Archäologin Birgit Symader hat unter dem Waldmünchener Marktplatz einen Raum entdeckt

Sie sind kaum zu hören, die Worte von Birgit Symader. Aber kein Wunder, die Archäologin ist im wahrsten Sinne des Wortes abgetaucht, als sie ein erstes fachlich fundiertes Urteil zu Waldmünchens Unterwelt spricht. „Schön, spannend, machbar.“ Ziemlich sicher hat sie damit einen Stein ins Rollen gebracht.
Denn: Die Expertise der Grabungstechnikerin bestätigt das, was Museumsverein und Keller-Eigentümer Wieland Oberhofer als Ergebnis von Probebohrungen und Erkundungen vor kurzem geschlussfolgert hatten. Hinter mancher Wand in den Gängen tief unter dem Marktplatz „ist noch was, etwas, das sich zu erforschen lohnt“.
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Sie habe keine Ahnung, was sie erwarte, gibt die Archäologin vor dem Abstieg zu. Um wenig später das erste Mal entzückt zu sein: Das Entlüftungssystem, das Besitzer Wieland Oberhofer hat anbringen lassen, sei „saugut“. Ohne ein solches würden Keller wie seine einem Einsturz preisgegeben sein, verdeutlicht die Archäologin. Ein Schicksal, das sie unter anderem für Rötz fürchtet.
Geologie trifft auf Geschichte
Die Fachfrau betrachtet jede Mauer genau, datiert Steine und Felsen, schätzt ursprüngliche Tunnel. Schon auf den ersten Blick ist vom 17. bis 19. Jahrhundert alles dabei. Die an vielen Stellen immer wieder eingebrachten Stabilisierungsbögen zeigten, welch hohen Stellenwert die Keller für die Menschen in früheren Zeiten hatten, veranschaulicht sie. Geologie gepaart mit Geschichte. „Schon allein all diese Erklärungen helfen uns weiter“, sagt Vereinsvorsitzender Jürgen Lampatzer dankbar – zumal die renommierte Erdstallforscherin all das ehrenamtlich macht.
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Birgit Symader fackelt nicht lange, als sie das Loch in einer der Wände erblickt, das Max Lampatzer und Max Harter vor zwei Wochen gebohrt haben. Kurzerhand schlüpft sie auf die andere Seite, obwohl dort zwischen Auffüllmaterial und Decke so wenig Platz bleibt, dass sie sogar den Helm abnehmen muss, um sich einen Überblick verschaffen zu können. Der ist vielversprechend, hinter dem Sand-Erd-Gemisch ist ein weiterer Raum zu erkennen. „Hübsch“, entfährt es ihr spontan. Und – nicht zu unterschätzen – „sieht sicher und stabil aus“.
Das ist eines der Themen, die Jürgen Lampatzer rund um das neue Vereinsprojekt umtreibt. Sollten Mitglieder in den Unterwelten arbeiten, muss deren Unverehrtheit Priorität haben. Zehn Helme sind schon angeschafft... Birgit Symader macht Mut: „Das Material rauszuholen, ist an einem Samstag zu schaffen.“ Gleichzeitig rät sie, nichts zu überstürzen, sondern selbiges zu sichten, zu sieben und zu dokumentieren. Mitunter könnten die Gewölbe eines Tages zum Bodendenkmal werden...
Kniffliger Abtransport
Folglich wird die Idee geboren, die steinige Masse erst einmal zwischenzulagern, Platz dafür ist ausreichend vorhanden. Das hätte in den Augen von Jürgen Lampatzer einen weiteren Vorteil. Weit schwieriger würde sich nämlich der Abtransport von geschätzt zehn bis 15 Kubikmetern ins Freie gestalten. Über verwinkelte Gänge und Treppen hinweg. Lösbar nach Meinung aller wohl nur über eine Eimerkette, für die eine entsprechende Helferzahl vonnöten sein wird.
Ehe es so weit ist, sollen zwei andere Schritte erfolgen. Zum einen wird Wieland Oberhofer als Teil-Eigentümer des Hauses Marktplatz 11 schnellstmöglich eine Vermessung des Untergrunds in Auftrag geben. „Dann wissen wir, unter welchen Gebäudeteilen sich welche Gewölbe und Wände genau befinden“, erklärt die Deggendorfer Kreisarchäologin. Das ist auch deshalb so interessant, weil Alteingesessene wissen, dass unter dem Gasthaus Post ein großer Keller ist beziehungsweise war – er wurde bei einem Pächterwechsel vor rund 30 Jahren zugeschüttet.
Gleiches gilt in Richtung früherer Kneipe Mikado in der Schulstraße. Wieland Oberhofer und Jürgen Lampatzer wissen von einer Treppe, die von der einstigen Bar zehn Meter tief in den Untergrund führte.
Birgit Symader wird nicht nur den Kontakt zu einem Lidar-Vermessungsexperten herstellen, sondern auch versuchen, die Waldmünchner Gegebenheiten und Ideen an einer Hochschule zu platzieren. „Vielleicht wäre das ja ein Thema für eine Masterarbeit...“.
Grundsätzlich im Auge haben sollten die Verantwortlichen zudem verschiedene Fördertöpfe, rät sie. Gerade die Nähe zu Tschechien biete im Sinne grenzüberschreitender Angebote Möglichkeiten. Mitunter sogar in Verbindung zum verschwundenen Dorf Grafenried, in dem sie selbst schon als Grabungstechnikerin tätig war. Auch da gäbe es tolle Keller, mitunter könnte man da was zusammenspannen, sagt sie, die von ihrer Grundeinstellung ein Fan von Kooperationen ist.
Zweite Vorarbeit: eine Treppenanlage im Inneren freilegen. Für die wurden in früheren Jahren oft Fensterstürze zweitverwendet. Weil in diese häufig Jahreszahlen eingemeißelt sind, werden sie gerne als billige und genaue Zeitzeugen herangezogen.
Wie schon die Erkundungstour vor zwei Wochen hat der Expertenbesuch die Eigendynamik in Sachen „Waldmünchens Keller“ noch einmal beschleunigt. Die könnte noch außerordentlich bedeutsam für die Stadtgeschichte sein.
Waldmünchner Unterwelten
Begeisterung: Bürgermeister Markus Ackermann ist zunächst einmal begeistert von dem Engagement, das der Verein, allen voran dessen junge Mitglieder, an den Tag legen würden. Und das unter Erbringung körperlicher Höchstleistungen, anerkennt er.
Bedeutung: Dass es nun möglich erscheine, Stadtgeschichte freizulegen, sei eine großartige Sache. Zwar seien noch viele Fragen zu klären, wichtig aber sei, dass ein Anfang gemacht wurde und die Keller als solche ins Bewusstsein rückten.
Begutachtung: In einem nächsten Schritt soll das Areal digital vermessen werden, damit ein dreidimensionales Modell Aufschluss geben kann über die genaue Lage der Keller. Zudem erfolgen erste Sondierungsmaßnahmen.
Begleitung: Der Verein Grenzland-und Trenckmuseum hat sich auf die Fahnen geschrieben, das Projekt zu unterstützen. Zunächst mit Arbeitseinsätzen, im Idealfall auch später bei der Umsetzung des langfristigen Ziels, die Gänge Inter-essierten zugänglich zu machen.


