Touristiker ziehen in Furth im Wald Bilanz – Feriendorf wäre ein Quantensprung

Von Alexander Frimberger · 28. November 2023 um 19:00

Einmal im Jahr lädt Lisa Kager, Leiterin der Touristinformation Furth im Wald, die Macher des Zusammenschlusses Top-Ziele Bayerischer Wald zur Bilanzierung. Die Stimmung war gut, es gab aber auch nachdenkliche Töne.

Die Einschränkungen der Corona-Pandemie sind Geschichte, anschließend gab es ein Jahr der Konsolidierung. „In 2023 befinden wir uns annähernd auf dem Niveau von 2019“, sagt Kager. Als Destination profitiere man dabei auch vom blitzsauberen Image des Bayerischen Waldes.

Respektvolles Verhalten

Laut Centouris, einem Datenanalyse-Institut, angesiedelt an der Universität Passau, liegt die Zufriedenheit der Urlaubsgäste für die Region bei der Schulnote 1,6. „Die Freizeitinfrastruktur bei uns wird sehr stark genutzt. “ Das gilt für die überregionalen Wanderwege genauso, wie für den Drachensee und die Waldwege rund um Furth im Wald. Aufgrund der hohen Frequenz legt man in diesem Bereich viel Wert auf Sensibilisierung. Respektvolles Verhalten in der Natur werde beworben. Gleiches gilt für das Miteinander von Wanderern und Radfahrern. In Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Cham wurden auch die Beschilderungen an den Wanderwegen optimiert. „Wir wollen das Top-Niveau halten“, so die Leiterin der Touristinfo. Deshalb gibt es die Möglichkeit, Mängel, die man am Wegesrand entdeckt, online zu melden. Ein weiterer Meilenstein ist laut Kager die App „Summit Lynx“, mittels der man unter anderem digitale Wandernadeln verdienen kann. Das stehe bei vielen Wanderern hoch im Kurs.

„Ein absolutes Highlight ist Guti. Das war eine der besten Investitionen im Landkreis“, schwärmt Kager. In den Landkreisen Cham, Regen und Freyung sowie im benachbarten Böhmen ermöglichen insgesamt 40 Gemeinden ihren Urlaubsgästen die kostenlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs. Markus Müller, Bürgermeister von Neukirchen Hl. Blut, sagte in seiner Funktion als Geschäftsführer Hohenbogen: „Das Guti-Ticket finanzieren die Gemeinden. Die Gäste zahlen Kurbeitrag und erhalten dann die Vergünstigung.“ Eine Auswertung über die tatsächliche Nutzung soll es erst ab dem kommenden Jahr geben, „aber man kann beobachten, seit es angeboten wird, nutzen es die Leute.“

Zufriedenheit herrscht seitens der Touristinformation auch bei den angebotenen Freizeitaktivitäten. „Alles, was wir anbieten, ist so gut wie immer ausgebucht“, sagt Kager. Herausragend ist und bleibt der Besuch beim Further Drachen. Mit 31300 Besuchern hat man das beste Ergebnis eingefahren, seit es die Drachenhöhle gibt. „Der Drachen hat nach wie vor ungebremsten Zulauf.“

Uli Stöckerl vom Wildgarten Furth im Wald spricht mit Ausnahme vom verregneten August von einem zufriedenstellenden Jahr. Besonders aufgefallen ist ihm, „dass immer mehr Gäste aus Tschechien kommen.“ Ähnlich sieht es Müller, der auch nur eine Delle im August zu beklagen hat. Er brachte es so auf den Punkt: „Gutes Wetter, gute Zahlen, schlechtes Wetter, schlechte Zahlen.“ Die Übernachtungszahlen von 2019 sind in seiner Gemeinde indes noch nicht erreicht. Das liege auch daran, dass die Hotels „deutlich höhere Preise verlangen. Das muss sich erst einspielen.“ Sorgen bereitet ihm die Mehrwertsteueranhebung ab 2024, das werde in der Gastronomie die Preise erhöhen. Die Fahrpreise für die Hohenbogenbahn bleiben dagegen über den Winter gleich.

Zu wenig Übernachtungen

Rolf Schüler von der Erlebniswelt Flederwisch sprach „von einem der besten Jahre überhaupt.“ Auch die Zusammenarbeit mit der Jugendherberge habe sich toll entwickelt. Er betonte auch die hervorragende Vernetzung der Touristiker untereinander: „Das funktioniert perfekt.“ Wermutstropfen sei lediglich der Personalmangel. „Man möchte immer noch mehr tun, aber wir sind an eine Grenze gekommen.“

Daniela Fuchsbühler ist mit der Statistik des Landestormuseums zufrieden. So waren die Ausstellungen im Georgssaal „sehr gut besucht.“ Auch das museumspädagogische Programm wurde gut angenommen.

Einigkeit herrschte in der Runde, dass Furth im Wald über zu wenig Gästebetten verfügt. „Ein Hotel oder eine Feriensiedlung wären gut“, meint Stöckerl. Der Ferienpark der im Bereich Drachensee derzeit wieder im Gespräch ist (wir berichteten), „wäre ein Quantensprung für den Tourismus“, so Schüler.

Auch wenn Kager darauf hinwies, „dass wir der Ort mit der höchsten Anzahl an Tagesgästen sind“, ergänzte Schüler auch mit Blick auf die Landesgartenschau 2025: „Es ist eines unserer großen Mankos, dass wir zu wenig Übernachtungen haben.“