Schock für Vereine und Affeckinger Bürger: Kelheims VfL-Gelände wird verkauft

Von Beate Weigert · 16. März 2024 um 05:00

Am Freitag, 15. März, ließ die Stadt die Katze per Pressemitteilung aus dem Sack. Übertitelt war die Nachricht mit: „VfL-Gelände droht das Aus. Stadt springt ein.“ Dieser große Umbruch steht nun dem Stadtteil Affecking bevor.

Jahrzehnte waren Faserwerk und Sportverein(e) eng verbunden. Nun plant Kelheim Fibres den Verkauf des Areals, die Stadt will vom Vorkaufsrecht Gebrauch machen.

Laut Mitteilung der Stadt fiel bei Fibres die Entscheidung das Grundstück „im Zuge notwendiger Investitionen“ zu verkaufen. Die Stadt werde es erwerben. Zudem seien laut Bürgermeister Christian Schweiger erste Schritte unternommen, um den VfL mit seinen Abteilungen, den RSC, das LTT und die Schützen Grün-Weiß „vor einer unsicheren Zukunft zu bewahren“.

Anstelle des VfL soll ein neues Gewerbegebiet entstehen

Dem gut 51.000 Quadratmeter großen Grundstück stehe ein Umstrukturierungsprozess bevor, heißt es weiter. Denn mit Blick auf die „Wertigkeit“ des Grundstücks komme es nicht infrage, dass Areal weiter als Sportgelände zu nutzen, sagt Schweiger auf Nachfrage unserer Zeitung. Geplant sei dort ein Gewerbegebiet zu entwickeln.

Von den Verkaufsplänen der Fibres habe die Stadt vor etwa einem Monat erfahren, so Schweiger. Auf Nachfrage unserer Zeitung will sich das Unternehmen „zum aktuellen Zeitpunkt“ nicht zum Verkauf äußern.

Ein Neubau beim SC Kelheim ist der Plan B

Da wohl an die 2000 Vereinsmitglieder ihr seit Jahrzehnten angestammtes Sportareal verlieren werden, braucht es einen Plan B. Auch diesen verkündete Schweiger per Pressemitteilung.

Ziel der Stadt sei es, „ein neues, zukunftsorientiertes Sportzentrum zu schaffen, das nicht nur den Vereinen ein neues Zuhause gibt, sondern auch als ein Symbol der Einheit und Stärke der Stadt Kelheim dient". Ein neues „Sportzentrum am Hopfenbach“ nennt es Schweiger. Auch der SC Kelheim ist davon betroffen.

Christian Schweiger: Vereine vor einer Woche informiert

Die Vereinsvorstände setzte der Bürgermeister nach eigener Aussage vor einer Woche ins Bild. Vom VfL-Vorstand war am Freitag niemand für ein Statement erreichbar. SC-Vorsitzender Andreas Ipfelkofer zeigte sich von der Neuigkeit „total überrascht“. Er glaubt, dass es den SC nicht „so heftig trifft, wie den VfL“. Noch gebe es nur eine sehr grobe Anfangsplanung. Dass aber auf „ganz Affecking“ eine „einschneidende Veränderung“ zukommt, dürfte nicht nur Ipfelkofer so sehen.

Entsprechend überrascht bis geschockt, dürften nun die betroffenen Mitglieder sein. Bei beiden Vereinen stehen just die Jahresversammlungen an. Beim SC am Abend als die städtische Pressemitteilung verschickt worden ist, beim VfL am Donnerstag, 21. März. Beide Male wurden bzw. werden Bürgermeister und ein Fibres-Vertreter erwartet.

Die Sportstätten von VfL und SC sollen in einem neuen „Sportzentrum Affecking“ nahe der Bahnstrecke zusammengelegt werden. „Ohne, dass die Vereine ihre Identität verlieren“, wird Schweiger in der Pressemitteilung zitiert. Sie blieben „eigenständig, profitieren jedoch von verbesserten und gemeinsam genutzten Einrichtungen“. Diese Planung erfordere die Sicherung notwendiger Flächen und die Durchführung eines Bauleitplanverfahrens.

Millionen schweres Vorhaben

Gefragt nach einem Zeithorizont, in dem das Ganze realisiert werden soll, nennt Schweiger „etwa fünf Jahre“. Wie teuer das Ganze wird, ist aktuell noch nicht zu sagen. „Ein paar Millionen“ sicher, so der Bürgermeister. Als Nächstes soll eine Projektgruppe zur Konzepterarbeitung ins Leben gerufen werden.

In den 1950er und 1960er Jahren hatte der VfL Kelheim eine aktive Leichtathletikabteilung. Foto: VfL-Archiv