Immer mehr tote Katzen durch Autounfälle: „So schlimm war es noch nie“

Kater Bolle hatte Glück. Vor einigen Wochen wurde er in der Nähe des Deininger Ortsteils Döllwang (Lkr. Neumarkt) angefahren und verletzt. Weil er nicht registriert ist und seine Besitzer nicht gefunden werden konnten, lebt er im Neumarkter Tierheim. Doch Bolle ist kein Einzelfall. Was Fahrer und Besitzer tun können.
In den vergangenen Wochen kam es häufiger zu Autounfällen mit Katzen. Mit einem Foto eines toten Katers macht das Neumarkter Tierheim auf Facebook auf die Situation aufmerksam. Waltraud Fuchs leitet die Einrichtung seit 2001. Dass Katzen immer wieder in Unfälle verwickelt sind, sei leider nichts Neues. Aber in letzter Zeit sei fast täglich eine tote Katze gemeldet worden. „So schlimm war es in 23 Jahren noch nie“, sagt Fuchs.
Autofahrer trifft oft keine Schuld
In den meisten Fällen könne man den Autofahrern keine Vorwürfe machen. Katzen würden oft blitzschnell aus einem Gebüsch über die Straße rennen. Auch wenn man sich dabei in der Ortschaft an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 50km/h halte, habe das Tier oft keine Chance – und für Fahrer ist es „unabwendbar, sagt Fuchs.
Meist sind die Opfer Kater, die nachts herumstreunen und von „Frühlingsgefühlen“ befallen sind, so Fuchs. Mehrheitlich seien sie nicht gekennzeichnet und unkastriert. Und genau hier liegt das Problem: Wird eine Unfallkatze in die Tierklinik gebracht und kann nicht zugeordnet werden, nimmt das Tierheim die Katze auf. Zwar versuchen Fuchs und ihr Team dann, über ein Foto auf Facebook oder Instagram die Besitzer ausfindig zu machen, aber nicht immer ist das erfolgreich.
Tierheim bleibt oft auf Behandlungskosten sitzen
Das bedeutet aber, dass das Tierheim für die Behandlungskosten aufkommen muss – und die würden sich oft zwischen 1500 und 2000 Euro bewegen. Im schlimmsten Fall müssten sie sogar entscheiden, ob das Tier eingeschläfert wird. „Das fällt uns sehr schwer“, sagt die Leiterin. Sie vermutet aber, dass sich manche Besitzer gar nicht erst melden oder ihr Tier in der Klinik zurücklassen, weil die Kosten für sie einfach zu hoch seien.
Doch wie verhält man sich nach einem Unfall mit einer Katze richtig? Als Autofahrer solle man sich grundsätzlich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten. Wenn einem eine Katze vors Auto gelaufen ist, bringt man das Tier am besten zum Tierarzt oder in die Tierklinik nach Nürnberg, sagt Fuchs. Es schade nie, ein Handtuch und eine Box im Auto zu haben. Mit dem Handtuch könne man das Tier einwickeln und für den Transport in die Box legen. Im Zweifel könne man auch die Polizei verständigen.
Wenn das Tier bereits tot ist, sollte man es an den Straßenrand legen und nachsehen, ob das Tier eine Tätowierung hat, sagt Fuchs. Hilfreich sei auch, ein Foto zu machen und es mit der genauen Ortsangabe auf Sozialen Netzwerken zu veröffentlichen.
Man sollte sein Haustier registrieren
Auch als Katzenbesitzer könne man etwas tun. Es sei zum Beispiel besser, seine Katze nachts nicht raus zu lassen, findet die Tierheimleiterin. Damit man benachrichtigt wird, falls der Katze etwas passiert, sollte man sie nach der Kastration und Kennzeichnung beim Haustierregister anmelden. Nur dann ist eine Zuordnung möglich.
Warum im Moment so viele Unfälle mit Katzen passieren, könne sich Fuchs nicht genau erklären. Sie vermutet, dass durch Corona vielleicht mehr Tiere in Familien leben. In der Kommentarspalte auf Facebook kursiert aber auch das Gerücht, dass E-Autos Schuld am Anstieg seien. Katzen würden das Auto erst zu spät hören. Fuchs kann nicht beurteilen, ob das stimmt, sagt sie. Schlecht hören würden Katzen aber sicherlich nicht.
Die Tierheimleiterin kann nur hoffen, dass sich die Situation wieder beruhigt, „wenn die ersten Frühlingsgefühle vorbei sind“.