Ein größerer Raum zum Abschied nehmen: Neunburg will Aussegnungshalle erweitern

Von Jan Lange · 12. März 2024 um 19:00

Dass die Aussegnungshalle auf dem Neunburger Friedhof nicht optimal ist, darin sind sich die Neunburger einig. Wie die Situation verbessert werden, darüber gehen die Meinungen auseinander: Erhalt und Anbau? Oder Abriss und Neubau an gleicher Stelle? Nun liegt ein Entwurf vor, der den Bürger vorgestellt wurde.

Johann Fischer ist sehr interessiert daran, wie es mit der Aussegnungshalle weitergeht. Denn er ist fast täglich auf dem Neunburger Friedhof, um das Familiengrab zu pflegen. Dabei erlebt der 74-Jährige so manche Trauerfeier in der Aussegnungshalle. Und er bekommt mit, wie beengt es in den dort zugeht. Oft reichen die Sitzplätze nur für die engsten Familienangehörigen. Viele Trauergäste müssten in der Vorhalle stehen.

Nicht nur Fischer empfindet diese Situation als suboptimal. Auch in der Stadtverwaltung ist man sich bewusst, dass sich etwas ändern muss. Seit Längerem ist eine Sanierung und Erweiterung der Aussegnungshalle geplant.

Nachdem die Stadträte bereits im November über den aktuellen Entwurf informiert wurden, sollten nun auch die Bürger aufgeklärt werden. Am Montagabend hatte die Stadt zu einem Infoabend ins Rathaus eingeladen. Auch Johann Fischer war gekommen und hörte den Ausführungen des Architekten interessiert zu.

Geplant ist ein rechteckiger, rund 85 Quadratmeter großer Anbau, der auf der Rückseite des Bestandsgebäudes errichtet werden soll. Der Schuppen, der sich dort befindet, soll dafür weichen.

Klappbare Verbindungstüren

Im Anbau entsteht ein neuer Aussegnungsraum mit gut 60Sitzplätzen. Je nach Bedarf wird es im Verbindungsbau sowie im Altbau weitere Stehplätze geben. Damit die einzelnen Räume sowohl separat als auch zusammen genutzt werden können, werden klappbare Verbindungstüren eingebaut, erklärte Architekt Michael Kühnlein.

Die Wände des Anbaus werden aus Stampflehm sein. Damit soll im Sommer die Wärme und im Winter die Kälte abgehalten werden. Im Dach soll es nur ein Fenster in dreieckiger Form geben, dessen Licht direkt auf die Stelle scheint, an der Särge und Urnen aufgebahrt werden. Zur weiteren Beleuchtung sollen aufklappbare Oberlicht-Fenster dienen.

Kreisheimatpfleger Theo Männer kann sich mit den Planungen sehr anfreunden, wie er am Montag erklärte. Der Anbau füge sich seiner Meinung nach gut ein und ordne sich auch dem Bestandsgebäude unter. „Es ist eine gute und richtige Lösung“, fand der Neunburger Ehrenbürger.

„Die Kuh ist vom Eis“

Vor allem aber ist Theo Männer froh, dass ein Abriss der historischen Aussegnungshalle kein Thema mehr ist. „Die Kuh ist vom Eis“, meinte er dazu. Die Neunburger waren in dieser Frage durchaus gespalten. Manche sprachen sich dafür aus, den Altbau abzureißen und an der Stelle etwas Neues zu errichten. Andere drohten dagegen mit einem Bürgerentscheid, falls ein Abriss weiter verfolgt werden würde.

Zu Ersteren gehörte anfangs auch Johann Fischer. Er sei zuerst für einem Komplettabriss gewesen, berichtete er beim Infoabend. Als er die Planungen sah, hätte er seine Meinung aber geändert. „Ich bin vom Saulus zum Paulus geworden“, meinte er. Die Konzeption habe sehr viel für sich.

Dennoch hatte er einige Fragen an den Architekten und die Vertreter der Stadt. Ob der Anbau noch etwas länger werden könne, wollte er unter anderem wissen. Denn in der Aussegnungshalle sollten seiner Meinung nach zwischen 80 und 150 Sitzplätzen zur Verfügung stehen. Vom Gelände her sei es durchaus möglich, den Anbau noch etwas länger zu machen, erklärte Architekt Michael Kühnlein.

Die Toilettensituation sprach Fischer ebenfalls an. Derzeit sei es nicht möglich, dass zwei Gäste gleichzeitig auf die Toilette gehen. Dies sollte aber der Fall sein, meinte der 74-Jährige. Im Bestandsgebäude sind bisher nur ein öffentliches WC und eine eigene Toilette für Pfarrer und Ministranten vorgesehen. Kühnlein überlegte kurz und schlug dann vor, vom Aufenthaltsraum für Pfarrer und Ministranten einen Teil abzuzweigen und dort eine weitere öffentliche Toilette zu schaffen. Dafür müssten der Seelsorger und seine Helfer auf ein eigenes WC verzichten.

Soll die Rampe bleiben oder entfernt werden?

Auch die Rampe vor dem Altbau wurde angesprochen. Sie sollte im Zuge der Sanierung entfernt werden, da sie nicht zu dem historischen Gebäude passe, fand Fischer. „Ich würde sie nicht wegmachen. Denn so haben wir künftig vorne und hinten barrierefreie Zugänge“, erwiderte Bürgermeister Martin Birner (CSU). Im Verbindungsbau sollen nach dem aktuellen Entwurf barrierefreie Zugänge an beiden Seiten geschaffen werden.

An eine Lautsprecheranlage sollte auch gedacht werden, so der Hinweis vonseiten der anwesenden Bürger. Eine gewisse Grundkonstruktion sollte vorhanden sein, aber nicht die komplette technische Ausstattung, fand die zweite Bürgermeisterin Margit Reichl (CSU), die sich auch in der Arbeitsgruppe Aussegnungshalle eingebracht hatte. Für die Technik zu sorgen, sei Aufgabe des Bestatters, so die CSU-Stadträtin. Außerdem müsse man vorsichtig sein, dass nicht zu viel angeschafft wird, während andere Ortsteile nichts bekommen würden, mahnte Reichl eine Gleichbehandlung an.

Maria Nutz von der Kirchenverwaltung erkundigte sich nach dem Zeitplan. „Es ist ein schöner Vorschlag, er muss nur umgesetzt werden“, meinte sie. Es müsse geschaut werden, wie sich das Vorhaben in die nächsten Haushalte einordnen lasse, erklärte der Bürgermeister. Die Bedeutung des Projektes sei ihm bewusst, aber er könne nichts versprechen. Die Gesamtkosten werden auf rund 1,6 Millionen Euro geschätzt.

Die Meinungen über Abriss oder Erhalt gingen auseinander. Nun soll das historische Gebäude erhalten bleiben.
So sieht der Entwurf aus: Auf der Rückseite des Bestandsgebäudes soll der Neubau angegliedert werden. Foto: Kühnlein Architekten