Für jeden Dreck zu haben: Wie konsequent ist die Region bei der Mülltrennung?

Nachhaltigkeit wird in der Region mehr und mehr gelebt. Das spiegelt sich in den Abfall-Zahlen wider und macht sich auch im Geldbeutel der Verbraucher bemerkbar. Doch gerade bei Lebensmitteln könnte wohl noch einiges mehr getan werden.
Wohin mit Omas Porzellan, dem Einbauschrank oder dem Lego-Sammelsurium? In der Marktgemeinde Nittendorf (Lkr. Regensburg) soll es nicht in Mülltonne oder Sperrmüll landen. Von April bis September wird jeweils am letzten Samstag des Monats in einem anderen Ortsteil der Verschenke-Samstag ausgerufen. Wer was abzugeben hat, stellt eine Kiste vors Haus. „Wir haben die Idee aus der Zeitung, als die Stadt Wörth es im vergangenen Jahr ausprobiert hat“, sagt Bettina Arnold, die Kulturbeauftragte des Marktrates. In Passau ruft wiederum das Pfarrzentrum St. Michael Grubweg am 10. März zum Verschenkemarkt auf. In Neuburg-Schrobenhausen und Landshut sorgen Repair-Cafés dafür, dass nicht mehr jedes defekte Geräte gleich entsorgt werden muss. Nachhaltigkeit wird in Ostbayern mehr und mehr gelebt. Das spiegelt sich in den Abfall-Zahlen wieder. Die Müllmengen schrumpfen laut dem Bayerischen Landesamt für Umwelt. Das macht sich im Geldbeutel der Verbraucher bemerkbar.
Es wird mehr getrennt
Am 7. März ist Tag der Mülltrennung: Nach den jüngsten verfügbaren Zahlen wurden 2022 in Bayern durchschnittlich 154,9 Kilogramm Restmüll, 165,8 Kilogramm Wertstoffe und 141,5 Kilogramm Bioabfall und Grüngut pro Einwohner produziert. Mit 161,3 Kilogramm Restmüll lag Niederbayern etwas über dem Durchschnitt, obwohl dort sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingespart werden konnten. In der Oberpfalz wurden 150,8 Kilogramm produziert, ein Minus von 2,5 Prozent. Zum Vergleich: In Großstädten wie München oder Nürnberg fallen durchschnittlich 203,2 Kilogramm Restmüll pro Einwohner im Jahr an.
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Dass sich im Bereich der Abfallwirtschaft in den vergangenen 30 Jahren viel getan hat, zeigt ein Vergleich mit den Zahlen aus dem Jahr 1990. Damals wurden in Bayern im Mittelwert noch 444,5 Kilogramm Restmüll produziert. Glas- und Papiercontainer gab es zwar schon, aber leere Konservendosen, Wurstverpackungen oder Tetra-Packs landeten im Restmüll. Das änderte sich, als Anfang der 1990er Jahre die ersten gelben Säcke verteilt wurden. Heute ist Mülltrennung gesetzlich verankerte Pflicht. Wer seinen Müll nicht sortiert, riskiert nicht nur, dass die Mülltonne nicht geleert wird, sondern muss im Wiederholungsfall auch mit empfindlichen Geldstrafen rechnen.
Einen großen Anteil am Kuchen der Müllproduktion hat die Lebensmittelverschwendung. Knapp 70 Kilo an Essbarem landet in Bayern pro Kopf im Jahr in der (Bio-)tonne. In seiner Backstube der Meisterei Handwerksgenuss hat Richard Pehl, Geschäftsführer des Ingolstädter Unternehmens, dieser Ressourcenvergeudung den Kampf angesagt. Seit knapp einem Jahr bietet der Betrieb über die Too Good To Go-App übriggebliebene Backwaren zu einem günstigen Preis an. Für eine zwei Kilo schwere Überraschungstüte zahlt der Kunde vier Euro. Im Schnitt werden so an jedem Verkaufstag etwa 20 Kilo Backwaren gerettet, sagt Pehl. Zudem würden gemeinnützige Organisationen wie die Tafeln unterstützt. „Unsere Kunden sind sehr begeistert. Die Tüten sind jedes Mal sehr schnell ausverkauft.“
Auch das Studentenwerk Niederbayern-Oberpfalz bietet diese Form der Lebensmittelrettung seit knapp zwei Jahren in den Cafeterien in Regensburg, Landshut und Passau an. „In der Regel werden tagesfrische Backwaren, Kuchen, Milchprodukte, Schokoriegel in die Überraschungstüten verteilt. Die Überraschungstüten werden für 3,50 Euro in der App angeboten und enthalten einen Warenwert von ca. 10,50 Euro“, schreibt Nicolas Müller, Stabsstellenleiter Öffentlichkeitsarbeit/Presse. 1652 Tüten seien so inzwischen verteilt worden. Bereits vor Einführung der App habe sich das Studentenwerk aber gegen Lebensmittelverschwendung engagiert. Seit dem Wintersemester 2018 sei mittels einer Happy Half Hour dafür gesorgt worden, das belegte Semmeln und in Gläsern abgefüllte Produkte nach Verkaufsschluss nicht mehr in der Tonne landeten. Die Too Good to Go-App sei bei den Studenten inzwischen etabliert und beliebt, sagt Müller. Mehr als 4,4 Tonnen Co2 hätten auf diese Weise bereits eingespart werden können.
