Gymnasium Rohr: Abt Markus Eller erläutert Situation des Benediktinerordens – SPD stellt Standortfrage

Seit Wochen wird die schwierige Situation um das Gymnasium Rohr immer deutlicher. Der Benediktiner-Orden sieht sich nicht mehr in der Lage, die Schule zu betreiben. Anfang der Woche hat sich die Schulfamilie gegenüber unserer Zeitung zu Wort gemeldet – mit einer deutlichen Forderung nach einer Übernahme der Schule durch den Landkreis. Und vergangene Woche hat sich eine Initiative aus Neustadt zu Wort gemeldet, die Neustadt als Standort für ein Landkreisgymnasium in Spiel bringt. Am Freitag nächster Woche wird sich der Kreistag mit der Thematik beschäftigen.
Am Sonntag ruft der Markt Rohr zu einer Aktion „Hand in Hand fürs JNG“ auf. Beginn: 14 Uhr im Prager Hof (Zugang über das Tor des Gymnasiums).
Sofortiges Handeln nötig
Jetzt hat sich erstmals öffentlich auch Abt Markus Eller OSB als derzeitiger Abtpräses der Bayerischen Benediktinerkongregation aus der Abtei Scheyern zur Situation geäußert und das mitgeteilt, was schon bekannt ist: In einem Pressegespräch erklärte er den unausweichlichen Rückzug der Abtei aus der Trägerschaft.
Die Benediktiner aus der Abtei Braunau in Rohr hatten 1947 das Johannes-Nepomuk-Gymnasium in Rohr gegründet. Von den rund 35 Mönchen unterrichteten gut die Hälfte davon an dem Gymnasium als Lehrer. Die dadurch generierten Einnahmen wurden in das Gymnasium investiert. So sei eigentlich seit 1947 ständig an der Schule gebaut worden. Nun aber sei die Abtei Rohr an einen Punkt angelangt, wo ein sofortiges Handeln für den Erhalt der Schule unter einer gesicherten Trägerschaft unerlässlich sei. Von den vier Mönchen der Abtei sind zwei bereits über 80 Jahre alt.
Als Verantwortlicher für die Trägerschaft, so Abt Markus, müsse er zudem acht Jahre in die Zukunft denken, um den Schulbetrieb zu gewährleisten.
Die Abtei Rohr, die wie alle Benediktinerabteien absolut selbstständig ist, könne diese Aufgabe der Trägerschaft finanziell und personell einfach nicht mehr leisten.
Deshalb habe er bereits 2010 in Gesprächen mit der Diözese Regensburg versucht, das Johannes-Nepomuk-Gymnasium unter das Dach der Schulstiftung des Bistums Regensburg zu bekommen. Laut Prior Frater Franz Neuhausen OSB, hat das Bistum Regensburg seit Jahrzehnten 13 Prozent des Defizits aus dem Schulbetrieb übernommen. Die zurückgehenden Steuereinnahmen wegen der Kirchenaustritte habe hier den Handlungsspielraum der Kirchen stark eingeengt.
Die Schulstiftung des Bistums hatte noch vor einigen Jahren unter anderem die Trägerschaft der damaligen Franziskanerinnen-Realschule St. Anna Riedenburg übernommen.
Mittlerweile fehle ihr aber für weitere Übernahmen das Geld, wie die Diözese schon vor drei Jahren unserer Zeitung mitteilte. Auch Übernahme-Gespräche mit der Katholischen Jugendfürsorge scheiterten. Dadurch bleibe nur die Lösung mit der Übernahme der Trägerschaft durch den Landkreis Kelheim als Staatliches Gymnasium.
Abt Markus Eller: „Als Träger ist das mein Wunsch, dass das hier in Rohr mit dem Gymnasium für die Kinder, die Eltern und auch für die Lehrer, die viel Herzblut in die Schule investiert haben, gut weitergeht! “
SPD wirbt für Neustadt
Die Weiterführung der Trägerschaft durch den Landkreis ist für die Kreis-SPD aber nur ein erster Schritt, wie sie nach ihrer jüngsten Kreisvorstandssitzung berichtet. Der zweite Schritt müsse die Klärung der Standortfrage sein. Thomas Reimer, ehemaliger Bürgermeister von Neustadt, verhehlte nicht, dass aus seiner Sicht vieles für einen neuen Standort in Neustadt sprechen würde, denn Infrastruktur, Bevölkerungszahlen, landkreisübergreifende Möglichkeiten der Zusammenarbeit und vieles mehr seien hier günstiger als in Rohr. Darüber hinaus ergäben sich bei einem Neubau in Neustadt erhebliche Einsparungen für den Landkreis, weil sich die Stadt Neustadt „mit erheblichen Leistungen“ engagieren würde, ergänzte Kreisrat Bernhard Rieger.
Einig sei man sich bei der SPD, dass es ein drittes Gymnasium im Landkreis brauche. Das derzeitige Gymnasium Rohr habe einen sehr hohen Investitions- und Sanierungsbedarf, der derzeit nicht vollständig geklärt ist. Daneben seien viele weitere Fragen offen, z.B. künftige Eigentumsverhältnisse, Anforderungen des Denkmalschutzes an eine Sanierung bzw. einen Neubau, die gesamte Förderkulisse, Standortfaktoren und vieles mehr. „Das lässt sich nicht innerhalb weniger Wochen klären“, so Kreisrat Thomas Reimer.