Neuer Präsident Gunnar Rachner hat klare Vorstellungen und spürt Welle der Euphorie

Golf-Fans in der Region hatten am Freitag einen guten Abend. Ein Präsident für den Golfclub Furth im Wald ist gefunden, die Schulden hat man im Griff. Gunnar Rachner heißt der neue starke Mann, der eine klare Vorstellung davon hat, wie es weitergehen soll.
Es gibt Leute, denen wurden auf dem Platz die Golfutensilien gepfändet. Der Suchtdruck ist manchmal offensichtlich so hoch, dass man darüber alle Verpflichtungen des täglichen Lebens vergisst. Rachner lacht: „Das habe ich auch noch nicht gehört, aber es stimmt schon, wer einmal Blut geleckt hat, den lässt es nicht mehr los. Alle, die ich zum Golfsport gebracht habe bedauerten nachher, dass sie nicht früher angefangen haben.“
Junge Spieler gewinnen
Für den 72-Jährigen, der in Chamerau lebt, bedeutet eine Runde über den Platz Entspannung und Erholung. Der ehemalige leitende Angestellte in einem weltweit agierenden Dienstleistungsunternehmen mit knapp 58000 Mitarbeitern sagt aber auch: „Man knüpft viele gute und schöne Kontakte, die auch nicht mehr abreißen.“
Klar sind das dann häufig Geschäftsfreunde. Trotzdem möchte er Golf nicht als elitäre Sportart verstehen. Es eignet sich für jeden. „Stimmt schon, die Mitgliedsbeiträge sind höher als bei anderen Vereinen. Das liegt aber einfach daran, dass der Platz ständig gewartet und gepflegt werden muss.“ Und ja, man muss die Platzreife machen und ein paar Regeln kennen. „Das ist aber nicht so dramatisch, deswegen sollte man nicht abblocken.“ Genau deshalb ist ein Ansatzpunkt, den Rachner verfolgt: „Wir wollen in die Schulen gehen.“ Es sollen Schnupperkurse für Kids angeboten werden. „Was viele nicht wissen, Furth im Wald hat die besten jungen Spieler in ganz Bayern.“ Deswegen möchte er, dass sich viele trauen und mal vorbeikommen. Aus der fehlenden Sichtbarkeit ergibt sich ein weiteres Problem, das umgehend angegangen werden soll.
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„In der zurückliegenden Saison sind unsere drei Mannschaften aus ihren Ligen in die nächst höhere aufgestiegen.“ Was Rachner damit sagen will: Der Verein ist erfolgreich und keiner bekommt es mit, weil die Öffentlichkeitsarbeit auf null geschrumpft ist. Manchmal wussten demnach nicht einmal die Mitglieder ob am Voithenberg noch die Schläger geschwungen werden. Begonnen wurde bereits mit dem Thema Firmengolf. Da gab es schon mal ein Turnier. Es sollen mehr werden. Wenn sich acht Leute aus einem Unternehmen an so einem Turnier beteiligen, dann bleiben, so seine Hoffnung, neue Mitglieder am Verein hängen. Unter Umständen fungiert das Firmenteam als Multiplikator, wenn sich die Spieler in der Kaffeepause über die Jagd auf den kleinen weißen Ball unterhalten und andere neugierig machen. Es soll aber nicht nur die Mitgliederzahl erhöht werden, „wir brauchen auch Vereinsmitglieder, die für neue Spieler Ansprechpartner sind. Sonst fühlen die sich alleine gelassen und gehen wieder.“
Sieht man mal von dem Ex trembeispiel am Anfang ab, so ist Golf in Rachners Augen eine „gesunde Sucht.“ Das gilt übrigens auch für das Eheleben. Seit 50 Jahren ist er verheiratet und teilt die Golfleidenschaft mit seiner Frau. „Wir spielen zusammen, verbringen spielend den Urlaub zusammen, man kann einfach alles gemeinsam machen.“ Das stärkt die Beziehung. Und die ist wohl so stark, dass er auf seine Frau gehört hat. Als die Turbulenzen im Verein am größten waren und ein finanzielles Desaster drohte, hat sie ihn dazu aufgefordert einen Brief an die Vorstandschaft zu schreiben und die Dinge beim Namen zu nennen. „Dann hänge ich da mit drin“, orakelte er und hat Recht behalten. Neben der Bitte seiner Frau, die nicht auf ihre Golffreundinnen verzichten möchte, hat er es für viele Golfer in der Region getan. „Für mich wäre es einfach gewesen, nach Straubing zu fahren, für viele, die in Rimbach, Lam oder Neukirchen wohnen, ist das einfach zu weit.“
Also stellte er sich in die erste Reihe, aber nicht, ohne Bedingungen einzufordern. Die Finanzen mussten vorher in Ordnung gebracht werden (wir berichteten). „Jetzt bin ich froh, dass ich es gemacht habe, auch wenn ich seit Freitag ständig mit dem Thema beschäftigt bin.“ Aber es freut ihn sehr, dass so eine Euphorie durch den Verein geht. „Alle wollen anpacken und mitmachen.“ Das gilt auch für den Platzpflegetag, den er einführen will. Freiwillige sammeln Äste auf oder kümmern sich um den Bunker. Da scharren die Mitglieder mit den Hufen, wann der endlich ist.
Schon jetzt positive Signale
Die Entwicklung gefällt Rachner, so soll es weiter gehen. „Wir haben Damen-, Herren-, Senioren- und Jugendmannschaften aber wenig Kommunikation untereinander.“ Das müsse besser werden. Über viele weitere Neuerungen denkt er nach, wenn er auf einem der schönsten Plätze Bayerns steht, Arber und Osser im Blick hat: Die Internetseite muss modernisiert werden, es braucht einen Mitgliederbeirat, der Vorschläge macht, gleichzeitig Lösungen erarbeitet, sie dann dem Vorstand vorlegt und vieles mehr. „Auch bei der Landesgartenschau 2025 muss der Golfclub eine Rolle spielen.“ Weil er nicht immer persönlich verfügbar sein kann („schließlich will ich auch mal ein paar Bälle schlagen“) liegt im Sekretariat jetzt ein Buch, in das jeder schreiben kann, was ihm am Herzen liegt. Rachner verspricht einen Rückruf.
Das Präsidentenamt seiner Frau und seinen Freunden zuliebe anzunehmen ist ehrenhaft, gibt es noch andere Gründe? „Ich bin seit Januar frei von beruflichen Zwängen, fühle mich noch fit, es hilft einem jung zu bleiben.“ Er findet außerdem, dass er mit seiner beruflichen Erfahrung der richtige Mann für die Aufgabe ist. „Außerdem mache ich es gern, weil ich sehe, es ist etwas zu erreichen.“
