Brücken für Radler: Eine teure Aufgabe für den Landkreis Cham und seine Gemeinden

Radfahren gehört seit vielen Jahren zu der Art von Freizeitsport, die sich auch im Landkreis Cham immer höherer Beliebtheit erfreut. Darum fließt auch viel Geld in die Infrastruktur – teuer wird es aber nicht nur, wenn neu gebaut wird, sondern auch, wenn saniert werden muss.
Vor gut zwei Jahrzehnten hatte der Landkreis Cham damit begonnen, das Radwegenetz massiv auszubauen – auch und besonders im Altlandkreis Kötzting. Von Bad Kötzting bis Cham, von Blaibach bis Viechtach, oder von Miltach Richtung Straubing gibt es seitdem Verbindungen, die durch die steigende Zahl an E-Bikes von einer weiter steigenden Zahl von Fahrradfahrern genutzt werden. Aber wie so oft: Nach einem Vierteljahrhundert stehen auch einmal Unterhaltsmaßnahmen an.
Seit Montag war zum Beispiel der Radweg zwischen Chamerau und Göttling komplett für Radfahrer gesperrt. Der Grund: Eine Holzbrücke musste erneuert werden. Eine Maßnahme, die „relativ überschaubar“ sei, wie Bürgermeister Stefan Baumgartner sagt – und auch die einzige Brückenbau-Arbeit, die er in seinem Gemeindegebiet habe. Rund 3600 Euro habe die Statik gekostet, für rund 8000 Euro werde ein verzinktes Geländer angebracht. Ausgeführt werde die Brücke nicht mehr in Holz, sondern mit einer Betonplatte, wodurch nun im Notfall auch schwerere Fahrzeuge als Fahrräder darauf fahren könnten. Die Kostenteilung sei relativ einfach: Für das Material komme der Landkreis auf, für die Arbeitsaufwendungen die Gemeinde. Bis Ende der Woche sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.
Zehn Brücken in Miltach
Nur wenige Kilometer entfernt sind Brücken für Fahrradfahrer etwas, das Miltachs Bürgermeister Johann Aumeier schon länger beschäftigt und wohl auch noch länger beschäftigen wird, wie er sagt. Die Gemeinde liegt nicht nur verkehrstechnisch günstig auf den Achsen Lamer Winkel-Cham sowie nach Straubing, sondern hat auch noch gut zehn Brücken für die Radler im Unterhalt.
Die größte und gleichzeitig das Sorgenkind ist die Brücke, die Kötztinger Straße und Rieslstraße über den Regen miteinander verbindet, ebenfalls eine Holzkonstruktion, die sichtlich in die Jahre gekommen ist. Es hätten sich schon Radfahrer bei ihm gemeldet, die gemeint hätten, „da fällt dir das Gebiss raus beim Drüberfahren“, sagt Aumeier.
Der Zustand der Brücke koste die Gemeinde dabei trotzdem jedes Jahr einiges: Alleine im vergangenen Jahr habe der Austausch mehrerer morscher Balken – von denen jeder 4,70 Meter lang sei – rund 8500 Euro gekostet. Das ist fast so viel, wie die (wenn auch kleinere) Brücke in Chamerau neu gekostet hat.
Dass sich in den kommenden Monaten auch in Miltach etwas tun muss, ist dem Bürgermeister bewusst. Mit Blick auf die wesentlich höheren Kosten, die zu erwarten seien, müsse aber zuerst mit dem Landkreis abgeklärt werden, in welcher Höhe eine Beteiligung aussehen könnte.
Doch wieder Holz-Brücke?
Denn wenn die Fahrradbrücke schon in Angriff genommen werden soll, dann solle sie im besten Fall auch einen Mehrwert für die Gemeinde haben, sagt Aumeier. Natürlich wäre auch ein Zweckbau aus Metall vorstellbar, aber eigentlich wäre ihm eine Konstruktion wieder aus Holz lieber, die dann aber mit einem Dach versehen werden sollte, um die Balken besser vor Witterungs-Einflüssen schützen zu können. Der Bürgermeister könnte sich dann auch wieder richtige Brückenfeste vorstellen, wie es sie schon einmal gegeben hatte, mit Blick auf den Regen und das gesamte Tal. Bis dahin gelte es nun aber erst einmal, gemeinsam mit dem Landkreis die möglichen Varianten zu besprechen.
Ein Thema, das für seinen Amtskollegen Baumgartner erst einmal vom Tisch ist: Seine einzige Fahrradbrücke wird nun sicher länger als die kommenden 20 Jahre halten und so unzähligen Bikern gute Dienste leisten bei ihrer Fahrt von Chamerau nach Cham – oder anders herum.
Investitionen und Unterhalt
Anfänge: Viele Radwegbauten, so auch im Bereich des Altlandkreises Kötzting, sind Ende der 1990er-Jahre durch den Landkreis erstellt worden, teilt dessen Presseabteilung auf Nachfrage unserer Zeitung mit.
Unterhalt: Grundsätzlich ist der Unterhalt und der Bau von Radwegen eine Aufgabe der Gemeinden. Der Landkreis beteiligt sich aber am überörtlichen Radwegebau. Alleine im Haushaltsjahr 2024 stehen für eigene Radwegebaumaßnahmen des Landkreises und für die Förderung der Maßnahmen der Gemeinden insgesamt 1,5 Millionen Euro zur Verfügung.
Beteiligung: Durch den sogenannten Radwegefonds beteiligt sich der Landkreis an den nicht durch Zuschüssen gedeckten Kosten der Gemeinde. Bei Maßnahmen zum Radwegebau kann in der Regel mit einer Förderung durch den Freistaat oder den Bund von 70 beziehungsweise 75 Prozent gerechnet werden. Von den dann 30 Prozent Eigenanteil der Gemeinde zahlt wiederum der Landkreis bei überörtlichen Radwegen 40 Prozent.
Projekte 2023: Der Landkreis Cham hat sich etwa in Eschlkam beim Geh- und Radweg entlang der Kreisstraße CHA 41 zwischen den Ortsteilen Stachesried und Seugenhof beteiligt, auch beim Geh- und Radweg Walderbach-Neubäu am See (CHA 23) und am Radweg Runding und Niederrunding (CHA 10).
Ausblick: Weitere Maßnahmen sind in Planung, einige werden bereits in der Sitzung des Ausschusses für Bau und Verkehr am 23. April behandelt.
