Firma Syntacoll in Saal ist verkauft – so viele Mitarbeiter haben beim neuen Eigentümer eine Zukunft

Von Beate Weigert · 26. März 2024 um 11:30

Vor einigen Wochen war bekannt geworden, dass das Saaler Unternehmen Syntacoll insolvent ist. Dabei sind dessen Projekte sehr gefragt am Markt. Nun ist ein neuer Investor gefunden. Er will die Firma im Landkreis Kelheim sanieren.

Das Amtsgericht Regensburg hatte für das Unternehmen, das seit 1992 besteht und für die Entwicklung und Fertigung „innovativer, voll resorbierbarer Implantate aus Kollagenen“ bekannt ist, die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet. Ivo-Meinert Willrodt war zum vorläufigen Insolvenzverwalter von Syntacoll bestellt worden. Liquiditätsschwierigkeiten nannte er als Grund für den Antrag.

Die Frage, ob die Insolvenz der irischen Konzernmutter Syntacoll mitgerissen hatte, wie man bei der Gewerkschaft IGBCE mutmaßte, beantwortete Willrodt nicht.

Ab Ende Dezember führte der Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht von der Restrukturierungsgesellschaft Pluta den Geschäftsbetrieb mit der Syntacoll-Geschäftsführung fort. Parallel lief die Investorensuche an. Willrodt griffen bei Pluta ein weiterer Rechtsanwalt und ein Industriekaufmann unter die Arme.

Ende Februar hatte das Amtsgericht Regensburg dann das Verfahren eröffnet und Willrodt offiziell zum Insolvenzverwalter bestellt. Nun heißt es auf unsere Nachfrage bei ihm, dass der Geschäftsbetrieb von Syntacoll verkauft worden sei.

Mit Wirkung zum 1. März sei dieser „im Rahmen einer übertragenden Sanierung an die MPN Medizin Produkte Neustadt GmbH“ veräußert worden. Anfang März hatte Willrodt nur verlautbaren lassen, dass es einen Vertrag mit einem Investor gebe. Details könne man aus „rechtlichen Gründen“ aber erst später kommunizieren. Jetzt heißt es dazu weiter, dass „neben dem Produktionsstandort in Saal an der Donau auch rund 50 Arbeitsplätze im Rahmen dieser Lösung erhalten“ bleiben.

Von weiteren mehr als 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Syntacoll noch im Dezember hatte, ist in Willrodts Antwort keine Rede. Auch nicht davon, ob die bisherige Geschäftsführerin zu den Gekündigten gehörte oder nicht.

Auf Nachfrage bestätigt die von Pluta beauftragte PR-Firma, dass mehr als 30 Mitarbeitern „leider gekündigt werden musste“. In diesen Fällen sei „eine sozialverträgliche Beendigung der Arbeitsverhältnisse“ erfolgt. Weitere Details könne man nicht bekanntgeben.

Im Rückblick auf seine Arbeit in den vergangenen Monaten sagt Willrodt: „Der Investorenprozess für so hoch spezialisierte Unternehmen im Pharmabereich ist eine große Herausforderung, da es meist nur wenige Anbieter auf dem Markt gibt.“ Umso erfreulicher sei die erzielte Einigung. Mit dieser habe man „nicht nur im Sinne der Gläubiger die bestmögliche Lösung erzielt“.

Auch „Technologie und Expertise, die im Laufe der Jahre entwickelt wurden, bleiben so erhalten und werden weiterhin zur Verfügung stehen“.

Die Syntacoll-Produkte hatte Willrodt Anfang Februar als „am Markt sehr gefragt“ eingeschätzt. Die in Saal gefertigten voll abbaubaren Implantate aus Kollagenen werden in der Regel nach OPs in Kliniken oder chirurgischen Praxen verwendet, zur Wundheilung, Blutstillung und Adhesionsbarriere.

Zum neuen „international renommierten Investor“ gibt Willrodt folgendes bekannt: „Die MPN Medizin Produkte Neustadt GmbH gehört zur international tätigen AMS (Advanced Medical Services)-Gruppe, die ihren Hauptsitz in England hat. Sie verfügt über mehrere Tochtergesellschaften in Deutschland und anderen Ländern, wie den USA. Die Gruppe verfügt über große Expertise in den Bereichen Pharma und Medizintechnik.“