In Thurau erwacht das Müller-Handwerk auf grandiose Art wieder zum Leben

Max Rohrmüller lächelt wenig während dieses Rundgangs. Wenn aber, blitzt uneingeschränkte, unbändige Begeisterung auf. Das sind die Momente, in dem ihm bewusst wird, was er und seine Familie da in den vergangenen sechseinhalb Jahren geschafft und geschaffen haben. Die Geschichte der Thurauer Mühle, sie ist dank ihm und der Seinen noch lange nicht zu Ende.
Ganz im Gegenteil: „Es ist ein Traum, wenn du reingehst.“ Rohrmüller scheint sich immer wieder aufs Neue selbst zwicken zu müssen. Es ist tatsächlich geschafft: Wirtsstube, Mahlhaus, die Müller-Wohnung, sie alle strahlen ein unbeschreibliches Ambiente aus, bis auf Restarbeiten ist ihre Sanierung geschafft.
2017 haben er und seine Frau Margit die Sanierung des Ensembles in Angriff genommen, es sollte ein Prozess werden. So reift mit Blick auf das sich abzeichnende wunderschöne Innere der Wunsch nach Ganzjahres- statt nur Sommernutzung. Als Café, Seminarraum, für Familien- und Betriebsfeiern. Wie jede Umplanung, jede neue Idee, hat sie weitreichende Folgen: Eine Heizung muss her, eine vollwertige Gastronomie-Ausstattung. Für die braucht es eine Entlüftungsanlage, die aber – Stichwort Denkmalschutz – von außen nicht sichtbar sein darf.
Neue Idee für den Stadl
Rohrmüllers neueste Vision: Der Stadl mit Lage Richtung Wiesengrund sei doch viel zu schade, um „nur“ alte Gerätschaften zu präsentieren. Warum also nicht einen Raum für feine Veranstaltungen, für Konzerte, Kleinkunst, daraus machen? Ausgelöst hat dies eine Hochzeitsfeier im Vorjahr. Das Brautpaar hatte ein Zelt aufstellen lassen und nur die sanitären Anlagen – nahezu komplett in Eigenregie entstanden – genutzt. Das Zelt, das bräuchte es ja dann nicht, wenn man viel gemütlicher im Stadl sitzen könnte...
Detailversessen bis zur Perfektion
So tickt Max Rohrmüller eben. Immer am Überlegen, immer am Austarieren. Zudem detailversessen im positiven Sinne: Aktuell spachtelt er auf Knien die Spalten zwischen Sockelleisten und Wänden aus. „Die sind halt krumm.“ Im Mahlhaus hat die Familie sämtliche Innenseiten drei Mal mit Kalkfarbe gestrichen.
„Wenn nicht wir, wer dann?“
Dass, mit welchem Konzept auch immer, in Anbetracht der Investition von über drei Millionen Euro kein Gewinn zu erzielen sei, ist ihm klar. Darum geht es aber nicht. „Wir wollen die Mühle erhalten, mit Leben erfüllen.“ Denn: „Wenn wir es nicht anpacken, tut es keiner mehr.“ Die nächste Generation habe keine Chance, die seiner Eltern habe keine gehabt. „Undenkbar vor 30, 40 Jahren“
Immer an der Seite: Das Architekturbüro Wild & Wilnhammer
Architekt Michael Baltes spricht von einem „guten Förderteppich“. Vor allem die Zuwendungen aus dem Bayerischen Entschädigungsfond bildeten einen wichtigen finanziellen Baustein. Dass dieser in Thurau eingestiegen ist, verdeutlicht die Wertigkeit. Gefördert würden nur herausragende Objekte. Konkret , so Baltes, „ein bedeutendes Bau-, Technik- und Kulturdenkmal“.
Spagat zwischen Bildung und Kultur
Das Leben soll auf vielfältige Art Einzug halten. Hochzeiten im eigenen Trauzimmer, Anbindung zum Stationenlehrpfad Richtung Schwarzach (für den der Naturpark einen eigenen Raum bekommt). Ein Museumsbereich für alte Gerätschaften und doch multimedial. In einer Stube wird das Leben der Müller in Erinnerung gerufen, und natürlich ist da das Herzstück: die Mühle.
Offen für alles
„Wir fangen klein an und sind für alles offen“, betont Sohn Fabian, der aktuell eigens für das Familienprojekt den Wirte- brief macht. Bestärkt durch erste Probeläufe im Familien- und Freundeskreis. „Alle waren hin und weg und angetan.“
Aus drei Jahren wird eine Lebensaufgabe
Ein wenig naiv seien sie die Sache angegangen, gibt Max Rohrmüller im Rückblick zu. Auf drei Jahre, habe er in der Anfangszeit gedacht, wäre alles erledigt. Entsprechend habe er „angeschoben, wie irr“, um bald festzustellen, dass es sehr viel mehr langen Atem und Geld brauchen wird. „Das ist ein Lebenswerk“, bringt es der Landwirt auf den Punkt. Zumal nach der Scheune – Rohrmüller rechnet mit Baubeginn 2025 – steht irgendwann noch der Stall an, das provisorische Dach auf dem Sanitärtrakt muss gerichtet werden.
Viele Unwägbarkeiten und Bürokratie
Dass die Bauarbeiten nun ins siebte Jahr gehen, liegt an Unwägbarkeiten, die ein derartiges Projekt zwangsläufig mit sich bringt. So war die ursprünglich angedachte Sanierung des Triebwerkkanals nicht möglich, dessen Neubau das erste, was Zeit- und Finanzplan durcheinander wirbelte. Mehr Körner kosteten andere Mühlen, die langsam mahlen. Jüngste Ernüchterung: Das Grundstück, das für den Parkplatz vorgesehen ist, war in Max‘ alleinigem Eigentum. Weil aber die Sanierung ein Ehe-Projekt ist, musste Margit mit ins Grundbuch. Also wieder zum Notar, wieder Kosten...
Lesen Sie hier: Zwischenstand
Die vielen Jahre, sie haben vor allem bei Max Rohrmüller Spuren hinterlassen. Momentan findet er sich eher wieder in einem Tief. „Aber das wird wieder“, lächelt er – das einzige Mal ein wenig gezwungen. Mit Sonne und Wärme kommen schließlich Gäste und Neugierige. „Wenn man deren staunende Augen und Begeisterung sieht, ist vieles vergessen.“ Und es wird viele Gründe zum Lächeln geben.
BLICK IN DIE GESCHICHTE
Anfänge: Erstmals wurde die Mühle um 1250 erwähnt, als Herzöge dem Kloster Schönthal das Lehensrecht an der Mühle vermachten.
Besitzerwechsel: Nach Aufhebung des Klosters 1802 gab es 1805 eine Versteigerung, ehe Anton Weiß die Mühle 1820 kaufte. Seine Initialen sind auf Dachbalken (Jahreszahl 1837) zu finden. Er erweiterte die Gebäude.
Dokument: Ein Steuerprotokoll 1838 spricht von einem „halben Hof mit Mahlmühl- und Schneidsägerecht, Keller, Kuchl, Stall, Schupfe, Backofen, Schneidsäge, Mühle, Hofraum mit Gärtl sowie Feldern und Wiesen.“
Gebäude: Das Mühlengebäude selbst wurde um 1700 errichtet. Die Technik stammt in Teilen vom Ende des 19. Jahrhunderts, die jüngere aus den frühen 1950er Jahren.
Moderne: Das Sägewerk wurde 1962 stillgelegt, um 1970 folgte das Aus der Mühle. Im Eigentum der Rohrmüllers ist sie seit den 1990ern.







