In Arnschwang wurde der erst zweite öffentlich begehbare Erdstall Bayerns eröffnet

Von Alexander Frimberger · 15. November 2023 um 19:00

Am Dorfplatz von Arnschwang (Landkreis Cham), unter der historischen „Wirtshöhe“ schlummert ein Mysterium, das noch entschlüsselt werden will: Bayerns erst zweiter öffentlich begehbarer Erdstall. Von Menschenhand ab dem 10. Jahrhundert erschaffen, gibt er bis heute Rätsel auf.

Christoph Steinmann, zweiter Vorsitzender des Fördervereins Europäisches Erdstall-Forschungszentrum in Neukirchen Balbini (Landkreis Schwandorf) zuckt mit den Schultern, wenn man ihn nach dem Sinn und Zweck der schmalen und niedrigen Höhlengänge fragt, die verschiedene Kammern miteinander verbinden. Vermutungen gibt es viele, gesicherte Beweise keine.

Waren es Zufluchtsorte?

Der Konjunktiv spielt in diesem Fall die Hauptrolle: „Es könnten Zufluchtsorte gewesen sein, Lebensmittellager oder Seelenkammern“, so Steinmann, der Gebietsreferent für Bodendenkmäler am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in Regensburg ist. Doch alle Vermutungen laufen irgendwann ins Leere. Schlicht und einfach: „Wir wissen es nicht.“ Anhand der Konstruktionsweise lässt sich demnach keine eindeutige Zweckbestimmung ermitteln.

Was die Forscher außerdem beschäftigt: „Woher kommen in dieser frühen Phase des Mittelalters die handwerklichen Fähigkeiten und das Know How, damit das Gewölbe trägt?“ Umso wertvoller sind die beiden begehbaren Besucher-Ställe in Arnschwang und einige Kilometer entfernt im zu Stamsried gehörenden Rabmühle. „Wir brauchen das Engagement und die Wissensvermittlung vor Ort, dann ist das Verständnis da“, ist der Denkmalpfleger sicher. „Schon mein Professor an der Universität hat gesagt, dass das physische Erleben besser ist, als aus Büchern zu lernen.“

Birgit Symader, Vorsitzende des Forschervereins, bezeichnete es in ihren Grußworten als Glücksfall, dass die künstliche Höhle in Arnschwang erhalten geblieben ist. Dies sei vor allem Hans Hruschka zu verdanken. Er, der wie viele Arnschwanger von der Existenz der Höhle wusste, die nach einem Brand im Jahr 1860 verschüttet wurde, entschloss sich im Jahr 2009 den Erdstall unter seinem Fahrradmuseum freizulegen. Das Interesse innerhalb der Bevölkerung war riesig. Nach seinem Aufruf „waren 90 Leute sofort zur Stelle und haben mitgeholfen.“

Damit hat er dieses Bodendenkmal vor einem Schicksal gerettet, das viele ähnliche Objekte ereilt. Steinmann: „Sie werden einfach zugeschüttet.“ Symader empfindet es als bemerkenswert, dass Hruschka bereits damals so weit war, das Landesamt für Denkmalpflege in den Vorgang miteinzubeziehen. Ebenso hob die Vorsitzende hervor, dass der Bauplaner eine hervorragende Sicherung eingebaut habe. „Ich danke Dir, dass Du diesen Erdstall nicht zugeschüttet und für zukünftige Generationen erhalten hast.“

Wissenschaftlich untersucht

Landrat Franz Löffler, der neben Bürgermeister Michael Multerer ebenfalls zur Eröffnung gekommen war, sagte: „Erdställe sind bei uns ein Thema, das präsent ist.“ Im bayerischen Vergleich sei die Quote in der Region hoch. „Sie gehören zu uns und die Menschen werden sich etwas dabei gedacht haben.“ Deshalb sei es auch wert, dass man sich damit auseinandersetzt. Nachdem die Anlage über Jahre archäologisch untersucht wurde, konnte sie nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Über eine schmale, eher unscheinbare Treppe am Dorfplatz, geht es unter die Erde. Erst durch ein altes Kellergewölbe und schließlich in den Vorraum zum eigentlichen Ziel. Wer keine Platzangst hat, kann sich stark gebückt oder kriechend durch den engen Gang zwängen und in den Erdstall dahinter gelangen. Mehr als zwei Personen auf einmal sollte es nicht sein. Und auch das Sonntagsgewand sollte man besser nicht anhaben.

Löffler wollte sich nicht durch den engen Gang zwängen.