Nachwuchssorgen in Traitsching: Keine neue Krippe, aber ein Kindergarten

Von Christoph Klöckner · 19. März 2024 um 15:00

In Sachen Nachwuchs plagt die Gemeinde Traitsching seit geraumer Zeit einige Sorgen: Es fehlt an Raum und Platz für ihn. Zunächst scheiterte der schnelle Bau einer Kinderkrippe, jetzt wurde die Alternativlösung gekänzelt, gleichzeitig wird gerade ein neuer Kindergarten gebaut. Und damit nicht genug: Auch bei der Schule muss erweitert werden.

Es gibt also viel Verwirrung und ebenso viel zu tun, um den Kindern der Gemeinde das zu bieten, was sie brauchen – oder per Gesetz aus Berlin verordnet wird. Wobei die Notwendigkeiten zuletzt infrage gestellt wurden, wie Bürgermeister Josef Marchl erläuterte: „Das BRK hat uns immer gesagt: Wir brauchen viel mehr Plätze!“

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Das BRK ist Träger der Wiltinger Kinderkrippe, die deshalb mit einem Anbau erweitert werden sollte. Dafür waren die Pläne fertig, wie auch deren Umsetzung fast im Gange, als eine Nachbarklage beim Verwaltungsgericht den Neubau stoppte.

Alternative gestoppt

Die Suche nach einem Alternativstandort führte nach Sattelpeilnstein, wo Räume in der alte Schule zu einer Not-Kinderkrippe umgebaut werden sollten – so hieß es im Januar. Doch auch das ist Schnee von gestern. Die Umbaumaßnahmen, die die Gemeinde etwa 200000 Euro gekostet hätten, um die Auflagen des Jugendamtes für eine Krippe zu erfüllen, sind abgesagt. „Wir hatten schon die Angebote der Firmen eingeholt und wollten vergeben“, so Marchl. Ostern oder Pfingsten sollte geöffnet werden.

Bei einer Besichtigung der vorgesehenen Räume mit dem BRK sei der Rückzieher vom Träger gekommen. Sechs Kinder würden wechseln, in der Nachmittagsgruppe seien noch zwei Plätze frei und nur zwei Kinder kämen nicht vormittags unter – es gebe keinen Bedarf mehr für die Sattelpeilnsteiner Lösung, habe es da plötzlich geheißen, sagt Marchl.

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Deshalb habe er dann die Umbaupläne gestoppt. Nun will die Gemeinde auf den Ausgang des Gerichtsverfahrens warten und hofft, dass der angepeilte Neubau in Wilting 2025 dann umgesetzt werden kann – ohne bis dahin teure Alternativlösungen schaffen zu müssen.

Gleichzeitig wird gerade ein neuer Kindergarten gebaut – in einer Ecke des Freibadgeländes in Sattelbogen. Jedoch baut ihn nicht die Gemeinde, sondern ein privater Investor aus dem Nachbarort. „Wir mieten ihn dann von ihm“, erläutert Josef Marchl. Auch das geschehe aus der Not heraus – weil im Traitschinger Kindergarten die Plätze ausgehen würden, wo 90 Kinder unterkommen. Mit dem Investorenmodell spare sich die Gemeinde viel Geld und Zeit.

Denn hätte die Gemeinde selbst gebaut, hätte man den üblichen Vergabeweg mit Ausschreibung und Förderanträgen gehen müssen, so der Bürgermeister: „Das hätte lange gedauert und wäre teurer geworden.“

Gut 1,5 Millionen Euro hätte die Gemeindelösung gekostet – „die jetzige ist nicht einmal halb so teuer und hält auch alle Vorgaben ein!“ Und werde schneller fertig: „Im September soll der Kindergarten mit 25 Plätzen eröffnet werden.“ Und, eine Überraschung: Personal gibt es auch schon. Entgegen aller Erfahrungen habe sich die Gemeinde vor Bewerbungen fast nicht retten können. Betrieben wird der Kindergarten nicht vom BRK – „die hätten erst 2025 wieder Kapazitäten dafür“ – sondern von der Gemeinde selbst.

Neubau bei Schule

Somit sind die Probleme bei den Kleinsten beseitigt, doch die nächsten warten – und die hat Berlin verursacht: Der vom Bund eingerichtete gesetzliche Anspruch auf eine Nachmittagsbetreuung ab 2026 bis 17 Uhr bringt die Kommunen in die Bredouille.

„Das ist eine Katastrophe“, sagt Marchl. Denn für die Schule in Wilting bedeute dies einen millionenschweren Neubau, da die Betreuung von Schule losgelöst sein müsse. Zudem brauche man zusätzlich Fachpersonal. „Die Regierung der Oberpfalz geht davon aus, das 80 Prozent der Schulkinder das Angebot wahrnehmen“, erklärt Josef Marchl.

Die Schule habe zwar gerade „nur“ 150 Kinder, doch ein extrem starker Jahrgang stehe vor der Türe, wo es sowieso im Gebäude noch reichlich eng werde. Denn voraussichtlich 70 Erstklässler kämen hinzu. Auch hier gilt es, kurzfristige Lösungen zu finden.

Alte Schule ist verkauft

Zum Thema Schulen gibt es noch anderes Neues: Der Ortsteil Sattelbogen in der Gemeinde Traitsching hatte früher zwei Schulgebäude. Mit dem demografischen Wandel und der Einrichtung neuer Schulstrukturen standen die kommunalen Gebäude irgendwann leer. Die jüngere der zwei Schulen ist bereits vor Jahren von der Gemeinde verkauft worden – verbunden mit viel Widerspruch. Nun ist auch die zweite Schule in neuer Hand.

Im Herbst 2023 sei das Gebäude der alten Schule in Sattelbogen an die italienische Familie verkauft worden, die auch den Gastro-Bereich im Sattelbogener Freibad gepachtet habe und zudem dort den Bademeister stelle, sagte Bürgermeister Josef Marchl auf Nachfrage. Die Familie betreibt auch die Pizzeria Ciao im Ortsteil Trebersdorf.

Das nun verkaufte Schulhaus werde gerade von der Familie saniert. Die Räume würden in Wohnungen umgebaut, wo dann die recht große Familie genügend Platz finde, so Marchl. Über zehn Jahre habe das Gebäude leer gestanden, zuletzt habe die Frau des ehemaligen Rektors dort gewohnt. Eine öffentliche Nutzung habe sich nie ergeben. Er sei froh über die Neunutzung, mit der jungen Leute ins Dorf ziehen würden.

Der Verkauf sei ohne Aufregung von statten gegangen – anders als der erste. Damals habe es eine laute Bürgerversammlung gegeben – er sei heftig kritisiert worden, wie man eine Schule verkaufen könne. Die Debatte beendet habe dann die Frau des Ex-Rektors, die dem Verkauf gut fand und die Kritiker verstummen ließ.

Das alte, mehrstöckige Schulhaus (rechts in Gelb) in Sattelbogen ist im Herbst verkauft worden.