Schwandorfs OB metzgert gerne – vegane Alternativen sind nicht sein Ding

Weißer Kittel, graue Gummischürze: Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) hat einen ganz besonderen Freizeitausgleich gefunden. Dafür greift er beherzt zum Messer – doch keine Angst.
Auf der Straße zwischen Fronberg und Prissath reihen sich am Samstag schon um 10Uhr morgens die Autos am Straßenrand. Auf dem großen Firmenhof von Bauunternehmer Otto Karl bewachen zwei Männer zwei alte Kessel, aus denen Dampf in den Himmel steigt. In der Werkstatt daneben werden normalerweise Autos repariert – für den heutigen Tag stehen dort inmitten der übrigen Maschinen und Öl-Kanister acht Biertische samt einer blau-weiß karierten Tischdecke und reichlich Bierkästen, nicht nur aus Naabeck. Schon jetzt ist bereits jede Bank gefüllt – ausschließlich mit Männern: Die Fronberger Wolpertinger feiern Schlachtfest.
Im Nebenraum wird gemetzgert
Viel spannender wird es allerdings im Nebenraum der Werkstatt. Rustikale, braune Fließen zieren den Weg dorthin. In der Mitte steht ein großer Holztisch, auf ihm liegen große Arbeitsplatten. Drum herum reihen sich sechs Männer in Arbeitskitteln. Einer davon ist Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller.
Der 54-Jährige ist seit etwa 20Jahren beim Stammtisch der Wolpertinger dabei. Für das Schlachtfest macht er sich gerne die Hände schmutzig, mit denen er in seinem eigentlichen Beruf meist Gäste begrüßt oder bei Reden gestikuliert. „Anpacken“ ist sein Ding, sagt er. Auch Zuhause nehme er vieles selbst in die Hand. Das Metzgern sei für ihn eine Art „Ausgleich“.
Das Kesselfleisch wird hergerichtet
Um kurz nach 11Uhr werden große schwarze Kessel in den Raum getragen. Der Inhalt: Kesselwasser und Schweineköpfe. Der Raum entwickelt sich schnell zu einem Dampfbad. Während so manche Brille beschlägt, macht sich ein intensiver Geruch breit. Jeder nimmt sich einen heißen Schweineschädel und beginnt, das Fleisch vom Knochen zu trennen. Auch Leber, Herz und Nieren werden zurechtgeschnitten.
Feller nimmt sich ein großes Messer und schneidet alles fein säuberlich in Stücke. Dabei bekommt er immer mal wieder zu hören: „Schneid dir nicht in die Finger,morgen musst du wieder viele Hände schütteln!“ Beim Zusehen fällt nicht auf, dass Feller sonst im Arbeitsalltag eher einen Füller als ein Messer in der Hand hält. Die Arbeit des Oberbürgermeisters als „Hobbymetzger“ sei „hervorragend“, lobt Metzgermeister Johann Wifling aus Schwarzenfeld lachend.
Schnauze und Zunge sind beliebt
Ab und an stibitzt Feller ein Stück Fleisch oder leckt sich genüsslich die Finger ab. „Schnauze und Zunge sind etwas Feines“, sagt er. Ein wirklichen Lieblingsstück hat er aber nicht. Während die Männer im Nebenraum arbeiten, wird in der Werkstatt schon das erste Kesselfleisch verteilt. Drei Frauen haben sich bereiterklärt, den Service zu übernehmen. Sie sind die einzigen unter rund 55 Männern.
Nachdem sich jeder sein liebstes Schweinestück herausgepickt hat, begrüßt der Präsident der Fronberger Wolpertinger, Josef Beer, alle Anwesenden. Dabei trägt er eine Waschbärfellmütze mit dem Geweih eines Sechs-Ender-Rehbocks. Der Schwanz der Mütze ist original aus den USA, der Rest nur Kunststoff.
Kein Gefallen an veganen Alternativen
Im Metzgerraum werden die Schweineteile derweil konzentriert klein geschnitten. Jetzt wird der Presssack vorbereitet. Während die Klinge von Fellers Messer durch das Schweinefleisch gleitet, erzählt er, dass er sich bei der Metzgerarbeit beim Schlachtfest vor keinem Handgriff scheue. Egal ob Niere oder Herz – beim Schneiden verzieht er keine Miene. „Entweder man mag es oder nicht“, sagt er.
Fleisch gehört für Feller dazu. Eine vegane Weißwurst hat er aber schon einmal probiert. Überzeugt hat sie ihn aber nicht, eher abgeschreckt. „Ich kann mir eine vegane Ernährung für mich nicht vorstellen“, gesteht er. Der OB betont, dass jeder seine Ernährung halten kann, wie er will. Aber er möchte nicht missioniert werden. Ihm ist wichtig, dass nichts weggeworfen wird. Und genau das schätzt er am Schlachtfest. Hier werde „from nose to tail“ eben das ganze Schwein verbraucht, mimt er den Engländer.
Das Wichtigste sind die Gewürze
Jetzt aber ran an die Leberwürste. Mit einem Wurstfüller wird die Masse in den Darm gegeben. Wifling bindet die Leberwurstpaare mit einer Schnur passend ab. Feller soll die Würste zählen bevor die nächsten gemacht werden. Kann er das? „Ich war im Deutsch-Leistungskurs“, scherzt er. Für den Rathauschef gehört unter anderem die Leberwurst zu den persönlichen Höhepunkten beim Schlachtfest. „Wie sie hier gemacht wird, ist einfach ein Highlight“, schwärmt er und ergänzt sogleich: „Das Wichtigste sind die Gewürze!“ Nachdem die Würste etwa eine Stunde im Kessel gegart wurden, können sie von den hungrigen Wolpertingern in der Werkstatt verzehrt werden. Damit dies gelingt, müssen die beiden Kesselmeister Andreas Falkinger und Max Frankerl draußen aber die Temperatur genauestens im Auge behalten – ein paar Grad zu viel oder zu wenig und die Würste platzen.
Der OB mag die Wurstsuppe aus dem Kessel
„Das ist aber gut für die Wurstsuppe“, sagt Feller. Nachdem den ganzen Tag verschiedenste Würste im Kessel gegart wurden, bildet sich eine reichhaltige Suppe. Viele mögen diese heutzutage nicht mehr, Feller schon. Er will sich einen kleinen Eimer davon mitnehmen.
In der Werkstatt wird es plötzlich laut. Die „Nationalhymne“, so Feller, der Wolpertinger wird angestimmt: Es ist das Lied „Der Umgang“. „Nach’n Umgang gehn’s zum Augustiner, da zuzelns d’ Weißwürscht aus“, hallt es durch den Raum. Die gibt es heute nicht. Dafür feinste Leberwürste aus den Händen des OB.

