Klein-Amerika im Rötzer Sportheim: Die Bandits Line Dancer und ihre Liebe zur Country-Musik

„Step, point, step, point, step, touch behind, back, heel right“, gibt Marion Kriegseis vor. Schnell wird klar, warum eine Line Dance-Stunde nicht nur als körperliches, sondern auch als mentales Training beschrieben wird: Als Neuling muss man während der gesamten Schrittfolge konzentriert bleiben.
Sobald die Gedanken während des Tanzens kurz abschweifen, muss man schnell einen Blick zum Vordermann oder zum Nachbarn werfen, um nicht den Anschluss zu verlieren.
Die Bandits Line Dancer Rötz haben zu einem zehnteiligen Kurs nach einem Schnuppertraining geladen, und die Teilnehmer, die auch an diesem Freitagabend wieder ins FC-Heim gekommen sind, sind begeistert davon und haben schnell den Bogen raus – auch, wenn sie als Neulinge noch nicht die klassischen Cowboystiefel tragen, macht es allen Riesenspaß.
Als nächstes werden nicht mehr die englischen Begriffe für die Schritte genannt, es wird nur noch gezählt – beim Line Dance sind es klassisch acht Counts, die Tänze sind in Achter-Blöcken aufgebaut. Dann wird das Tempo hochgefahren, und es kommt das, was am meisten Spaß macht: das Tanzen zu Country-Musik. Aus den Boxen tönen rockige Musikstücke, aber auch Balladen – Klassiker und moderne Stücke. Nach jedem Titel gibt es Applaus für die Teilnehmer, die die Schritte schnell verinnerlicht haben.
Line Dance ist ein Gruppentanz aus den USA, für den kein Tanzpartner benötigt wird. Auch nach einer Drehung stehen alle jeweils in einer Linie, woher die Tanzform ihren Namen hat. „Rock forward, back, hold, back, close, step, hold“. Man hört die Schritte in den Cowboystiefeln und bei einigen Stücken das Klatschen der Hände. Die Bandits gibt es seit fast 20 Jahren. Walter und Karin Kriegseis haben die Gruppe gemeinsam mit dessen Schwägerin Marion, mit Angela Ferstl, Ulrike Krämer und weiteren Mitgliedern, zunächst unter anderem Namen, gegründet.
Es begann im Country-Tanzlokal Christl
Im Tanzlokal Christl in Arnschwang spielte damals im Winter alle 14 Tage eine Live-Band Country-Musik, erzählt Angela Ferstl, die den Kurs in Rötz gemeinsam mit Marion Kriegseis leitet. Den dortigen Verein, die Rain River Line Dancers Arnschwang, habe es damals schon länger gegeben. 2004 machte Angela Ferstl einen Anfängerkurs und ist vom Line Dance heute noch begeistert wie am ersten Tag. Die rund 20 festen Mitglieder der Bandits Line Dancer treffen sich seit langem regelmäßig zum Tanzen, jeden Sonntag von 19 bis 21 Uhr im FC-Heim. Dort sind sie allerdings erst seit wenigen Jahren beheimatet: Zuvor tanzten sie in Privaträumen in Voitsried, die während Corona und der damals geltenden Hygieneauflagen zu klein wurden. Sie schlossen sich dem FC Rötz an und gehören seither zur Abteilung Turnen. „Ein großes Dankeschön“ geht von der Gruppe an den FC-Vorsitzenden Gerhard Hofmann, „dafür, dass wir einen so wunderbaren Trainingsraum nutzen dürfen.“ Die Südstaaten-Flaggen an den Wänden und Bilder sorgen für das richtige Ambiente beim Tanzen.
„Ein Point wird immer außen seitlich gemacht, beim Touch wird neben dem anderen Fuß angetippt“, erklärt Marion Kriegseis, als der erste Tanz sitzt, und die Schritte für den zweiten einstudiert werden.
Bis man einen gewissen „Grundstock“ an Tänzen beherrsche, vergehe tatsächlich ein Jahr, sagt Angela Ferstl. Fünf Jahre brauche es, bis man zwei Drittel der Tänze an einem Line Dance-Abend bestreiten könne. Sie sei einmal auf einem Line Dance-Fest gewesen, auf dem ganze 80 Tänze gespielt worden seien. Auch der Anfängerkurs dauert jeden Freitag ein kleines bisschen länger, weil die beim letzten Mal erlernten Tänze wiederholt werden.
Obwohl die Teilnehmer jetzt schon einige Tänze beherrschen, können Neulinge bei Interesse noch mit einsteigen. Besondere Kleidung wird nicht benötigt; die Bandits tragen natürlich ihr Logo auf dem Vereins-Shirt oder -Hemd und gern „Country-Klamotten“, Jeans oder Jeansröcke. Und wer öfter trainiert, wird sich vielleicht doch irgendwann Cowboystiefel zulegen. „Darin hat man einen festen Halt, und die Ledersohle ist bei den Drehungen von Vorteil“, erklärt Angela Ferstl. „Eine schöne Gemeinschaft“, sagt sie, das sind nicht nur die Line Dancer in Rötz. Mit Gruppen beispielsweise in Amberg, Weiden, Irchenrieth oder Wetzelsberg treffe man sich regelmäßig.
„Bei einem schönem Country-Fest sind wir vor Ort.“ Andere Gruppen hätten andere Tänze in ihrem Repertoire, deshalb gebe es online ein Line Dance-Forum, auf dem die verschiedenen Veranstaltungen und Tänze eingestellt werden.
Line Dance Nachmittag am Heimatfest
Ein besonderes Highlight ist die Teilnahme am Rötzer Heimatfest, bei der die Gruppe seit ein paar Jahren einen Line Dance Nachmittag gestaltet, zu dem auswärtige befreundete Gruppen zum gemeinsamen Tanzen anreisen. Auch, als in Arlberg und in Kempten mit vielen anderen Gruppen ein Weltrekord mit möglichst vielen Teilnehmern bei einer Stunde Line Dance aufgestellt wurde, waren die Bandits aus Rötz dabei.
„Du kannst Gas geben, dich auspowern“, antwortet Marion Kriegseis auf die Frage, warum sie Line Dance so liebt. „Mein Herz schlägt für die schnellen Stücke.“ Beim Tanzen müsse man sich auf die Schritte konzentrieren, so dass Ärger oder Stress, den man vielleicht an diesem Tag hatte, sofort verflogen sind. Ganz wichtig ist auch das Gemeinschaftsgefühl beim Line Dance: Getanzt wird „aus Spaß an der Freude“, sagt Angela Ferstl. „Wir gehen gern fort, tanzen gern gemeinsam, und danach setzen wir uns z‘am auf an Ratsch und a Pils – des gehört dazu.“
Noch Einsteigen beim Anfänger Kurs
Anfängerkurs: Beim aktuellen Anfängerkurs der Bandits Line Dancer Rötz, der Ende Februar begonnen hat, sind „Quereinsteiger“ willkommen.
Termin: Jeweils freitags ab 19.30 Uhr im FC Heim
Kontaktdaten: Marion Kriegseis, Tel. 0152/ 57662434, oder Angela Ferstl, Tel. 0171/7373880

