Praxiseröffnung in Neunburg: Psychologe Günter Toth setzt auf die heilende Wirkung der Kunst

Diplom-Psychologe Günter Toth ist ein gebürtiger Neunburger, und er eröffnete in der Vorstadt 2 nun eine „kleine Schwester“ seines Instituts für Prävention, Jugendschutz und Glücksspiel (ipjg) in Eggenfelden. Zur psychologisch-therapeutischen Praxis gehört auch eine Kunstgalerie.
„Herzlich willkommen in Deiner Heimat.“ Mit diesen Worten begrüßte Bürgermeister Martin Birner (CSU) Diplom-Psychologe (Univ.) Günter Toth am Donnerstag bei der Eröffnung der Praxis mit Galerie beim Jobplatz in Neunburg.
Traumapatienten, Menschen mit Erschöpfungssyndrom, emotionaler Belastungsstörung, Suchterkrankungen oder Problemen im psychosozialen Bereich – sie alle will der 55-Jährige mit seinen Therapie-Angeboten ansprechen. Ein weiterer Schwerpunkt der Praxis: Vorbereitung von Klienten auf die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU). Toth sieht sich als „Kümmerer“. Ein Therapeut solle sich darum kümmern, dass es den Leuten wieder besser geht. Dafür brauche es Instrumente – „und ein Instrument ist die Kunst“.
Bilder, Möbel und Skulpturen sind bis Juli zu sehen
Die heilende Wirkung von Kunstwerken können Besucher im Erdgeschoss der ehemaligen Commerzbank-Filiale in der Nen.Art.Gallery erleben. In dem circa 120 Quadratmeter großen Raum sind noch bis Ende Juli Bilder, Möbel und Skulpturen der Eggenfeldener Künstler Olivia Jakob, Brigitte Hanseder, Giulia Rauenschwender und Melanie Rose-Kühl zu sehen. Der Zugang zum Ausstellungsraum soll werktags von 9bis 17 Uhr möglich sein, Interessenten können klingeln oder anrufen, dann wird ihnen geöffnet. Derzeit hapert es noch etwas an der Technik. Aber Toth ist optimistisch, dass die Nen.Art.Gallery schon bald allen offen steht, die einen Platz suchen, wo sie Ruhe finden. „Kunst ist ein Angebot an die Menschen, sich in Dinge hineinzudenken, die ihnen gut tun“, sagt er.
Über den „wunderschön gestalteten Ruheraum mitten in der Stadt“ freut sich auch Bürgermeister Birner. Jeder Mensch brauche Ruhe. Es gebe Zuversicht, dass wieder ein Leerstand mit Leben erfüllt werde, sagte er bei der Praxiseröffnung. Die Nen.Art.Gallery passe gut ins Netzwerk der regionalen Kunstschaffenden.
Auch Toths Institut in Eggenfelden ist in einer ehemaligen Commerzbank beheimatet. Bei seinen regelmäßigen Besuchen in Neunburg fiel der Blick des Diplom-Psychologen immer wieder auf das ehemalige Commerzbank-Gebäude, das seit 2022 leer stand.
Schließlich reifte der Entschluss, in Neunburg eine zweite Praxis zu eröffnen. Die Stadt vermittelte den Kontakt zum Eigentümer Albin Troglauer aus Oberviechtach, der das Gebäude 2018 erworben hatte. Schnell wurde man sich einig. Der Zuschnitt im Erdgeschoss und Obergeschoss – dort befinden sich zwei Therapieräume, eine kleine Küche und Toiletten – passte. So mussten die Räume nur „etwas aufgefrischt“ werden – etwa mit neuen Böden und Malerarbeiten.
Kassenzulassung zurückgegeben
Toth bietet in Neunburg auch dermatofunktionelle und Hypnotherapie an. Bei der therapiegestützten MPU-Vorbereitung wird er von Luis Enrique Vega Rodriguez unterstützt. Zwei Tage die Woche will Toth vorerst in der Praxis in Neunburg sein, Termine können unter (08721) 9579540 oder 0179/5317932 bereits vereinbart werden. Die Angebote richten sich ausschließlich an Privatpatienten und Selbstzahler. Seine Kassenzulassung habe er schon vor Jahren zurückgegeben, so Toth auf Nachfrage und erklärte das damit, dass die gesetzlichen Kassen Informationen zu Patienten weitergeben, die psychotherapeutische Leistungen in Anspruch genommen haben, was dann ein Ausschlusskriterium bei Altersvorsorge oder Versicherungen sein könne. „Das hat mit einem Sozialstaat nichts zu tun. Da mache ich nicht mit.“
Der ganzheitliche therapeutische Ansatz sei für ihn entscheidend, betonte Toth, der auch Lehrbeauftragter für Psychologie an der Technischen Hochschule Rosenheim ist. Es werde immer mehr unterschätzt, wie wichtig die physische Gesundheit sei und wie stark sie gefährdet sei, so Toth. Eine Hauptursache sieht er in der Digitalisierung, die den Menschen krank mache.
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