Schulfamilie kämpft für Gymnasium Rohr: Landkreis soll Träger werden

Das Gymnasium in Rohr muss erhalten bleiben – mit dem Landkreis Kelheim als neuen Träger: Diese Forderung erhebt die gesamte Schulfamilie der derzeit kirchlichen Einrichtung. Bald wird sich der Kreistag mit der Zukunft der Schule befassen. Eine kircheninterne Lösung scheint mittlerweile vom Tisch.
Schulter an Schulter saßen sie bei einem Termin am Rohrer Johannes-Nepomuk-Gymnasium (JNG) in der Runde: Schulleitung, Elternbeirat, Förderverein, Schülervertretung. Dass sich die kirchliche Trägerschaft durch den Benediktinerorden dem Ende zuneigt, verdeutlichte Schulleiterin Carola Reim. „Trotz Unterstützung von Landkreis und Bistum bleibt eine Finanzierungslücke. Der Konvent kann die Schule auf Dauer nicht mehr halten.“
Schon seit Jahren sucht der Orden auch aus personellen Gründen einen neuen Träger. Mit der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) der Diözese wurden Gespräche aufgenommen. Aus unterschiedlichen Quellen wird jetzt kolportiert, dass die Verhandlungen keine Lösung brachten (Anm. d. Redaktion: Die KJF äußerte sich auf Anfrage nicht). Der für Rohr zuständige Abt Markus Eller war am Montag nicht erreichbar.
„Wir sehen die einzige Möglichkeit darin, Rohr als drittes staatliches Gymnasium im Landkreis zu installieren“, sagte Petra Hachmann-Weber, die Vorsitzende des Elternbeirats. Den „unschätzbaren, tollen Standort“ aufzugeben, wäre gegen den Willen der ganzen Schulfamilie. Die „lange Tradition und die gute Ausstattung“, gerade im musischen Zweig, sprach Roswitha Priller, Vorsitzende des Fördervereins, an. „Wir sind eine einzigartige Gemeinschaft“, setzte Schülersprecher Andreas Loibl hinzu.
Offene Briefe an Kreisräte
Schülervertreter, Lehrer, Elternbeirat und Förderverein wandten sich mittlerweile mit offenen Briefen an die Mitglieder im Kreistag: Sie sollten die Trägerschaft seitens des Landkreises beschließen. Damit würde Rohr wie Kelheim und Mainburg ebenfalls eine staatliche Einrichtung. „Mit nur zwei Gymnasien ist es nicht zu schaffen, in zehn Jahren werden bis zu 3000 Gymnasiasten erwartet“, erklärte Andreas Fischer, Mitglied im Elternbeirat und selbst Kreisrat. Zumal die Anzahl der Schüler pro Schule mittlerweile auf 1100 begrenzt sei, ergänzte Reim.
Einem anderen Standort – etwa in Neustadt a. d. Donau, wie von einer Interessengemeinschaft gefordert – erteilte die Runde eine Absage. „Dazu fehlt allein die Zeit. Mehrere Jahrgänge müssten während der Bauphase anderswo untergebracht werden“, so die Schulleiterin. „Bei uns sind Struktur und Kultur am Laufen. Eine neue Schule beginnt bei Null“, sagte der stellvertretende Schülersprecher Thomas Bischof.
Landkreis müsste das gesamte Defizit stemmen
Am Montag, 18. März 2024, wird sich der Kreistag dem Rohrer Gymnasium „im Rahmen einer öffentlichen Sitzung widmen“, teilte das Landratsamt auf Anfrage mit. Die genaue Tagesordnung sei noch nicht bekannt. Seit 2021 übernimmt der Landkreis Teile des schulischen Defizits, gedeckelt auf 49 Prozent bzw. 350.000 Euro jährlich. Offizielle Zahlen zum aktuellen Gesamtdefizit gibt es derzeit nicht, frühere Angaben sprechen von 700.000 bis zu einer Million Euro.
Die Infrastruktur jedenfalls sei intakt, erklärte Oberstudiendirektorin Reim. Es gebe „keinen Sanierungsbedarf und keine Dringlichkeit bei Maßnahmen“. Kreisräte seien zu Ortsbegehungen eingeladen und hätten sich auch schon ein Bild von der Schule gemacht. „Wir setzen auf die Kraft der Argumente“, sagte Fischer.
Derzeit 450 Schüler – auch 750 möglich
Das JNG zählt rund 450 Schüler und 40 Lehrkräfte. „Die Schüler fühlen sich wohl und wollen hier bleiben“, betonte Hachmann-Weber. Reim verwies auf ein „funktionierendes, hoch motiviertes Kollegium“ und sah die Schule auch als „wirtschaftlichen Faktor für Rohr“. Die Schule hätte auch das Potenzial für 750 Schüler, erwähnte Fördervereins-Vorsitzende Priller.
Ginge es nach den Vorstellungen der Schulfamilie, wäre ein Einstieg des Landkreises zum Schuljahr 2025/26 wünschenswert. Praktisch würde die Übernahme dann mit den fünften Klassen beginnen. „Es geht nicht, dass das Gymnasium Rohr zumacht“, unterstrich Hachmann-Weber die gemeinsame Forderung. Aktionen wie Demos seien aber nicht geplant.

