85 Prozent der Beschäftigten von Müller Präzision gingen wählen

Von Christoph Klöckner · 21. März 2024 um 09:35

Erstmals seit 50 Jahren, seit der Gründung des Unternehmens durch Rainer Müller, hat das Unternehmen einen Betriebsrat. Am Mittwoch wählte die Belegschaft mit über 500 Beschäftigten aus ihrer Mitte eine Arbeitnehmervertretung. Zu den ersten Gratulanten gehörte die IG Metall per Pressemitteilung, die den Prozess bis zur Wahl am Mittwoch beratend begleitet hatte.

Die Geschäftsleitung von Müller Präzision hatte zwischenzeitlich versucht, den Weg zum Betriebsrat gerichtlich zu stoppen.

Klage zurückgezogen

Die Belegschaft wolle keinen Betriebsrat, hatte Geschäftsführer Karl Macharowsky im Gespräch mit unserer Zeitung betont und auf unklare Wahlergebnisse bei der Betriebsversammlung zur Einsetzung eines Wahlvorstands verwiesen. Daher zog das Unternehmen vor verschiedene Arbeitsgerichtsinstanzen – jedoch ohne Erfolg. Die Geschäftsführung hatte zudem der IG Metall als zuständige Gewerkschaft vorgeworfen, die Betriebsratsgründung zu forcieren. Am Ende zog die Firmenleitung eine Klage vor dem Bundesarbeitsgericht zurück und gab grünes Licht für die Wahl.

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Wie der Wahlvorstand am Mittwochabend bekannt gab haben 464 der insgesamt 545 wahlberechtigten Arbeitnehmer ihre Stimme abgegeben. „Mit einer Wahlbeteiligung von 85 Prozent und wenigen ungültigen Stimmen sind die elf Mitglieder des Betriebsrates sowie weitere 24 Ersatzmitglieder gewählt worden“, stellte der dreiköpfige Wahlvorstand fest.

Die erfolgreiche Wahl des Betriebsrats bei Müller Präzision sei ein starkes Zeichen der Geschlossenheit der Belegschaft, so Rico Irmischer, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg: „Von Anfang an wollten sie einen Betriebsrat, der ihre Interessen vertritt und aktiv mitbestimmen kann. Jetzt haben sie ihn. Und das ist fantastisch.“

Die Gewerkschaft habe die Beschäftigten auf dem Weg zu ihrer Interessensvertretung begleitet und unterstützt. Seit der Wahlversammlung Ende 2022 habe der Wahlvorstand viele Hürden nehmen müssen, um schlussendlich das Ergebnis der erfolgreichen BR-Wahl verkünden zu können.

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Die IG Metall stehe den Beschäftigten dabei mit rechtlicher Beratung und Vertretung zur Seite. Der Betriebsrat sei nicht nur die Interessensvertretung der Beschäftigten, sondern auch ein wichtiger Partner für die Geschäftsleitung, erklärte der Wahlvorstand. Durch eine konstruktive Zusammenarbeit könnten sowohl die Arbeitsbedingungen als auch die Wettbewerbsfähigkeit des Betriebs langfristig verbessert werden: „Wir sind überzeugt, dass auch das gewählte BR-Gremium diese Sichtweise teilt.“

Während der Betriebsratswahl wurden keine wesentlichen Fehler oder Mängel festgestellt, so dass eine Anfechtung der Wahl als unwahrscheinlich gilt. „Wer schon mal eine BR-Wahl organisiert hat, weiß, dass es keine perfekte Wahl gibt. Wir sind aber überzeugt, dass hier keine Wahlvorschriften verletzt wurden. Eine Anfechtung würde mich wundern“, konstatierte Rico Irmischer.

Betriebe mit Betriebsrat seien Untersuchungen der gewerkschaftsnahen Hans Böckler Stiftung nach produktiver, erwirtschaften höhere Gewinne und zahlen bessere Löhne an ihre Beschäftigten. „Die Produktivität in Betrieben mit Betriebsrat ist gut zwölf Prozent höher als in Betrieben ohne BR. Ist ja auch klar, denn wo Mitbestimmung herrscht, sind Beschäftigte zufriedener, die Arbeitsbedingungen sind besser und Konflikte werden minimiert“, sagte Irmischer: „Es müsste also im Eigeninteresse jedes Arbeitgebers liegen, einen Betriebsrat zu gründen.“

Ein Trend zum Betriebsrat?

Neben den Beschäftigten von Müller Präzision hat sich auch die Belegschaft der Firma Deltec Automotive in Furth im Wald vor kurzem gewerkschaftlich organisiert. Damit sind die Mitarbeitenden von gleich zwei großen Betrieben im traditionell eher betriebsratsskeptischen Oberen Bayerischen Wald auf den Geschmack der Mitbestimmung gekommen.

„Wir freuen uns über diesen positiven Trend. Und wir sind auch in Zukunft eine gute Anlaufstelle für Beschäftigte, die sich über die Gründung eines Betriebsrates informieren wollen. Eins ist aber völlig klar: Die Kolleginnen und Kollegen geben den Ton an und müssen einen Betriebsrat wollen. Wir helfen dann nur bei der Umsetzung“, so Irmischer.

Zu Firma und Gewerkschaft

Unternehmen: Die Firma Müller Präzision ist mit ca. 540 Beschäftigten ein mittelständisches Familienunternehmen mit Sitz in Cham. Der Betrieb bietet präzise und innovative Lösungen in der zerspanenden Metallbearbeitung an, Müller Präzision ist Zulieferer für die Automobilbranche und für weiteren Industrien.

Gewerkschaft: Die Gewerkschaft IG Metall ist die zuständige und im Betrieb vertretene Gewerkschaft. Bereits im Herbst 2022 hatten sich Beschäftigte an die IG Metall gewandt, um Informationen über die Gründung eines Betriebsrates einzuholen. Am 14. Dezember 2022 fand eine erste Wahlversammlung der Beschäftigten statt. Am Mittwoch wurde gewählt. Die Beschäftigten bei Müller Präzision verfügen nun über einen elfköpfigen Betriebsrat.