Über die Lage im Tierheim Neumarkt: „Mehr darf nicht passieren“

Von Wolfgang Endlein · 28. Februar 2024 um 08:00

Der Deutsche Tierschutzbund schlägt Alarm: Die Lage der Tierheime in Deutschland sei extrem angespannt, erklärte der Verband Anfang Februar nach einem Runden Tisch in Berlin. Trifft das auch auf das Tierheim in Neumarkt zu? Waltraud Fuchs klärt auf.

Fuchs ist das Gesicht des Tierheims in der Langen Gasse, der einzigen Einrichtung dieser Art im Landkreis. Eigentlich hätte Fuchs schon längst gerne diese Rolle an jemand jüngeres abgegeben. Im Sommer 2022 schien das auf einem guten Weg mit einer neu gewählten Vorsitzenden des Tierschutzvereins. Doch nach einigen Monaten habe diese hingeworfen, sagt Fuchs und sie habe wieder einspringen müssen.

„Das Tierheim ist am oberen Anschlag“, sagt die 72-Jährige über die aktuelle Lage. 50 Katzen und 16 Hunde darf es aufnehmen. Es habe aber auch schon Notsituationen gegeben, in denen es deutlich mehr gewesen seien, sagt Fuchs. Hinzu kommt: Tierheime hätten immer einen Grundbestand an Tieren, die wegen ihres Verhaltens, ihrer Gesundheit oder ihres Alters kaum mehr vermittelt werden könnten. „Aber der Grundbestand wird größer“, stellt Fuchs fest.

Stadt Neumarkt gibt 10.000 Euro an das Tierheim

Immerhin: Einen Investitionsstau gibt es nicht, auch wenn Fuchs sagt: „Man könnte immer etwas verbessern. Aber das muss im Zweifel hintenanstehen“. Vor einigen Jahren wurde mit beträchtlicher finanzieller Hilfe der Stadt ein Lageranbau errichtet. Auch sonst beteiligt sich die Stadt jährlich mit 10.000 Euro.

Das Geld bleibt aber neben der Unvernunft mancher Menschen im Umgang mit Tieren das große Thema für das Tierheim. Es ist vor allem auf Spenden und Einnahmen aus Vermittlungen sowie der Kostenerstattung durch Kommunen, wenn es Fundtiere aufnimmt, angewiesen.

Eine Pflicht, die Heime finanziell zu unterstützen, hat der Staat sich nicht gegeben. Dabei stehe im Grundgesetz der Tierschutz als Staatsziel, kritisieren Tierschutzverbände. Wenn Geld fließt, dann freiwillig. Die Ampelkoalition wollte eine Stiftung gründen, um die Tierheime angesichts steigender Kosten zu unterstützen. „Nichts ist passiert“, sagt Fuchs. „Ich weiß nicht, ob die Politik sich darüber Gedanken macht, was passiert, wenn ihr die Tierheime um die Ohren fliegen.“ Solange es gut gehe, halte die Politik lieber still und spare sich Geld.

Kosten für Behandlung bei Tierärzten gestiegen

Die Kosten bei den Tierheimen seien aber wie auch in anderen Lebensbereichen explodiert. Energie und Futter gehören dazu, aber ebenso der gestiegene Mindestlohn macht dem Tierheim mit seinen zehn Mitarbeitern zu schaffen, wie die Ehrenamtliche Fuchs sagt. Vor allem aber belastet die seit Ende 2022 deutlich gestiegene Gebührenordnung für Tierärzte das Konto des Tierheims.

Angesichts der Entwicklung von steigenden Ausgaben und schwer kalkulierbaren Einnahmen, sagt Fuchs: „Die Zukunft ist kaum planbar“. Sie versuche zu sparen, wo es gehe, und Geld zurückzulegen. Für den Fall, dass noch größere Einbrüche kommen. Denn: „Ich kann ja nicht einfach sagen: ,Dann schließen wir das Tierheim eben in sechs Monaten’“.

Neuwahlen beim Tierschutzverein Neumarkt im Sommer

Fuchs’ Fazit der aktuellen Lage: „Mehr darf nicht passieren“. Ihre tägliches Abarbeiten an der Situation packt sie in ein Gleichnis: „Wir strampeln wie der Frosch in der Milch, bis die zur Butter wird und er wieder oben auf sitzt“.

Was bleibt einem an Motivation angesichts dieses stetigen Ringens? „Wenn ich für ein Tier ein passendes Zuhause gefunden habe, das macht mir Freude und gibt mir Antrieb“, sagt Fuchs, die aber nichtsdestotrotz hofft, dass sich im Sommer bei den Neuwahlen im Verein doch jemand ihrer erbarmt und das Vorsitzendenamt übernimmt. „Ich trete nicht mehr an“, betont die 72-Jährige.

Seit 1996 steht das Neumarkter Tierheim in der Langen Gasse. Foto: Endlein
Waltraud Fuchs ist seit Jahrzehnten die prägende Persönlichkeit im Neumarkter Tierheim. Foto: Maul