Erste Schritte zum Windpark: Zwischen Dieterskirchen und Oberviechtach soll Ökostrom entstehen

Vielerorts werden derzeit neue Windparks geplant. Auch zwischen Dieterskirchen und Oberviechtach soll ein neuer entstehen. Bis zu acht Anlagen könnten in dem Waldstück östlich von Niesaß neu gebaut werden.
Wenn die Pläne in ihrer jetzigen Form umgesetzt werden, wird der neue Park im Westen von der Verbindungsstraße von Oberviechtach nach Dieterskirchen und im Osten von der B22 von Oberviechtach nach Winklarn begrenzt.
Dabei würden sechs Anlagen auf dem Gemeindegebiet Dieterskirchens und bis zu zwei auf dem Oberviechtachs liegen. Der Oberviechtacher Ortsteil Niesaß und der Winklarner Ortsteil Untereppenried würden mit knapp tausend Metern am nächsten zu den Anlagen liegen.
In Oberviechtach informierten die Geschäftsführer der verantwortlichen Wind18 GmbH aus Schwandorf jüngst über die Pläne und zeigten erste Visualisierungen des Projekts. Auch Oberviechtachs Bürgermeister Rudolf Teplitzky (Freie Wähler) und die Dieterskirchner Gemeindechefin Anita Forster (CSU) waren vor Ort.
Geschäftsführer hatte Kritik bereits erwartet
Forster sprach von einer „sehr gewinnbringenden Veranstaltung“, bei der „unterschiedliche Interessensgruppen anwesend waren“ und „einige Einwände ausgeräumt werden konnten“. Auch Wind18-Geschäftsführer Richard Winderl beschrieb die Atmosphäre vor Ort als „in großen Teilen, sachlich und differenziert“. Dass es Kritik geben würde, habe er im Vorfeld erwartet.
Noch vor vier bis fünf Jahren wäre es eine reine Oppositionsveranstaltung gewesen. Die Kritik sei in Ordnung, die differenzierten oder positiven Meldungen seien jedoch neu. So merkte ein Teilnehmer sinngemäß an, dass das Thema Windkraft durch das neue Bundesgesetz sowieso unumgänglich werden würde.
Gesetzesänderungen sorgen für neuen Schwung
Das Windenergie-an-Land-Gesetz wurde im Juli 2022 verabschiedet und trat am 1. Februar 2023 in Kraft. Unter anderem besagt es, dass jedes Bundesland künftig einen bestimmten Prozentsatz seiner Gesamtfläche für Windenergie ausweisen muss.
Laut Winderl trug es in Kombination mit dem Wegfall der 10H-Abstandsregelung mit zum Umdenken bei der Windenergie bei. Viele Gemeinden machten sich jetzt an die Gestaltung, um das Ziel zu erreichen. In der breiten Bevölkerung hätten zudem auch die Stilllegung der Atomkraftwerke und der Beginn des russischen Angriffskrieges zum Umdenken beigetragen. „Irgendwo muss der Strom ja herkommen“, zitiert er einen Teilnehmer der Infoveranstaltung.
Die Gemeinde Dieterskirchen folgte gleich dem ersten Aufruf des Regionalen Planungsverbandes Oberpfalz-Nord und meldete das Waldstück als potenzielle Windkraftfläche. Der Standort sei durch seine Hanglage relativ uneinsehbar und mit den Mindestabständen vertretbar, so Forster. Die Entscheidung im Gemeinderat sei daher 2022 einstimmig getroffen worden.
Für den Windpark habe laut Winderl jetzt die naturschutzfachliche Untersuchung begonnen. Dabei würden sowohl der Vogelbestand als auch die Tierwelt am Boden beobachtet und kartiert. Die Untersuchungen laufen noch bis Anfang September, parallel werden weitere Gutachten angefertigt. Winderl hoffe, bis März 2025 den Antrag beim Landratsamt Schwandorf einreichen zu können.
2028 könnten die ersten Räder den Betrieb aufnehmen
Wenn mit den weiteren Schritten alles nach Zeitplan verläuft, sollen die ersten Windräder in vier Jahren ihren Betrieb aufnehmen. Zur künftigen Leistung sollen im Sommer Windmessungen stattfinden, grundsätzlich werde aber mit einer Leistung von sieben Megawatt pro Windrad in der Stunde gerechnet.
Dabei sind die Anlagen nicht nur vom Wind abhängig, sondern müssen bei Bedarf auch für den Naturschutz abgeschaltet werden. Dabei gelte es, das Gutachten abzuwarten, so Winderl. Wenn am Ende wirklich alle Anlagen in Betrieb gehen und 2000 Stunden jährlich unter Volllast laufen können, könne der Park eine Gesamtleistung von 100 bis 110 Tausend Megawatt pro Jahr erzielen. Für eine vergleichbare Leistung benötige es alternativ eine Fläche von 100 Hektar an PV-Anlagen, wobei diese aufbaubedingt in stärkerer Konkurrenz mit der Landwirtschaft stünden.
Die langfristige Akzeptanz ist entscheidend
Welche Themen für das Projekt von der größten Bedeutung seien, ändere sich mit der Zeit. Von Anfang bis Ende sei aber die Akzeptanz der Bevölkerung vor Ort von Bedeutung. Das gelte auch für den kompletten Zeitraum des Betriebs. Darunter falle auch der Kontakt zu den Flächeneigentümern, mit denen Verträge über die Nutzung geschlossen werden müssten.
Für einen möglichen Windpark in Neunburg gab es jetzt eine neue Herausforderung: Vermutlich durch den Einbruch eines alten Bergbauschachts entstand ein Loch mit einem Durchmesser von drei Metern. Ob es sich auf die Pläne auswirkt, wird sich im Laufe des Jahres zeigen. Alte Schächte gibt es bei Dieterskirchen zwar keine, dennoch werde laut Winderl auch hier der Boden auf seine Tragfähigkeit untersucht. Der Naturschutz sei auch für die künftige Zahl der, bis zu 260 Meter hohen, Anlagen jedoch das größte Risiko, wobei dabei meist nur kleine Reduktionen entstehen würden.