Von humorvoll bis todernst: Themenführung eröffnet neuen Blick auf Schwandorfs Friedhof

Von Stefanie Kraus · 26. Oktober 2023 um 11:00

Eine neue Führung des Tourismusbüros soll das Interesse der Schwandorfer am städtischen Friedhof wecken. Gästeführer Josef Vitzthum hat sich viel Wissen rund um die Anlage, die hier Beigesetzten sowie die Themen Tod und Bestattung angeeignet. Ein Ziel: Die Berührungsängste der Schwandorfer mit der Örtlichkeit Friedhof sowie dem Tod abzubauen.

Vitzthum ist in der Großen Kreisstadt kein Unbekannter. Vielen dürfte er bereits bei einem seiner Rundgänge durch das Bahnhofsviertel begegnet sein. Auch als Krippenbauer ist er den Schwandorfern ein Begriff. Nun hat er ein neues Themenfeld für sich erschlossen: den städtischen Friedhof. An vorerst zwei Terminen teilt er nun sein Wissen bei einer Themenführung der besonderen Art.

Ein Totenbrett für den Großvater angefertigt

Gleich zu Beginn des Rundgangs präsentiert Vitzthum eine Besonderheit: ein sogenanntes Totenbrett. Der passionierte Krippenbauer hat es eigens zum Gedenken an seinen Großvater angefertigt. „Totenbretter sind eine Form der Erinnerung, die besonders im Oberpfälzer und Bayerischen Wald verbreitet sind“, sagt er. Einst wurden Verstorbene auf diesen Brettern bis zu ihrer Beerdigung aufgebahrt und zum Friedhof getragen. Als in Bayern um 1800 Särge üblich wurden, wandelten sich die Totenbretter von Gebrauchsgegenständen zu Gedenkbrettern. So wurde das Holzbrett nach der Beerdigung mit dem Namen des Toten, seinem Geburtsdatum und einem Spruch beschriftet und an Feldrainen und Waldrändern aufgestellt. Das Totenbrett für seinen Großvater ist nur eines von vielen anschaulichen Elementen, die Vitzthum den Teilnehmern im Laufe der Führung präsentiert.

Damit nicht genug: Teil des Rundgangs ist auch, an Gräbern bekannter Schwandorfer Persönlichkeiten innezuhalten. Egal ob verstorbener Ehrenbürger, Brauer oder Geistlicher: Vitzthum weiß etwas zu deren Vita und Verdienste um die Große Kreisstadt zu erzählen und zeigt dazu verschiedene Bilder.

Hymne und Trauermarsch während des Gangs

Auch Trauermusik wird in diesem Kontext eine Rolle spielen. Am Grab von Konrad Max Kunz soll beispielsweise die Bayernhymne erklingen. Ein Trauermarsch soll während der Führung zu hören sein, genauso wie es an der Gedenkstätte für die sogenannten Sternenkinder eine leise musikalische Untermalung gegeben soll. Doch nicht nur die auf dem Friedhof an der Wackersdorfer Straße bestatteten Personen und Gedenkstätten selbst sind Thema der Führung, sondern auch dessen Entstehungsgeschichte, die baulichen Besonderheiten und die botanische Vielfalt der parkähnlichen Anlage.

Zudem wird Vitzthum auf die verschiedenen Möglichkeiten der Bestattung auf dem großzügigen Gelände eingehen. Ob Erdbestattung in Sarg oder Urne, im Kolumbarium – kleine Gebäude in denen Urnenkammern eingelassen sind – in einer Urnenstele, Baumbestattungen oder ein anonymes Grab: Auf dem städtischen Friedhof ist fast alles zulässig. Und auch bei der Gestaltung der jeweiligen Ruhestätten lässt die Stadt den Schwandorfern viel Freiraum. „Die Friedhofssatzung in anderen Städten ist deutlich strenger“, weiß Vitzthum. Doch hier sind die Gräber, auch jene, die unmittelbar nebeneinander angelegt sind, komplett unterschiedlich gestaltet. Hier steht glatter Marmorstein neben kunstvollem, schmiedeeisernem Kreuz oder schlichter Holzvorrichtung mit kleiner Gedenktafel.

Praktika bei einem Bestatter und im Krematorium

Vitzthum, der seit zwei Jahren an dem Projekt arbeitet und sogar Praktika bei einem Bestatter und im Krematorium absolviert hat, ist es wichtig zu sagen, dass es trotz pietätvollen Umgangs mit den Themen Trauer und Sterben bei der Führung nicht durchgehend „todernst“ zugehen soll. Denn auch Kuriositäten und humoristische Elemente, wie besondere Traueranzeigen, Sterbebilder oder Grabsteinsprüche, hat der Gästeführer in petto.

Die nächste Führung findet am Sonntag, 5.November, um 14 Uhr statt. Treffpunkt ist der Friedhof Schwandorf, Haupteingang an der Wackersdorfer Straße vor der Trauerhalle. Die Teilnahmegebühr beträgt sieben Euro, ermäßigt fünf Euro. Anmeldung und weitere Infos beim Tourismusbüro Schwandorf unter (09431) 45550 oder unter tourismus@schwandorf.de.

Sie freuen sich auf viele Interessierte: Johannes Lohrer vom Tourismusbüro und Gästeführer Josef Vitzthum. Foto: Stefanie Kraus
Einige Gräber sind besonders aufwendig gestaltet. Foto: Stefanie Kraus
Das große Kreuz hat eine besondere Position. Foto: Stefanie Kraus
Viele Bestattungsformen sind möglich, auch eine sogenannte Baumbestattung. Foto: Stefanie Kraus
Ein besonderer Platz ist die Gedenkstätte für die Sternenkinder. Dort soll leise Musik abgespielt werden. Foto: Stefanie Kraus