Archäologen rückten an: In Furth im Wald wurde nach Spuren des Mittelalters gegraben

Montagmorgen am Bayplatz / Ecke Lorenz-Zierl-Straße: Ein Bagger ist zugange, eine Archäologin beobachtet die Grabung. Was passiert da und warum genau an dieser Stelle? Steht vielleicht ein archäologischer Superfund bevor? Eine Spurensuche.
Andrea Wettinger ist Archäologin beim Unternehmen In Terra Veritas (ITV) Weiden, einer archäologischen Fachfirma, die im Auftrag beispielsweise des Bayerischen Landesamtes für Denkmalschutz (BLfD) Grabungen wie diese in der Lorenz-Zierl-Straße beaufsichtigt und dokumentiert, wenn etwas gefunden wird. Sie verweist auf die Behörde für weitere Nachfragen. Pressesprecherin Lea Kramer hat die Fragen unserer Zeitung beantwortet.
Wie werden die Grabungspunkte in einer Stadt ausgewählt? Welche Anhaltspunkte spielen dabei eine Rolle?
Überall dort, wo baubedingt in den Boden eingegriffen wird und wo sich ein Bodendenkmal befindet, benötigen Bauherren (...) eine denkmalrechtliche Erlaubnis. In dem von Ihnen beschriebenen Fall handelt es sich um Straßenbauarbeiten, die im Zusammenhang mit der Landesgartenschau vorgenommen werden sowie im Zuge des Breitausbaus stattfinden.
Da diese Arbeiten im Bereich eines bekannten Bodendenkmals, das mit dem Listentext: „Archäologische Befunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit im Bereich der historischen Altstadt von Furth im Wald“ in die Bayerische Denkmalliste eingetragen ist, stattfinden, hat die Stadt Furth im Wald für ihre Bauvorhaben diese sogenannten Grabungserlaubnisse beantragt und vom zuständigen Landratsamt Cham erteilt bekommen. Grabungen ohne solche Bauanlässe finden nicht statt. Bodendenkmäler bleiben am besten unberührt im Boden erhalten.
Was außer Mauerresten hofft man vor Ort finden zu können?
Die Historie von Furth im Wald geht viele Jahrhunderte zurück. Die Stadtrechte sind um 1332 verliehen worden, aber bereits aus dem 11. Jahrhundert stammen erste urkundliche Erwähnungen einer „villa fuerte“. Diese Vorgängersiedlung, deren Bewohner in der Stadt Furth übersiedelten, wird im Bereich des Bayplatzes vermutet. Spuren und Überreste dieser etwa 950 Jahre langen Besiedlungsgeschichte können sich überall im Stadtgebiet im Boden erhalten haben. Dazu gehören neben Mauerresten auch Latrinen, Brunnen oder andere archäologische Erdbefunde wie Gruben. Im Umfeld der Kirche und innerhalb der ehemaligen Burg sind Bestattungen aus der gesamten Zeit der Stadtgeschichte zu erwarten. Dort können unterschiedlichste Funde zutage treten: Knochen, Keramik, Werkzeuge, Schmuck etc.
Was passiert, wenn etwas gefunden wird?
Die archäologischen Grabungsfirmen dokumentieren sämtliche Spuren und Überreste, die historisch relevant sind. Dabei halten sie sich an die Baueingriffe. Das heißt, wenn in der Lorenz-Zierl-Straße neue Leitungen in der Straßenmitte auf 1,50 Meter Tiefe verlegt werden, dann wird dieser Kanalgraben archäologisch untersucht und alles Relevante dokumentiert. Erst dann können die Leitungen verlegt und wieder verfüllt werden. Was undokumentiert weggebaggert wird, ist für immer verloren. Die Erkenntnisse sind also in jeder Hinsicht wichtig. Bei jedem neuen Bauvorhaben werden die bereits gesammelten Erkenntnisse berücksichtigt und durch die neuen ergänzt. So vervollständigt sich das Bild der Stadtentwicklung Stück für Stück.
