„Oldie but Goldie“-Kampagne: Der Bayerwaldhof in Liebenstein wirbt um 50plus-Mitarbeiter

Es sollte ein kleines Dankeschön an die älteren Mitarbeiter sein. Ein Signal, wie sehr sie im Hotel Bayerwaldhof wertgeschätzt werden. Am Ende wurde aus einem Zeitungsbericht über lebenserfahrene Hotelangestellte eine richtige Kampagne. Der Titel: „Oldie but Goldie“. Das Ziel: neue Mitarbeiter im Alter von 50 plus zu gewinnen.
Die Anzeige erschien Ende Januar im Stellenmarkt unserer Zeitung: „Herzlich willkommen bei den Bayerwaldhof-Goldies“ stand da unter einem Foto mit gut gelaunten, älteren Hotel-Mitarbeitern. Der erste Gedanke: In Zeiten von Fachkräftemangel wirbt das Hotel in Liebenstein offensiv um Arbeitnehmer mit Erfahrung – oder?
Sonja Schmelmer, Personalleiterin im Bayerwaldhof, weiß, dass es ein wenig anders war. „Wir wollten gar nicht in Richtung Recruiting gehen. Wir wollten einfach unseren älteren Mitarbeitern zeigen, dass wir sie sehen und dass sie nicht zum alten Eisen gehören.“ Daraus sei die Idee eines Zeitungsartikels entstanden.
Dieser habe dann so hohe Wellen geschlagen, dass die Goldie-Kampagne entwickelt worden sei.
„Personell befinden wir uns im Bayerwaldhof in einer stabilen Lage", erklärt Schmelmer. „Zwar sind wir gut aufgestellt, doch halten wir stets Ausschau nach engagierten und leidenschaftlichen Gastgebern, um unser Team zu bereichern." 214 Angestellte arbeiten im Hotel – vom Auszubildenden mit 16 Jahren bis zu Haustechniker Jan „Honza“ Sisek, mit 75 Jahren der älteste Hotelmitarbeiter.
71 Mitarbeiter sind 50 plus
Das Durchschnittsalter der Hotel-Mitarbeiter ist 38,5 Jahre. Noch interessanter ist diese Zahl: 71. So viele der 214 Angestellten sind 50 plus. Viele von ihnen arbeiten schon 20 Jahre im Bayerwaldhof, Jan Sisek sogar 35 Jahre.
Was die „Goldies“ besonders auszeichnet: „Die fachliche und menschliche Erfahrung. Die Ruhe, die sie an die Jüngeren weitergeben. Die Fähigkeit, Stress leichter zu bewältigen.“ Dass die älteren Mitarbeiter weniger belastungsfähig und leistungsstark oder häufiger krank seien als die jüngeren, kann die Personalleiterin nicht bestätigen. Dann eher das, was in der Stellenanzeige zu lesen war: „Unser Konzept der ‘Goldies‘ wertschätzt die Lebenserfahrung und Weisheit der Generation Gold. Ihr reichhaltiges Fachwissen und ihre Begeisterung sind für uns schlichtweg Gold wert.“
Mehrere Generationen unter einem Dach
Eine Sache ist Schmelmer – selbst übrigens 50 plus − wichtig: „Bei uns arbeiten mehrere Generationen unter einem Dach.“ Es sei beeindruckend, zu sehen, wie sich die verschiedenen Generationen in einer modernen Unternehmenskultur ergänzten. Sonja Schmelmer sagt auch: „In der Welt der Hotellerie ist Flexibilität das A und O.“ So passe sich zum einen das Personal den vielfältigen Bedürfnissen der Gäste an. Zum anderen biete der Bayerwaldhof seinen Mitarbeitern flexible Arbeitsmodelle – von Vollzeit bis zu individuell gestalteten, kurzen Wochenstunden, abhängig natürlich von der Tätigkeit des Arbeitnehmers. Die Jüngeren müsse man mit neuen Arbeitszeitmodellen „catchen“, sagt die Personalleiterin. „Die Zeit ist eine andere geworden.“ Flexible Arbeitszeiten nehmen aber auch die „Oldies“ gerne in Anspruch – oder haben sich gerade deshalb auf die „Goldie“-Stellenanzeige hin bei Sonja Schmelmer gemeldet. Gesucht wurde für die Abteilungen Service, Küche, Housekeeping und Haustechnik.
„In unserer Generation Gold-Kampagne würdigen wir nicht nur das Engagement unserer langjährigen Mitarbeiter, sondern auch den bedeutenden Beitrag der gesamten Generation Gold zum Wohlstand unseres Landes. Zugleich öffnen wir bewusst unsere Türen für erfahrene Talente", sagt Hoteldirektor Alfons Weiß.
Für unterschiedliche Fachrichtungen zugänglich
Etwa zehn Leute aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen hätten angerufen und Fragen gestellt wie: „Hab’ ich überhaupt eine Chance bei Ihnen? Als Gärtner, mit 63?“ Schmelmer führte Gespräche – „beim Reden kommen die Leute zusammen“ – und setzte weniger auf den perfekten Lebenslauf denn auf den persönlichen Eindruck, den die „Goldies“ auf sie machten. Das war auch ein wichtiger Bestandteil der Kampagne: Sie sollte zugänglich für alle sein. Man konnte einfach anrufen oder eine WhatsApp schreiben („Darin sind die meisten Älteren ja fit“) und einen Gesprächstermin vereinbaren. Das Alter des potenziellen Arbeitnehmers spielte dabei natürlich keine Rolle. „Wenn jemand mit 75 Jahren anruft, sag’ ich auch nicht nein.“ Aus der Kampagne entstand am Ende ein neues Arbeitsverhältnis und der Bayerwaldhof bekam Verstärkung für das hoteleigene Bauteam.

