Traurige Nachricht aus Cham: Unternehmer Ludwig Schierer ist tot

Wer erstmals bei Ludwig Schierer ins Büro kam, der brauchte nicht lange, um Interessantes, gar Außergewöhnliches, für ein Gespräch zu finden. Die Wände waren gespickt mit Urkunden von Erfolgen – unternehmerische und mehr noch sportliche.
Die ganze Welt schien er zu Fuß – meist im Dauerlauf – erkundet zu haben. Nun ist sein Lebensmarathon beendet – Ludwig Schierer ist nach Informationen seiner Familie am Freitag im Alter von 92 Jahren verstorben.
Ein Chamer Urgestein
Die Familie Schierer gehört zu den Urgesteinen Chamer Unternehmergenerationen – mit allem rund ums Bauen macht sie sich seit 1898 einen Namen. Geboren am 9. Juni 1931 in Cham wuchs Ludwig Schierer an der Unteren Regenstraße auf, erlebte den II. Weltkrieg und den Wiederaufbau als Heranwachsender mit.
Ein erstes Ausrufezeichen hinter den Namen Schierer setzte bereits sein Vater: Ludwig Schierer senior verhinderte zum Ende des Zweiten Weltkrieges, im April 1945, unter Einsatz seines Lebens die Sprengung der Chamer Fleischtorbrücke. Vor allem Arbeit prägte das Leben der Familie und so war ein Lebensmotto, das er zu seinem 87. Geburtstag preisgab: „Man soll sich körperlich und geistig anstrengen, das ist wichtig!“ Wobei für ihn die Arbeit auch Leidenschaft war – noch täglich war er im Büro. Er hatte Freude am Erfolg. „Als freier, selbstständiger und unabhängiger Unternehmer lebe ich das, was ich denke und wozu ich fähig bin!“, so sein Motto.
Während der Kriegsjahre besuchte er die Volksschule in Cham, danach die Oberrealschule. 1952 schloss er die Handelsschule ab und stieg in den elterlichen Betrieb ein, wo voller Körpereinsatz an der Tagesordnung war. Zwar gab es bald einen Lastwagen, doch auf- und abgeladen wurde per Hand, wie Schierer aus der Erinnerung erzählte. Er lernte während der Kriegsjahre und danach den beschwerlichen Beschaffungsmarkt für Ziegel, Dachziegel und Zement kennen. Auch der Verkauf war schwierig – die Kunden hätten kein Geld gehabt, berichtete Schierer.
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Unternehmen wie Familie entwickelten sich vorwärts. Beim Tennisspielen lernte er seine Frau Irmtraud kennen und lieben. 1962 heirateten sie in Landshut und die Söhne Bernhard und Gerd kamen zur Welt. Dann gab es mehr Zeit für den Sport, der eine prägende Säule in Ludwig Schierers Leben wurde. Erst nachdem er 40 geworden war, startete er seine Marathonkarriere. Er war bei allen berühmten Marathons dabei, etwa in London, Moskau, New York, Athen, Wien oder Berlin. Auch der Arbermarathon gehörte dazu.
Wandern am Arber
Was ihm seine Heimat bedeutete, lässt sich in der langen Tradition der Ludwig Schierer Arberwanderung ablesen, zu der er immer im Herbst einlud. 2023 fand sie zum 63. Mal statt. Er wollte die Menschen mitnehmen zu Orten, die er liebte – und auch herausfordern, schließlich geht es um eine kilometerlange Wanderung über die acht Tausender des Bayerwaldes.
Schierer hatte zudem ein Faible für den Radsport und fürs Klettern. Dreimal nahm er auch an Senioren-Weltmeisterschaften im Skilanglauf teil. Und viel Glück begleitete ihn, wie er im Gespräch betonte. Weil er einen Lawinenunfall überlebte, stiftete Ludwig Schierer die Rissinger Kapelle. Ludwig Schierer baute nach der Aufspaltung der Firma Schierer 1993 ein eigenes Unternehmen auf, das heute mit etwa 300 Beschäftigten an drei Standorten mit allem rund um Beton wie im Baustoffhandel tätig ist.
Chams Bürgermeister Martin Stoiber würdigte den Verstorbenen als „herausragende Unternehmerpersönlichkeit“. Ludwig Schierer habe seine Firmengruppe mit Weitblick in die Zukunft geführt, sei offen für Innovation gewesen und habe Mut zur Expansion bewiesen. Trotz seines zeitaufwendigen, unternehmerischen Engagements sei er als Chef immer ansprechbar für seine Mitarbeiter gewesen – „die menschliche Komponente zählte für Ludwig Schierer“, so Stoiber. Dank des Sports hätten seine Kondition und sein Durchhaltevermögen als legendär gegolten: „Kein Wunder also, dass er selbst als Seniorchef noch regelmäßig in der Firma zu finden war und regen Anteil am betrieblichen Geschehen nahm.“
Schierer habe trotz seines unternehmerischen Erfolgs nie seine Wurzeln vergessen. Er habe sich für sein Cham engagiert, so Stoiber: „Hier waren sein Lebensmittelpunkt und vor allem seine Familie, die für ihn zeit seines Lebens das Wichtigste war. Seine Heimatstadt ist ihm zu großem Dank verpflichtet und verneigt sich vor dem Lebenswerk eines ebenso erfolgreichen wie bodenständigen Chamers.“

