Bäckerei Glaab hat ihre Herstellung ins Gleisdreieck verlagert – Ein Blick hinter die Kulissen

Seit einem knappen Jahr produziert die Schwandorfer Bäckerei Glaab („Erlebe Brot“) nicht mehr im Stammhaus an der Neubäckergasse, sondern im Gewerbegebiet Gleisdreieck. Nun gewährten die Verantwortlichen einen Blick ins Innere – und Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) versuchte sich gleich beim Brezen-Drehen.
In der neuen Backstube gibt es eine Zutat reichlich, die im Stammhaus in der Schwandorfer Innenstadt Mangelware war – nämlich Platz, Etwa 700Quadratmeter groß ist die Halle mit den Backöfen und Kühlanlagen, dem Silo und den Knetmaschinen. Bei Bedarf könnte die Innenausstattung ohne Probleme ergänzt werden, erzählt Inhaber Christian Glaab. Und langfristig wäre auf dem 2000 Quadratmeter großen Grundstück sogar noch Platz für eine Erweiterung.
Ein Kraftakt für die Bäckerei Glaab
Für den Schwandorfer Traditionsbetrieb war der Neubau ein echter Kraftakt – und das nicht nur angesichts von Investitionskosten von rund 2,3 Millionen Euro. Erst „kurz vor knapp“ habe man ein geeignetes Grundstück in Schwandorf gefunden, berichtete der Inhaber am Mittwoch bei einem Rundgang mit Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) und einer Delegation der Stabsstelle für Wirtschaftsförderung.
Im Mai 2022 begann laut Glaab das Projekt im Gleisdreieck. Mitte September desselben Jahres erfolgte der erste Spatenstich, und am 3. April2023 nahm die Belegschaft in der neuen Backstube ihre Arbeit auf. „Am Samstag sind wir umgezogen, am Montag darauf haben wir hier heraußen das erste Mal gebacken“, erzählte der Inhaber. Damit war der Stress aber noch nicht vorbei. Denn nach einer Woche stand schon die Bewerbung um den Bayerischen Staatsehrenpreis 2023 auf dem Programm, den der Betrieb prompt zum sechsten Mal in Folge auch gewonnen hat.
„Darüber haben wir uns sehr gefreut. Denn das ist der Preis, der inzwischen am meisten wert ist“, so Christian Glaab. Nach seinen Worten wird dem Unternehmen mit der Auszeichnung bescheinigt, zu den 20besten Bäckereien in Bayern zu gehören. Mehr als nur eine Zutat war es für den Inhaber, dass der Schwandorfer Familienbetrieb in diesem Jahr von der Gourmet-Zeitschrift „Der Feinschmecker“ unter die besten 500 Bäcker in ganz Deutschland aufgenommen wurde – unter anderem wegen der langen Ruhezeit des Natursauerteigs und des Verzichts auf Zusatzstoffe.
Backöfen werden nun mit Strom betrieben
Auf Nachhaltigkeit setzte die Traditionsbäckerei auch beim Neubau. Nach den Worten des Inhabers werden die Backöfen statt mit Gas nun mit Strom betrieben, der tagsüber auch von der eigenen PV-Anlage auf dem Dach kommt. Geheizt wird unter anderem mit einer Wärmepumpe, und auch die Abwärme der Kühlanlage wird in das System eingespeist. Langfristig könnte die Photovoltaik-Anlage sogar noch ausgebaut werden – „wenn es bezahlbare Speichermöglichkeiten gibt“, wie es Christian Glaab formulierte.
Der Inhaber steht nach eigenen Worten noch heute jeden Tag in der Backstube. Dazu kommen acht weitere Beschäftigte – neben Bäckermeister Tobias Nowak, der vor 15 Jahren schon beim Glaab gelernt hat und jetzt nach Schwandorf zurückgekommen ist, sind es zwei ältere Gesellen, drei Azubis und weitere Kräfte. Insgesamt hat das Familienunternehmen inzwischen schon 49Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – meist im Verkauf.
Für den Inhaber war der Umzug ins Gleisdreieck „die richtige Entscheidung. Wir sind einfach Schwandorfer. Nun ist der Betrieb für die Zukunft gerüstet“, sagte Glaab und dankte dem Leiter der Staabsstelle Wirtschaftsförderung, Armin Rank, für seinen Einsatz bei der Grundstückssuche. Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) gab das Kompliment zurück und lobte das „Schwandorfer Urgestein“ für das Bekenntnis zur Großen Kreisstadt. Die Bäckerei Glaab sei ein „Aushängeschild weit über die Stadtgrenzen hinaus“.
Im Stammhaus an der Neubäckergasse in der Schwandorfer Innenstadt hat die Backstube ausgedient und wird nach den Worten von Juniorchef Benedikt Glaab als Lager unter anderem für Verpackungsmaterialien genutzt. Das ermögliche es dem Betrieb, in größeren Mengen und damit auch billiger einzukaufen.
Glaab eröffnet beim Krankenhaus St. Barbara bald die sechste Filiale
Hergestellt werden die Backwaren also nur noch am Standort Gleisdreieck. Von hier aus werden sämtliche Verkaufsstellen in Schwandorf und Regensburg auch beliefert. Inzwischen gibt es deren fünf: Zum Stammhaus in der Schwandorfer Innenstadt und dem „Urbana 49“ an der Meiserstraße sind inzwischen auch drei Ableger in Regensburg gekommen – an der Fröhliche-Türken-Straße, in den Regensburg Arcaden und zuletzt in unmittelbarer Nähe zum Haidplatz – im Waaggässchen. Auch in Schwandorf wird es bald eine neue Filiale geben, in den Räumen der früheren Bäckerei Fritsch an der Ecke von Steinberger und Rothlindenstraße, gleich beim Krankenhaus St.Barbara. Die Eröffnung ist am 21. März, geplant.
Dann könnte erst einmal Ruhe einkehren in dem Traditionsbetrieb, der im Herbst sein 75-jähriges Bestehen in der Großen Kreisstadt feiert. Oder doch nicht? Juniorchef Benedikt hat schon wieder Pläne. Der Online-Vertrieb, findet er, sei noch ausbaufähig. Das dürfte noch spannend werden. Denn schon jetzt können über die Website nicht nur Ciabattini, Nussecken oder Korianderbrot bestellt werden, sondern auch Kaffeevariationen, Geschenkgutscheine und inzwischen sogar T-Shirts. Benedikt Glaab: „Die ersten Bestellungen haben wir schon bekommen.“

