Auch mit über 90 Jahren leitet Anna Deglmann das Waldmuseum am Steinbruchsee mit Leidenschaft

Anna Deglmann sitzt auf ihrem Stuhl im Eingangsbereich des Waldmuseums am Steinbruchsee. Seit 20 Jahren ist sie „Herrin“ über 800 Tierpräparate. Auch mit über 90 Jahren denkt sie nicht ans Aufhören.
„Und“, bestätigt ihr Sohn Alfons, „meine Mutter ist immer noch die graue Eminenz der Familie.“
Mit einem verschmitzten Lächeln blickt Anna Deglmann in die Runde. Ihren 91. Geburtstag, den sie am 14. Dezember feiert, sieht man ihr nicht an. Wohl aber die Lebenserfahrung und die daraus resultierende Gelassenheit. „Über die Jahre lernt man die Menschen kennen, die freundlichen und die weniger freundlichen“, sagt sie.
Wolf aus dem Nationalpark
Wenn man sie in ihrem Museum besucht fällt zuerst ein Chow-Chow auf, der scheinbar schlafend auf einem kleinen Teppich liegt. Man muss schon zweimal hinschauen um festzustellen, dass auch der Hund ausgestopft wurde. So wie alle anderen Tiere, die Deglmanns Ehemann vornehmlich in den 1970er-Jahren angeschafft hat. Unter anderem einen Wolf aus dem Nationalpark. Der musste nach einem Rudelausbruch Ende der 1970er-Jahre erschossen werden. Die engagierte Museumsleiterin räumt in diesem Zusammenhang mit einem Gerücht auf, das immer wieder umgeht: „Die Tiere werden nicht einfach abgeschossen um sie dann zu präparieren. Sie hatten einen tödlichen Unfall oder sind eines natürlichen Todes gestorben.“ So wie der majestätische Adler im ersten Stock. „Der ist in eine Stromleitung geflogen“, sagt Deglmans Sohn, der mit seiner Familie inzwischen das Hotel, die Gastwirtschaft, das Wildgehege und einiges mehr, das zum Freizeitareal Steinbruchsee gehört, führt. Auch zwei besondere Exponate gibt es im Waldmuseum zu sehen. Einen Vogel mit zwei Köpfen und einen kleinen Hasen mit zwei Körpern, nur einem Kopf aber mit drei Augen. „Keine Wolpertinger, echte siamesische Zwillinge“, wie Alfons Deglmann junior versichert.
Aufgebaut haben das alles seine Eltern Anna und Alfons Deglmann. Unter dem Mädchennamen Speiser als ältestes von vier Kindern in der Herrenstraße in Furth im Wald aufgewachsen, besuchte sie unter anderem die Handelsschule und arbeitete im Krankenhaus in Furth. Im November 1958 heiratete sie ihren Alfons, der als Sprengmeister und Landwirt auch im alten Steinbruch vor Ort tätig war. Im gleichen Jahr haben sie die Anlage übernommen und bereits 1960 Fremdenzimmer angeboten.
„Acht Mark hat das damals mit Vollpension gekostet, eine halbe Bier gab es für 40 Pfennig“, erinnert sie sich. Gewaschen wurde sich in einem Becken, das mit Deckel zum Hocker umfunktioniert werden konnte. „Damals sind die Leute auch sauber geworden“, sagt sie lächelnd. Die ersten Gäste kamen vor allem aus dem Raum Köln oder auch aus Nürnberg. „Ein Gast der ersten Stunde ist eine Frau aus Erlangen, die seither jedes Jahr bei uns Urlaub macht.“ Vermietet wurde damals nur im Sommer, effektive Heizungen gab es da am Steinbruchsee noch nicht.
Bald schon wurde die Gaststätte um einen Saal erweitert. „Bis in die 1980er-Jahre gab es bei uns jeden Sonntag Tanz mit Live-Musik.“ Viel mitgefeiert hat sie freilich nicht. Sie stand in der Küche, ihr Mann am Tresen und ihre Schwester hat die Bar geschmissen. „Vor allem in der Bar war immer richtig viel los.“ Im Jahr 1970 hat die Stadt Furth im Wald das heutige Wildgehege gebaut, Alfons Deglmann wurde als Pfleger bestimmt.
Leidenschaft Museum
1993 haben die Eltern die Geschäfte in die Hände des Sohnes gelegt und sich auf das Museum konzentriert. Trotzdem hat ihr Wort bis heute Gewicht. „Sie ist nach wie vor die Chefin“, sagt der Sohn. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 2003 ist das Museum für die rüstige Seniorin zur Passion geworden. „Nein“, sagt sie, „ein Lieblingstier habe ich keines. Ich schließe hier keine Freundschaften mit ihnen.“
Erzählen kann sie freilich über jedes der Tiere etwas. Tut sie aber immer seltener. „Viele Leute sind heute eh so gescheit.“ Da ist er wieder, der Witz, die Lebenserfahrung und die Gelassenheit.
