Ludwig Schierer: Autor mit 90 Jahren

Von Johannes Schiedermeier · 7. Juni 2021 um 04:30

Der Schierer Luk ist mit dem Zeitungsarchiv des Bayerwald-Echos praktisch schon verwachsen. Pünktlich alle fünf Jahre haben wir anlässlich seiner Geburtstage über ihn berichtet. Langweilig war es nie. Er hat ein Leben in Bewegung geführt als Marathonläufer, Bergfex und Firmen-Chef. Er ist ein besonderes Urgestein seiner Heimatstadt. Am Mittwoch wird der Schierer Luk 90. Und jetzt hat er den Echo-Redakteuren auch noch den Rang abgelaufen: Denn wer ist der Einzige, der noch mehr über den Schierer Luk weiß, als das Zeitungsarchiv? - Der Schierer Luk selbst. Zum Geburtstag erscheint pünktlich: Ludwig Schierer - das Buch!

Ein bewegtes Leben

Von Anfang an war klar, dass es ein bewegtes Buch sein würde. So bewegt, wie der Schierer Luk sein ganzes Leben lang selber war. Wenn er nicht gerade in der Firma unterwegs war, dann lief, kraxelte und radelte er. Er bewältigte die 90 Kilometer des Wasa-Laufes und kämpfte sich beim Wien-Marathon blutend ins Ziel, weil er sich drei Zehennägel abgelaufen hatte, die sich dann in den Socken wiederfanden.

So manchen hinterlässt es fassungslos, wenn der 90-Jährige erzählt, dass er morgens gegen 6 Uhr aufsteht und dann so gegen 8.30 Uhr ins Büro fährt. Jeden Tag. „Das ist meine konstruktive Freizeitgestaltung“, sagt er. Wenn ihn gar jemand von der Seite darauf anredet, dann kann es ihm passieren, dass der Schierer Luk ihm Bescheid stößt: „Lass mir mei Dummheit. I frag ja auch net, wie es Dir mit Deiner geht!

Jetzt, mit 90, muss sogar ein Schierer Luk kürzertreten. Aber auch damit hat er sich in der ihm eigenen praktischen Art arrangiert. „Mit den Stöcken ist es mir zu unsicher geworden. Da weiß ich nicht, ob ich nochmal hochkomme, wenn ich einmal liege. Jetzt nehm‘ ich den Rollator und fahr‘ damit jeden Tag die Ziflinger Straße entlang bis zum Hinweisschild nach Brennet. Dann dreh ich wieder um. Das Handy und den Notruf habe ich dabei. Das habe ich selbst so gewollt und meine Familie ist sehr froh darüber.“

Führerscheinprüfung mit 90

Er sieht auch seine Verantwortung gegenüber anderen. Sein Auto fährt er noch. Aber nur, weil ihm der Fahrlehrer bescheinigt hat, dass er damit noch fit ist. Von langen Strecken hat er ihm aber abgeraten. Das Zertifikat von der Prüfung führt der Schierer Luk immer in der Aktentasche bei sich.

In einer ganz eigenen Geschichte hatten wir schon einmal die philosophische Ader des Firmen-Chefs aufgedeckt. Die hat er immer noch. Mit 90 gibt es für ihn kein Ziel mehr, das er unbedingt erreichen muss. „Ich bin froh, wenn ich morgens gesund aufstehe. Dann gehe ich ins Büro und bin dabei zufrieden und glücklich. Ich rede mit meinem Sohn und den Mitarbeitern und sage ihnen, dass ich stolz bin auf das, was sie da leisten.“

Unser Tipp an die Chamer: Schenken Sie sich selbst was: „Ludwig Schierer - Beton und Marathon“, 144 Seiten, ISBN: 978-3-00-068861-4 für 14,80 Euro.