Schlüpfte der Wolf hier durch? Wildschutzzaun entlang der A93 im Kreis Schwandorf löchrig

Von Lisa Steigerwald, Cornelia Lorenz · 17. März 2024 um 05:00

Zwei junge Wölfe wurden zuletzt auf der A93 im Landkreis Schwandorf überfahren. Aber wie kamen die Raubtiere überhaupt auf die Autobahn, wenn doch entlang Wildschutzzäune stehen? Peter Eberhardt hat interessante Beobachtungen gemacht.

Der Mann aus Maxhütte-Haidhof hatte kürzlich in der MZ gelesen, dass laut Landtagsabgeordnetem Alexander Flierl (CSU) die Schutzzäune entlang der Autobahn „kein Hindernis für den Wolf darstellen“ würden. Das wollte Eberhardt überprüfen. Also machte er sich auf den Weg, um nach dem Rechten zu sehen.

Vier Löcher schon nach wenigen hundert Metern entdeckt

Der 73 Jahre alte Tierschützer wanderte vom Lindenweg in Wölsendorf entlang des Autobahnzauns an der A 93 in Richtung Nabburg. Schon nach wenigen hundert Metern hatte er vier Löcher entdeckt. „Bei einem könnte sogar ein Pony durchmarschieren“, findet Eberhardt. Und auch die anderen Lücken würden einen Wolf oder Fuchs nicht davon abhalten, auf die Straße zu rennen.

Nach der Entdeckung fuhr der Maxhütter zur Autobahnpolizei, um die Schäden persönlich zu melden. Dort wurde ihm mitgeteilt, dass die Angelegenheit an die zuständige Stelle weitergeleitet werde. Der stellvertretende Stationsleiter der Schwandorfer Autobahnpolizei, Michael Guha, sagt auf Anfrage, dass er sich trotz der Löcher im Zaun an keine Unfälle auf der Autobahn mit Großwild wie Hirsch oder Reh erinnern kann. Solche Vorfälle seien eine absolute Ausnahme.

Unfälle mit Kleintieren wie Fuchs oder Hase kämen dagegen häufiger vor, so Guha. Es sei auch schon vorgekommen, dass sich zum Beispiel eine Entenfamilie auf die Fahrbahn verirrt habe. „Wie die Wölfe auf die Autobahn gekommen sind, darüber kann ich nur spekulieren“, sagt der stellvertretende Stationsleiter. Außerdem sei die Polizei auch nur „Gast“ auf der Straße, denn zuständig seien die Autobahnmeisterei Schwandorf beziehungsweise die Autobahn GmbH.

Forderung nach mehr Kontrollen

Eberhardt fordert, dass die Schutzzäune häufiger auf ihren Zustand kontrolliert werden. Er ist sich sicher, dass bei solchen Sicherheitslücken Gefahr für Mensch und Tier besteht. Generell sei er von manchen Entscheidungen im Bereich des Tierschutzes enttäuscht. Zumindest könnte darauf geachtet werden, dass bestehende Schutzmaßnahmen erhalten bleiben, sagt der Tierschützer, der schon als kleiner Junge Gänse und Kettenhunde befreit hatte. „Als ich davon gehört habe, dass die Zäune für Wölfe kein Hindernis darstellen würden, dachte ich, das ist bestimmt wieder ein Vorwand, um die Tiere zum Abschuss freizugeben“, sagt Eberhardt.

Abgeordneter Flierl, selbst ein passionierter Jäger, widerspricht. Ein Wolf dürfe nur dann erlegt werden, wenn Gefahr für Menschen bestehe oder Weidetiere wie Schafe gerissen wurden. In solchen Fällen müsse dann das zuständige Landratsamt eine Entscheidung treffen.

Maßnahme zur Eindämmung der Afrikanischen Schweinepest

Die Schutzzäune dienen laut Flierl auch als Unterstützung für den Seuchenfall im Rahmen des Präventionsprogramms, mit dem die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest eingedämmt werden soll. Sie seien Barrieren und grenzten Gebiete ab, erklärt der Jäger. Im Moment stellten die Löcher aber noch kein Problem dar.

