Regensburger Forscher liefert Fakten: Homeoffice verändert das Pendler-Verhalten

Von Christian Eckl · 21. März 2024 um 05:00

Je mehr Mitarbeiter von zuhause aus arbeiten können, desto größer wird die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsplatz. Gerade die Großstädte würden dadurch entlastet, weil die Mitarbeiter bereit sind, einen längeren Arbeitsweg in Kauf zu nehmen – wenn sie ihn nicht jeden Tag absolvieren müssen.

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Es klingt banal, ist wissenschaftlich bisher aber noch nicht untersucht worden: Je mehr Homeoffice ein Arbeitgeber anbietet, desto weiter weg ziehen Angestellte. Das zumindest kann man aus dem jüngsten Papier des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit herauslesen, das von der „Deutsche Post Stiftung“ gegründet wurde. Einer der Autoren ist der Regensburger Professor und Arbeitsmarktexperte Enzo Weber. „Die Entfernung zum Arbeitsort spielt nach der Pandemie und mit mehr Homeoffice weniger eine Rolle als vorher“, sagt Weber. Dafür sind andere Faktoren in den Vordergrund gerückt: „Der Inhalt der Arbeit, die Bezahlung und die Bedingungen“, schildert der Experte. „Menschen wohnen tendenziell weiter weg von ihrem Arbeitsplatz“, ist die Erkenntnis aus der Studie.

Nicht für alle geeignet

Allerdings ist das vorwiegend in Großstädten so. Dabei wäre der Trend hin zu weiteren Entfernungen gerade für Arbeitgeber in ländlichen Regionen eine Chance, in Zeiten des Fachkräftemangels gutes Personal zu bekommen. Die Mitarbeiter müssen dabei die Vorzüge der Großstadt – Theater, Einkaufsmöglichkeiten oder Ärzteversorgung – nicht aufgeben, wenn sie zu einem Arbeitgeber im ländlichen Raum wechseln. Doch laut der Studie sind es vor allem die Großstädte, die Jobs mit Homeoffice-Potenzial anbieten. Kein Wunder: Der Arzt im Kreiskrankenhaus kann eben nicht mobil arbeiten, er muss vor Ort sein.

Für Mitarbeiter ist offenbar entscheidender, nicht die teuren Mieten der Großstädte zahlen zu müssen. Diese bieten ohnehin das größte Potenzial für Homeoffice-Jobs. Weber erläutert: „Das sind zumeist Bürojobs, die vorwiegend vor dem Computer ausgeübt werden und sich dadurch für Homeoffice anbieten.“ Dadurch würden Arbeitnehmer viel Zeit sparen, etwa bei der Anfahrt, aber auch bei der sogenannten Rüstzeit, die man benötigt, um sich fertig zu machen für den Job. „Es reicht, wenn man sich für die Videokonferenz ein schickes Hemd anzieht“, meint Weber. Andererseits hält in Berufen, in denen ein großer Mangel an Mitarbeitern herrscht, Homeoffice Einzug, wo man es vielleicht nicht erwartet hätte. „Man sieht heute bereits Arztpraxen, in denen die Verwaltung oder der Telefondienst nicht mehr hinter dem Praxisschalter sitzt.“

Wer aber glaubt, der Arbeitsmarktforscher würde ein unkritisches Loblied auf das Homeoffice singen, der täuscht sich. Weber plädiert dafür, genau abzuwägen, wo es sinnvoll ist – und wo aber auch nicht. „Zum einen ist es typabhängig, wie gut man aus dem Homeoffice arbeiten kann. Manche können sehr gut von zuhause aus arbeiten, andere nicht.“ Manche werden daheim eher abgelenkt, andere werden in Großraumbüros eher abgelenkt und sind zuhause effektiver. Doch vor allem auch die Art der Tätigkeit und die Zusammensetzung von Teams ist entscheidend, wie gut die Arbeit von zuhause aus funktioniert. „Es kommt darauf an, wie hoch der Anteil an Kreativität und Kommunikation ist.“

Kreativität in Präsenz

Ein höherer Absprachebedarf – beispielsweise in Redaktionen oder in Teams, die gemeinsam an einem Bauprojekt arbeiten – führt auch dazu, dass die Präsenz vor Ort dringlicher ist. „Es kommt darauf an, wie man die Kommunikation organisiert“, sagt Weber. „Wenn das nicht passiert, dann kann Homeoffice massive Nachteile haben.“