Geplanter Berg im Regensburger Gleisdreieck: Reicht der Blick bis zur Walhalla?

Im Gleisdreieck will Schmack Immobilien einen Landschaftsberg errichten – aus der lange umstrittenen Erdaufschüttung dort. Die Bürgerbeteiligung zu Schmacks Landschaftspark-Plan zeigt: Es gibt Grundsatzkritik, aber auch große Hoffnungen – und noch viele offene Fragen.
Im Gleisdreieck im Osten treffen nicht nur drei Bahnlinien aufeinander, sondern ein paar Welten. Die des Investors Ferdinand Schmack, der dort seit mehr als zehn Jahren einen Berg plant, der einmal drei Stadtviertel verbinden soll. Die der Stadt, die nach langem Rechtsstreit mit Schmack die Weichen dafür stellen will. Die des Bundes Naturschutz, der gegen Naturverlust kämpft. Und die der Bürger, bei denen das Projekt Grundsatzkritik, aber auch große Hoffnungen weckt, wie die gerade laufende Beteiligung zeigt.
Das Ziel des Bebauungsplans für den Berg skizzierte Sylvia Paur vom Stadtplanungsamt am Mittwochabend bei der öffentlichen Erörterung im Bildungscenter Candis vor gut zwei Dutzend Zuhörern so: Hier entstehe „sehr wahrscheinlich eine private Grünfläche“, aber mit Gehrechten für die Allgemeinheit“, und eine „Geländemodellierung“.
Berg im Gleisdreieck soll drei Viertel verbinden
Durch den Landschaftsberg solle langfristig die Möglichkeit offengehalten werden, Fuß- und Radwegverbindungen über die Gleise zu schaffen ins Hohe Kreuz, ins Kasernenviertel, und nach Möglichkeit auch ins Candis-Viertel. Darüber hinaus gebe es in diesem frühen Stadium des Verfahrens noch viele offene Fragen, etwa „Wie hoch kann dieser Berg oder diese Aufschüttung werden?“ Über die Bahnlinien verliefen Kaltluftschneisen in die Stadt, sagte Paur. Sie dürfen ebenso wenig verbaut werden wie aus denkmalpflegerischer Sicht wichtige Sichtachsen. Der nördliche Teil des Gleisdreiecks ist für die Stadt noch kein Thema, das wurde auf Nachfrage von Johann Brandl vom Bürgerverein Süd-Ost deutlich.
Auch für den hat Schmack Pläne, er will ihn mittelfristig für Wohnbau nutzen. Zum Berg erklärte Schmack: „Die maximale Höhe, die wir bei vernünftigen Böschungswinkeln erreichen können, scheint zwischen 22 und 27 Metern zu liegen. Das wird ausreichen, dass man nicht nur den Dom sieht, sondern auch die Walhalla.“ Der Berg werde auch als Lärmschutz dienen. Die derzeitige Aufschüttung, aus der er geformt werden soll, sei zwischen acht und zwölf Metern hoch.
Albrecht Muscholl-Silberhorn, Vize-Chef der Kreisgruppe des Bundes Naturschutz, pocht dagegen darauf, dass hier eine ökologische Ausgleichsfläche entstehen hätte müssen samt eines Biotops für Zauneidechsen. „2019 hätte das fertiggestellt sein müssen laut Vertrag.“ Passiere das nicht, sei das „Schwindel“. Schmack wies das zurück. „Es gibt die Möglichkeit im Vertrag, diese Fläche zu verlegen, und zwar von Anfang an.“ Schmack argumentierte wie die Vertreter der Stadt, der jahrelange Rechtsstreit über die Aufschüttung habe die Schaffung der Ausgleichsfläche verzögert. Die Stadt verlor 2023 in zweiter Instanz gegen Schmack, der gegen eine „Beseitigungsanordnung“ geklagt hatte.
Auch Kersten Osterhaus (56), Architekt aus dem inneren Osten, sieht den Bebauungsplan kritisch. „Jetzt ist da ein Berg entstanden, den man nachträglich genehmigen muss.“ Er fragte nach dem rechtlichen Status der Aufschüttung. „Ist das ein Schwarzbau oder ein Schwarzberg?“
Abfall jedenfalls sei es nicht, sagte Flemmig, das sei jetzt „höchstrichterlich entschieden“. Es bestehe nach wie vor auch der „Wunsch der Politik, dass es hier diese Landschaftsbergmodellierung gibt“. Bis das umgesetzt werde, werde die Aufschüttung geduldet, erklärte Flemmigs Vertreter Lothar Backhaus.
Wunsch nach Naherholung und Begegnungsorten
Sean Patrick Saßmannshausen (52), der im Osten wohnt, rief dazu auf, „über die „großartigen Chancen“ zu sprechen. „Es könnte vielleicht auch ein Gewässer dort sein, dass etwas entsteht, was wirklich Naherholungswert hat, wo man abends mal hinspazieren kann, etwas, was den Lebenswert unserer Gegend deutlich über das heraushebt, was wir momentan haben.“ Ein Café, so etwas wie das Schwammerl, wäre schön. Auch Tobias Mehrbrey, Quartiersmanager im inneren Südosten, wünscht sich dort Begegnungsorte. „Da sehe ich in dem Gleisdreieck eine ganz große Chance.“
Bernadette Dechant, CSU-Stadträtin und Sprecherin der Bürgerbewegung Innerer Stadtosten/Hohes Kreuz, sagte: „Mein Ziel wäre, dass wir nicht wieder zehn Jahre rumplanen, dass wir das zeitnah realisieren, dass sich auch im Osten etwas entwickeln kann, etwas Positives.“ Noch bis zum 22. März können sich Bürger dazu äußern, schriftlich, aber auch im Stadtplanungsamt.
Gleisdreieck
Areal: Ab 2007 zog sich Südzucker aus Regensburg zurück. Schmack Immobilien kaufte das Gelände und verfolgte ab 2012 den Plan, im Gleisdreieck ein Viertel „Dreibrücken“ entstehen zu lassen.
Pläne: 2014 beschloss der Stadtrat die Aufstellung eines Bebauungsplans für den Landschaftsberg und Wohnhäuser südlich von Ostheim. Die Angelegenheit stockte jahrelang – jetzt geht die Stadt sie in zwei Verfahren neu an.