Auch die Jäger kontrollieren laut Flierl ihre Reviere und würden Mängel melden. Allerdings stünden die Zäune oft an Stellen, die für Waidmänner eher uninteressant seien. Dadurch kämen sie nicht so oft an den Zäunen vorbei und würden Mängel erst spät bemerken.

Zäune werden kontrolliert – Kein Hindernis für das Raubtier

Auch die Bundestagsabgeordnete Martina Englhardt-Kopf (CSU) hat von den löchrigen Zäunen mitbekommen. Sie interessiert sich besonders für die Autobahn, sitzt sie doch im zuständigen Verkehrsausschuss. Umgehend habe sie mit der zuständigen Autobahndirektion Kontakt aufgenommen. Mit Erfolg: Die Zäune entlang der A93 im Landkreis Schwandorf sollen zeitnah kontrolliert und repariert werden. Das bestätigte auch eine Sprecherin der Autobahn GmbH.

Wie Flierl glaubt auch Englhardt-Kopf nicht, dass die Wildschutzzäune den Wolf zurückhalten können. Die Schutzvorrichtungen entlang der A93 seien lediglich 1,60Meter hoch. Dieses Maß stelle für das Raubtier kein Hindernis dar, „wenn es einen Kadaver riecht oder so einfach die Autobahn überqueren will“, findet die CSU-Politikerin. Außerdem könne der Wolf den Zaun untergraben.

Die Begegnung mit einem Wolf

Auch anderswo im Landkreis macht man sich Gedanken um die Wölfe – zum Beispiel in Nittenau. Hier lebt Gunther Stangl, stellvertretender Jagdberater des Landkreises Schwandorf und passionierter Kleintierzüchter. Er kann sich noch gut daran erinnern, als er vor etwa fünf Jahren in der Nähe des Nittenauer Ortsteils Kaspeltshub auf einem Hochsitz saß – und plötzlich seltsame Geräusche hörte. Zunächst vermutete er dahinter das Jaulen streunender Hunde. Umso überraschter war Stangl, als er plötzlich drei Wölfe vorüberziehen sah.

Seitdem hat er in der Nittenauer Gegend keine Wölfe mehr beobachtet. Dass nun innerhalb kurzer Zeit zwei Wölfe auf der A93 unter die Räder gerieten, wundert den Jagdexperten nicht, denn auf solchen Straßen würden viele Kleintiere überfahren – und diese seien für die umherwandernden Rüden eine interessante Nahrungsquelle.

Dass sich im Raum Schwandorf tatsächlich Wölfe in größerer Zahl ansiedeln, hält der stellvertretende Jagdberater für unwahrscheinlich. Die Gegend sei zu dicht besiedelt und Wölfe suchten eigentlich die Ruhe. Dennoch ist Stangl der Meinung, dass in Sachen Wolf einige grundsätzliche Entscheidungen fällig sind. In Gegenden, wo sich Wölfe ungehindert vermehren können, würden sie über kurz oder lang auch Nutztiere als Beute auswählen. Das könne man beispielsweise in Ostdeutschland beobachten, wo die Wölfe mittlerweile selbst in Stallungen eindringen würden.

Gunther Stangl fordert einfachere Regeln

Mit solchen Problemen dürfe man die Landwirte, Schäfer und andere Tierhalter nicht allein lassen, meint der Nittenauer. Es müssten dringend einfachere und saubere Regeln als bisher geschaffen werden, um den Abschuss von auffällig gewordenen „Problemwölfen“ und die Bestandsregulierung an sich zu erleichtern. „Im Moment ist alles sehr schwammig formuliert“, kritisiert Stangl. Hier sei die Politik gefordert.

Für die Rufe von vielen Naturfreunden, Wölfe müssten um jeden Preis geschützt werden, hat Stangl kein Verständnis. Wer so denke, lasse die Tierhalter mit den Gefahren für ihre Herden im Stich. „Der Wolf ist mitnichten vom Aussterben bedroht. Somit sollte der Wolfsbestand vernünftig reguliert werden“, fordert Stangl.