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Wenn etwas entnommen wird, was geschieht dann mit den Exponaten?
Nach der Bergung werden sämtliche Funde von der Grabungsfirma gereinigt und inventarisiert. Seit der Novellierung des Denkmalschutzgesetzes im Juli dieses Jahres und der Einführung des sogenannten Schatzregals gehen archäologische Funde in das Eigentum des Freistaates Bayern über. Auf Antrag kann das Fundeigentum der Kommune übertragen werden, aus der die Funde stammen.
Kann es sein, dass ein Fund so wertvoll ist, dass der Bereich abgesperrt und über längere Zeit untersucht werden muss?
Jede archäologische Grabung muss einzeln betrachtet werden: Die Untersuchung einer Grabgrube kann zehn Mal so lange dauern wie die einer Pfostengrube. Das BLfD hat die Fachaufsicht über sämtliche Grabungen im Freistaat und berät dabei die Bauherren sowohl vor als auch während laufender Ausgrabungen. Dabei werden auch Zeitpläne regelmäßig abgestimmt.
Das heißt: Während vielleicht an einer Stelle länger gegraben werden muss, weil ein Fund mehr Aufmerksamkeit braucht, kann vielleicht schon parallel an anderer Stelle auf der Baustelle weitergearbeitet werden. Bei Baugebieten „auf der grünen Wiese“ rücken die Archäologen in der Regel vor dem Baustart an, was Bauträger in ihrem Zeitplan einbauen können. Kanal- und Straßenbauarbeiten mitten in der Stadt können jedoch nur baubegleitend archäologisch betreut werden.
Wurde in Furth im Wald schon einmal etwas gefunden? Wenn ja, was war das denn?
Bei Ausgrabungen am Kirchplatz im Jahre 2018 wurden Teile der mittelalterlichen Kirchenbefestigung gefunden. Von der Mauer, die das Kirchenareal wohl seit der Stadtgründung umgab, ist seit dem Umbau von 1890/93 über der Erde nichts mehr zu sehen. In der Grabenstraße fand man bei der Verlegung der Breitbandanschlüsse überraschenderweise einen Brunnen. Dort in der Nähe wurde in den 1980er Jahren ein Münzschatz entdeckt: Die 195 Münzen stammten aus der Zeit zwischen 1556 und 1640, sind also vermutlich während der Wirren der Dreißigjährigen Krieges versteckt worden.
Schließlich würde mich natürlich interessieren, ob aktuell in Furth etwas gefunden wurde?
Die Baumaßnahmen sind noch nicht abgeschlossen und werden 2024 fortgesetzt. Eine spannende Fundsituation zeigte sich bislang beim Kanalbau in der Lorenz-Zierl-Straße: In weniger als einem Meter Tiefe fanden sich Holzstämme, die meist längs zur Kalten Pastritz verlegt worden waren, einige von ihnen auch quer. Sie sind sicher Teil einer Wegebefestigung, eines sogenannten „Bohlenweges“ zwischen Stadtmauer und Bachlauf. Das genaue Alter der Hölzer wird derzeit in den Fachlaboren des BLfD ermittelt.
Bayerisches Landesamt für Denkmalschutz in München
Das Bayerische Landesamt für Denkmalschutz ist die zentrale Fachbehörde des Freistaats Bayern für Denkmalschutz und Denkmalpflege. 1908 als Generalkonservatorium der Kunstdenkmale und Altertümer Bayerns gegründet, versteht man sich heute als Dienstleister für das kulturelle Erbe Bayerns.
Zu den Haupt-Aufgaben des Landesamtes gehört Denkmal-Forschung und -Pflege sowie Beratung. Man versteht sich auch als Partner nichtstaatlicher Museen. 1200 gibt es davon im Freistaat. Dort werden Projekte gefördert und man berät bei Neuplanungen.