Brandmelder alarmieren: Floriansjünger werden wegen Weihrauch und Knödelwasser gerufen

Wenn sich bei 34 von 37 Einsatzfahrten herausstellt, dass man sich umsonst in Montur geworfen hat, ist das mehr als frustrierend. Brandmeldeanlagen, sagt der Chamer Feuerwehrkommandant Markus Reittinger, liefern leider häufig Fehlalarme. Er weiß aber auch von Bränden, die ohne automatische Brandmeldeanlage fatal ausgegangen wären. Denn: „Wenn es in der Firma, einem öffentlichen Gebäude oder in einem Heim brennt, sind die Leute dort vor Ort oft die letzten, die das bemerken.“
Beispiel gefällig? Die Feuerwehr rückt bei einer Firma in Cham an – der Alarm war losgegangen. Schon bei der Ankunft kommt den Floriansjüngern der Hausmeister entgegen – ganz offensichtlich müsse es sich um einen Fehlakarm handeln, denn er komme gerade aus dem Gebäude, „da brennt nix“. Reittinger schüttelt noch bei der Erinnerung an diesen Vorfall den Kopf: „Der Mann hatte selbst nicht daran gedacht, dass es auch auf der anderen Straßenseite ein Gebäude gibt, das zur Firma gehört.“ Und dort hab es sehr wohl gebrannt.
Fälle wie dieser sind es auch, die Reittinger sagen lassen: „Brandmeldeanlagen sind schon wichtig und können Leben retten.“ Aber leider liegt die Fehlalarmquote bei den BMA-Einsätzen der Chamer Feuerwehr eben auch unglaublich hoch. „95 Prozent der Alarme sind Mist; aber das kannst du vorher eben nicht wissen.“
Alarm wegen Knödelwasser
Und so erleben die Feuerwehrmänner mit den in der Stadt verteilten Brandmeldern in Privathäusern, öffentlichen Gebäuden, Heimen oder Schulen oft auch die irrsten Geschichten. „Wir hatten schon Fehlalarme wegen einem Wasserkocher, wegen Knödelwasser, angebranntem Essen allgemein, wegen angebranntem Speck – und Raumspray.“ Raumspray? „Ja, wenn die Putzfrau es besonders gut meint mit dem Duft am Klo...“, grinst Reittinger.
Häufig würden Fehlalarme auch einfach daher herrühren, dass die Feuermelder abgelaufen seien. Technische Ursachen stehen mit acht überflüssigen Einsatzfahrten an der Spitze der Fehlalarme im Jahr 2023. Auch ein Dampfstrahler, ein heiß gelaufener Bohrer und aufwirbelnder Staub bei Bauarbeiten in einem Hotel schickten die Chamer Feuerwehr schon vergeblich auf die Reise. Auch in der Chamer Berufsschule waren Bauarbeiten schuld an einem Fehlalarm: beim Schneiden einer Fliesenfuge mit einem Trennschleifer war soviel Staub aufgewirbelt, dass die Anlage auslöste.
Kurios der Fall, in dem der Feuermelder hinter Glas eingeschlagen wurde, weil er mit dem automatischen Türöffner verwechselt wurde. „Man glaubt nicht, was es alles gibt“, zuckt Reittinger mit den Schultern.
Im Nachhinein lustig, findet Reittinger: Weihrauch-Einsätze. Einmal waren ortsfremde Ministranten in einer Sakristei zu Gange, und bemerkten nicht, dass ausgerechnet dort auch ein Brandmelder installiert war, ein anderes Mal wurde die Feuerwehr zu einem Seniorenheim beordert. „Da ist man natürlich sofort besonders auf Habacht“, erinnert sich Reittinger. Doch auch hier löste Weihrauch den Einsatz aus: Der Pfarrer hatte an Heilig-Drei-König in der Senioreneinrichtung quasi Hausbesuche von Zimmer zu Zimmer gemacht , um die Räume traditionell mit Weihrauch auszuräuchern und zu segnen.
Auf der anderen Seite, betont Reittinger, retten die Anlagen auch Leben.
Anlagen retten auch Leben
Am Beispiel des Brandes kürzlich in der Chamer Klosterstraße zeigt der Kommandant auf, wie wichtig die Anlagen sein können. „Ohne Feuermelder hätte kein Bewohner eine Chance gehabt. Obwohl ich nur Minuten nach dem Alarm vor Ort war, stand das Gebäude schon lichterloh in Flammen.“