In Regensburg appellieren Stadt und Landkreis mit einer Rezeptebörse für nachhaltiges Kochen. Auf der Homepage der Stadt können Ideen für Resteessen hochgeladen werden, der Landkreis hat zudem eine Broschüre „Gib dir den Rest“ online, die interessante Anregungen von der Schwarzbrot-Pizza bis zum Tassenkuchen „Speedy“ liefert.
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Wer sorgsam seinen Bedarf kalkuliert und Müll konsequent trennt, spart letztlich Geld, weil die Mülltonnen nicht mehr so groß sein müssen. 2007 zahlte ein Durchschnittshaushalt mit einer 60 bis 80 Liter Tonne und 14-tägiger Abholung in Bayern 165,40 Euro im Jahr. Heute liegen viele Kommunen unter diesem Wert. So kostet die Müllentsorgung für Bürger im Landkreis Neumarkt für eine 60-Liter-Tonne 82 Euro plus 48 Euro für die Biotonne. Im Zweckverband Donau-Wald, der das Gebiet von Regen bis Passau abdeckt, sind es 98,84 Euro und die Biotonne ist inklusive. Deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen die Bürger im Landkreis Kelheim. Dort werden für die 80-Liter-Tonne 177,96 Euro aufgerufen und in Ingolstadt für 60 Liter 164,52 Euro. Und auch die Bürger im Landkreis Regensburg mussten Anfang des Jahres einen Preisanstieg von 33 Prozent verdauen. Dort kletterte der Preis für die 60-Liter-Tonne auf 124,80 Euro – allerdings hatte es seit 25 Jahren keine Preisanpassung mehr gegeben, sagt das Landratsamt.
„Da wäre mehr möglich“
Aber geht da noch mehr in Sachen Mülltrennung? Ja, heißt es bei Transition. Der Verein betreibt die TeilBar in Regensburg, ein Laden, in dem Ware verschenkt wird und außerdem zwei Verschenke-Schränke. Das Publikum ist bunt gemischt, viele Menschen kommen, weil sie Kleidung oder eine warme Winterjacke brauchen, sich mit Geschirr und Gläsern oder Büchern eindecken. „Regensburg als Studentenstadt hat entsprechenden Bedarf“, sagt Verena Götz, die sich bei Transition engagiert. Andere Kunden kommen aus Nachhaltigkeitsgründen oder einfach nur, weil sie gerade am Laden vorbeispazieren.
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Etwa 60 Kunden wöchentlich werden Mittwoch- und Samstagnachmittag betreut. Sie bringen Ware oder suchen sich etwas aus. „Das Konzept wird gut angenommen. Es hat sich rumgesprochen“, sagt Götz. Wenngleich auch die Transition-Aktivistin findet: „Da wäre noch mehr möglich.“ Das Projekt Verschenke-Samstage findet sie eine interessante Idee. „Vielleicht motiviert das auch andere Kommunen.“ Laut Bettina Arnold sind die Rückmeldungen bei den Bürgern sehr positiv. „Nachhaltige Ideen stoßen auf Interesse. Es braucht nur gute Konzepte.“
Hier wird der Müll getrennt:
Aufgabe: In Bayern liegt die Entsorgungspflicht bei den 96 Landkreisen und kreisfreien Städten. Die Aufgabe kann ganz oder teilweise an kreisangehörige Kommunen und Zweckverbände übertragen werden. In Bayern gibt es sechs Zweckverbände. Davon drei in Niederbayern: Der ZAW Donau-Wald betreut Stadt und Landkreis Passau sowie die Landkreise Deggendorf, Regen und Freyung-Grafenau. Straubing und der Landkreis Straubing-Bogen sind im ZAW-SR Straubing zusammengeschlossen und die Landkreise Dingolfing-Landau und Rottal-Inn im ZAW Isar-Inn.
Bring- und Holsystem: 2022 gab es in Bayern 1530 Wertstoffhöfe, sieben weniger als im Jahr zuvor. Der Landkreis Kulmbach ist der einzige Landkreis ohne diese Einrichtung. In vielen Kommunen gibt es auch frei zugängliche Container etwa für Glas oder Bioabfälle. Bei den Holsystemen sind mittlerweile 81 Prozent der Bürger in Bayern im Besitz einer Biotonne, 90 Prozent haben eine Papiertonne. 40 Prozent der Haushalte sammeln gemischte Verpackungen im „gelben Sack“.
Verwertung: Bei Problemabfällen gab es zuletzt einen Rückgang um fast ein Viertel. 470 Gramm erzeugte jeder Einwohner 2022. Ostbayern verfügt über fünf Deponien für belastete Abfälle Klasse 1 und 2: Hellersberg (Passau), Außernzell (Deggendorf), Asbach (Rottal-Inn), Mathiasgrube (Schwandorf) und Steinmühle (Tirschenreuth). Restmüll aus der Oberpfalz wird im Kraftwerk Schwandorf verbrannt. Müll aus Niederbayern kommt nach München, Ingolstadt, Schwandorf und Burgkirchen. Gefährlicher Müll wird in der Sonderabfall-Entsorgung Baar-Ebenhausen vernichtet.