Saaler Pharma-Unternehmen ist insolvent – wie es weitergehen soll

Hinter unscheinbaren Mauern fertigt ein Saaler Unternehmen innovative und sehr gefragte Medizinprodukte, die vielfach nach Operationen zum Einsatz kommen. Vor Kurzem schreckte die Nachricht von der Insolvenz die Mitarbeiter auf. Das ist bekannt.
80 Frauen und Männer sind bei Syntacoll in der Saaler Donaustraße beschäftigt. Seit 1992 werden bei dem Pharmaunternehmen Medizinprodukte und Arzneimittel hergestellt.
Mitarbeiter sind verunsichert, Betrieb bei Syntacoll läuft weiter
Kurz vor Weihnachten hatte das Amtsgericht Regensburg die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet und Ivo-Meinert Willrodt zum vorläufigen Insolvenzverwalter von Syntacoll bestellt. Willrodt ist bei der Sanierungs- und Restrukturierungsgesellschaft Pluta als Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht tätig. Grund für die Antragstellung seien Liquiditätsschwierigkeiten, heißt es auf unsere Nachfrage von Relatio PR, die für Pluta die Kommunikation übernimmt. Willrodt führe seit der Antragstellung im Dezember den Geschäftsbetrieb mit der Syntacoll-Geschäftsführung fort.
Bekannt ist das Saaler Unternehmen vor allem für die Entwicklung und Fertigung „innovativer, voll resorbierbarer Implantate aus Kollagenen“. Diese werden laut Willrodt in der Regel nach OPs in Kliniken oder chirurgischen Praxen verwendet, zur Wundheilung, Blutstillung und Adhesionsbarriere.
Das sagt die Gewerkschaft IGBCE zu Syntacoll
Zu Syntacoll könne er nicht viel sagen, entgegnet Andreas Blaser, der Bezirksleiter der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE). Die Mitarbeiter seien wenige Tage vor Weihnachten von der Insolvenzbekanntmachung überrascht worden. Insbesondere, weil das Unternehmen „immer gut gelaufen“ sei und die Arbeitnehmer nicht wussten, wie es zur Insolvenz gekommen war. Das verunsicherte, so Blaser. Eine Info von Firmenseite gab es seines Wissens nicht.
Das Geschäft von Syntacoll ordnet er als „zukunftsträchtig“ ein. „Der Absatz sei nicht das Problem“, glaubt Blaser. Die große Frage werde sein, „ob man einen neuen Finanzgeber findet“.
Der Betriebsrat werde für die Gewerkschaft von einem Rechtsanwalt begleitet. Doch auch dieser wisse aktuell nichts Neues. Laut Gewerkschaft musste Syntacoll in Saal Insolvenz beantragen, „weil ihre Konzernmutter Insolvenzantrag gestellt hatte und die Saaler damit unmittelbar betroffen waren“.
Insolvenzverwalter Ivo-Meinert Willrodt zeigt sich optimistisch
Vom vorläufigen Insolvenzverwalter gibt es dazu keine Bestätigung. Zu den Umständen des Insolvenzantrags der Syntacoll könne er sich nicht weiter äußern, sagt Ivo-Meinert Willrodt.
Aktuell führt der Sanierungsexperte nach Auskunft von Relatio PR einen Investorenprozess für Syntacoll durch. Derweil laufe die Produktion bei Syntacoll „in gewohnter Qualität“ weiter. Auch alle Aufträge „werden wie gewohnt bearbeitet“.
Das Sanierungsteam, zu dem noch Rechtsanwalt Mirko Möllen und Industriekaufmann Hans-Christian Kaellner gehörten, prüfte in den vergangenen Wochen die finanzielle Situation des Betriebs und leitete die Insolvenzgeldvorfinanzierung in die Wege. „Die Mitarbeiter erhalten „im Rahmen des Insolvenzgelds ihre Gehälter nahtlos weiter ausbezahlt.“
Andreas Blaser: Gehälter werden weiter gezahlt
Das ist auch das, was IGBCE-Bezirksleiter Andreas Blaser gehört hat.
Hinter den Kulissen arbeiten die Sanierungsexperten nach eigener Aussage an einer Zukunftslösung für das Pharmaunternehmen. Dies könne unter anderem eine Sanierung im Rahmen einer Investorenlösung sein. Derzeit führe man Gespräche mit potenziellen Interessenten, erklärt Willrodt. Diese verliefen „positiv“.
Laut Willrodt sind die Syntacoll-Produkte „sehr gefragt“ am Markt. Dies zeige sich auch am „großen Interesse am M&A Prozess“. Im Anschluss an die Interessensbekundungen „rechnen wir mit den ersten bindenden Angeboten. Diese werden wir anschließend umfassend prüfen“. Man sei „optimistisch, eine nachhaltige Lösung für Syntacoll erreichen zu können“.
Bürgermeister Christian Nerb weiß „nichts Offizielles“
Saals Bürgermeister Christian Nerb hat „bisher nichts Offizielles, dass Syntacoll insolvent ist“, sagt er auf unsere Nachfrage. Weder von der Firmenleitung noch sonst habe er eine Mitteilung erhalten. Syntacoll habe für die Gemeinde einen sehr hohen Stellenwert. Die Firma sei renommiert „mit einem guten Namen“ und einer hohen Zahl an „hochwertigen Arbeitsplätzen“. Ein Aus wäre „ein großer Verlust“.
Erst vor gut einem Jahr hatte das Medizinunternehmen Covidien Medtronic in Neustadt dicht gemacht. Syntacoll ist laut Andreas Blaser im Landkreis Kelheim das letzte verbliebene Unternehmen im Segment „Pharmazie/Medizin“. Bis Mitte, Ende Februar rechnet er mit möglichen, neuen Infos vom Syntacoll-Insolvenzverwalter.
Das Unternehmen
Produkte: Seit 1992 ist Syntacoll als Hersteller von Medizinprodukten und Arzneimitteln in Saal an der Donau tätig. Der Produktionsstandort ist laut Firmenwebsite nach GMP und ISO 13485 zertifiziert. Zudem besitzt der Betrieb eine Herstellungserlaubnis für wirkstoffhaltige Arzneimittel auf Kollagenbasis.
Mutterkonzern: Syntacoll ist ein Tochterunternehmen des irischen Pharmaunternehmens Innocoll. Nach Gewerkschafts-Informationen soll deren Insolvenz die der Syntacoll ausgelöst haben. Online vermeldete Innocoll kürzlich, eine Umschuldung erfolgreich abgeschlossen zu haben.