Bettler mit Welpen in Neumarkt: Tierärztin warnt davor, Leid der Hunde zu unterstützen

Von Petra Schlierf · 10. Dezember 2023 um 17:00

Wer in der Vorweihnachtszeit am Oberen Markt unterwegs ist, dem fallen derzeit besonders viele Bettler auf. Bei Minusgraden knien sie auf ihren Rucksäcken. Manchmal liegt neben ihnen ein Hund. Mitleid wollen diese Menschen mit Hilfe der Tiere erregen. Veterinärin Sabine Götz macht so ein Anblick wütend.

Das Vorgehen der Bettler hält sie für einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Die Regensburgerin ist Tierärztin und war diese Woche in der Neumarkter Innenstadt unterwegs. Dabei entdeckte sie im Stadtgebiet gleich mehrere Fälle, in denen Bettler Hunde bei sich hatten – bei Minusgraden nur auf einer Decke auf dem kalten Pflaster.

„Welpe wenige Wochen alt“

Sabine Götz kennt solche Fälle aus München. Deswegen hat sie bei ihrem Besuch in Neumarkt genauer hingeschaut: „Einer dieser Menschen saß am Montag zuerst alleine vor dem Müller am Oberen Markt. Dann kam ein anderer und hat ihm einen Welpen gebracht, eingewickelt in eine Decke.“ Der musste dann längere Zeit bei dem Mann sitzen – völlig reglos habe das Tier auf der Decke gelegen. „Der Welpe war erst ein paar Wochen alt“, kritisiert die Veterinärin. Dass er so reglos auf der Decke lag, hält sie nicht für einen Zufall: „Zum Teil geben die den Tieren irgendwelche Schlafmittel, damit sie ruhig liegen bleiben und nicht bellen.“

Ob das wirklich eine Praxis ist, mit der Bettlerbanden arbeiten, konnten Tierschutzvereine und Behörden in den vergangenen Jahren nicht verifizieren. Götz vermutet daher, dass die Tiere bewusst ruhig gestellt werden, denn: „Es liegt in der Natur des Hundes, sich zu bewegen und auch mal zu bellen. Wenn ein Tier stundenlang regungslos daliegt, kann ich mir schon vorstellen, dass die gezielt ruhiggestellt werden.“

Welpen in der Neumarkter Innenstadt noch sehr jung

Betäubung oder nicht – einen Hund dürfe man in jedem Fall nicht stundenlang in dieser Kälte auf dem Boden liegen lassen, sagt Sabine Götz. So etwas hält sie für tierschutzwidrig. Noch dazu sei der Welpe, den sie am Oberen Markt beobachtet hat, aus ihrer Sicht deutlich zu jung gewesen, um von der Mutter getrennt zu werden.

Die Tierärztin kritisiert, dass die Stadtverwaltung gegen diese Tierquälerei nicht einschreite. In anderen Städten gebe es entsprechende Kontrollen. Beispielsweise würden in München immer wieder Tiere beschlagnahmt. Leider habe der Tierschutz noch immer zu wenig Lobby in den Behörden, sogar in den Veterinärämtern, hat sie festgestellt.

Kontrolle durch Veterinäramt

Doch unabhängig davon könne jeder etwas tun: „Nicht auf diese Masche reinfallen und diesen Menschen kein Geld geben. Denn das sind Banden, die die Hunde nur dafür anschaffen, um mehr Geld zu erbetteln.“

Der Verdacht, dass derzeit organisierte Bettlerbanden in der Innenstadt aktiv sind, drängt sich auf, wenn man etwas genauer hinschaut. Fünf Bettler verteilten sich beispielsweise am Mittwoch am Oberen Markt, alle von ihnen mit identischen Pappbechern vor sich oder in der Hand und offenbar in regem Handykontakt untereinander.

Ist betteln auf offener Straße in Neumarkt überhaupt erlaubt? Ja, teilt die Stadt Neumarkt mit: „Das Betteln in der Öffentlichkeit ist zunächst allgemein nicht verboten. Sofern es nicht aggressiv, bandenmäßig oder organisiert erfolgt und keine Behinderung für Fußgänger darstellt, wird es von der Stadt geduldet. Die Notwendigkeit eines Verbotes wird nicht gesehen.“

Veterinäramt kann keine Verstöße feststellen

Auch das Veterinäramt des Landkreises Neumarkt sieht im Betteln mit Hunden offenbar kein größeres Problem. Der Fall, den die Regensburger Tierärztin gemeldet hatte, sei nach Angaben des Veterinäramts bearbeitet worden. Andere derartige Fälle seien der Behörde aus der Vergangenheit aber nicht bekannt.

Im Falle des Welpen sei das Veterinäramt nachgegangen: „Die Kontrolle des vorliegenden angezeigten Falls ergab veterinärrechtlich keine Beanstandung, die angezeigten Tatbestände konnten nicht nachvollzogen werden.“