau insgesamt dürfte zwischen „zehn und 20 Millionen Euro“ kosten. Wie hoch der konkrete Anteil von KF sein werde, sei noch unklar. Denn Teile der Investitionen will sich das Unternehmen per „Klimaschutzvertrag“ vom Bund zurückholen, so Ott.

Umrüsten auf grünen Wasserstoff ist „irrsinnig teuere Baustelle“

Primär gehe es um den Umbau des eigenen Kraftwerks im Herzen Affeckinger Geländes. Zunächst um vertragstechnische und rechtliche Planung, dann um die Konzipierung. Da zudem geplant ist, dass ab 2027/28 per Schiff angelieferter grüner Wasserstoff genutzt werden soll sowie später solcher, der per (neu gebauter) Pipeline aus Neustadt nach Kelheim gelangen soll, brauche es auch entsprechende „Anschluss“-Infrastruktur. Alles in allem werde das „irrsinnig teuer“.

Zurück zum geplanten Verkauf: Die Stadt sei erster Ansprechpartner für Kelheim Fibres. „Nun warten wir ab, wie sich der Stadtrat entscheidet.“ Gebe es grünes Licht könne man in die Vertragsverhandlungen eintreten und „so schnell als möglich“ einen Kaufvertrag unterzeichnen. Konkret sei das Areal 51.500 Quadratmeter groß. Davon stammten 44.800 Quadratmeter vom VfL. Allein an die 18.000 Quadratmeter ist der frühere Sportplatz groß, 6750 Quadratmeter entfielen auf den bestehenden Mitarbeiter-Parkplatz an der Abensberger Straße, westlich der Sportplatzfläche. Diese wolle man später wieder zurückpachten.

Kelheim Fibres signalisiert Unterstützung

Sollte die Stadt das Areal kaufen, werde KF die Vereine, insbesondere in der Übergangszeit, die die Stadt mit fünf Jahren angibt, „weiterhin im bisherigen Maß beim laufenden Betrieb unterstützen“. So werde man weiter die Kosten für den Löschteich tragen, der von Vereinsmitglieder auch zum Schwimmen genutzt wird.

Auch wenn es etwa um Konstruktionszeichnungen für ein neues Gelände und neue Gebäude gehe, könnten die Vereine auf die Unterstützung der KF zählen. „Wir machen uns nicht vom Acker.“

Für KF heißt es aktuell abwarten. Wenn es vonseiten der Stadt kein grünes Licht gebe, „werden die Karten neu gemischt“, so Ott. Laut Bürgermeister Christian Schweiger könnte die Entscheidung Ende April fallen.

Zu dem Zeitpunkt wird Wolfgang Ott einmal mehr das Wasserstoff-Thema beschäftigen. Mit einer bayerischen Wirtschaftsdelegation reist er dann in Emirate und Oman, um die Gespräche zu vertiefen. Erst vergangene Woche war ein potentieller Investor aus Oman im Kelheimer Hafen gewesen.

Weltmarktführer in Zahlen

Unternehmen: Das Kelheimer Faserwerk gibt es seit den 1930er Jahren. Heute ist die Kelheim Fibres GmbH nach eigenem Bekunden ein weltweit führender Hersteller von Viskosespezialfasern. Die GmbH gehöre einem Konsortium (EQUI-Fibres). Zu 80 Prozent halten einzelne Personen Anteile, zu 20 Prozent die Lenzing Gruppe.

Mitarbeiter: KF beschäftigt an die 600 eigene Mitarbeiter. Zahlreiche weitere externe Mitarbeiter sind hier im Einsatz. 65.000 Tonnen Fasern will man laut Ott 2024 produzieren. Vor dem Großbrand 2018 waren es 90.000 Tonnen gewesen. Auf dem Level will man bald wieder sein.

Wolfgang Ott ist Mitglied des KF-Managements.
Kommt es zum Verkauf an die Stadt, will Kelheim Fibres den Mitarbeiter-Parkplatz an der Abensberger Straße zurückpachten.
Auch das Schwimmbad respektive der Löschteich ginge beim Verkauf verloren. Im Übergang verspricht KF Unterstützung.