Neuorientierung bei Jahreshauptversammlung – es ging vor allem um 825.000 Euro

Von Alexander Frimberger · 3. März 2024 um 15:00

An sich ist es unüblich über die Finanzen eines Vereins zu sprechen. Doch im Fall des Golfclubs Furth im Wald, der am Freitag Abend zur Jahreshauptversammlung geladen hatte, geht es nicht anders. Immerhin steht eine Summe von 825000 Euro im Raum.

Viel war in den vergangenen Monaten über die Zukunft des Vereins spekuliert worden. Insolvenz und Neugründung des Vereins, Neuwahl eines neuen Präsidenten und vieles mehr machte die Runde. Fakt war immer: Die Further Golfer stecken in einer finanziellen Krise.

110 Mitglieder waren da

Das Interesse an der Zukunft ihres Clubs war riesengroß. Knapp 110 der derzeit 190 ordentlichen Mitglieder waren gekommen. Die rückläufigen Mitgliederzahlen sind, wie Schatzmeister Michael Kreitinger im Rahmen seines Berichts ausführte, eines der Probleme, die der Verein hat. 2012 waren es noch 863 Mitglieder , 2024 nur noch 502. Ein weniger dramatisches Bild ergibt sich bei den ordentlichen Mitgliedern: Die Zahl ist im selben Zeitraum von 210 auf 190 gesunken.

Zu Beginn des Abends ging der amtierende Präsident, Jim Gebhardt, der bereits im Vorfeld seinen Rückzug angekündigt hatte, auf das Jahr 2023 ein. So wurden zahlreiche Anstrengungen unternommen, um die Attraktivität des Platzes zu steigern und die Spielbarkeit zu vereinfachen. Leider sei es nicht gelungen, einen Betreiber für die Gastronomie zu finden. „Obwohl wir weder Pacht noch Betriebskosten verlangen“, bedauerte Gebhardt. „Allerdings war die Versorgung mit Getränken zu jeder Zeit gewährleistet.“ Dafür dankte er den Sekretärinnen des Clubs. Herausragend sei auch die Durchführung zahlreicher Events gewesen und die Tatsache, dass sich drei Mannschaften am Liga-Betrieb beteiligt haben und aufgestiegen sind. Angefasst wirkte der scheidende Präsident, als er auf Schreiben einging, die ihn erreicht hatten. Unter anderem waren zwei dabei, die keinen Absender trugen. Ohne näher darauf einzugehen, sagte er, die Art und Weise, wie er angegangen worden sei, sei die eine Sache. Aber inhaltlich alle Schuld an der Vereinsmisere ihm zuzuschreiben sei etwas anderes. Genauso die Forderung: „Macht insolvent und dann etwas Neues.“

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Auf diesen Punkt ging Bürgermeister Sandro Bauer bei seinen Grußworten ein. Demnach hat der Verein Bankverbindlichkeiten, für die die Stadt Furth im Wald bürgt. „Geht der Verein in die Insolvenz, müssen wir dafür bürgen. Sie können sich vorstellen, wie hoch unsere Motivation wäre, eine Neugründung zu befürworten.“ Hintergrund: Die Stiftung Voith von Voithenberg, deren Vorsitzender Bauer ist sowie Furth im Wald sind die Hauptverpächter der Golfplatzgrundstücke.

Aber, sagte Kreitinger, „ein Ende des Vereins war zu keiner Zeit eine Alternative für uns.“ Nach der Krisensitzung im Dezember 2023 habe man intensiv an einer neuen Vorstandschaft gearbeitet, die zu 80 Prozent aus der alten besteht. „Wir wollten das Heft von Anfang an selbst in die Hand nehmen.“ So scheidet neben Gebhardt nur Sportvorstand Alois Vogl aus. Ihm folgt August Graf nach. Zum neuen Vorsitzenden wurde später Gunnar Rachner aus Chamerau gewählt. Der 72-Jährige ist seit 33 Jahren Mitglied im Golfclub, hat bis zu seiner Pensionierung 42 Jahre für ein großes Düsseldorfer Unternehmen gearbeitet. Auch er hat einen kritischen Brief zur Lage des Clubs geschrieben: „Mit Name und Absender“, wie er betont. Er wusste, dass er damit mitten drin stecken würde und erhielt wenig später prompt einen Anruf von Kreitinger, ob man sich zu Gesprächen treffen könne. „Ich habe es gemacht, weil ich dem Golfclub helfen will, weil ich viele schöne Stunden hier erlebt habe, und weil ich etwas zurückgeben will.“

Das „Ja“ stand auf der Kippe

Trotzdem stand sein endgültiges „Ja“ bis Freitag Vormittag auf Messers Schneide: Gebhardt hatte mündlich zugesagt, 825000 Euro, die er in den Verein gesteckt hat, nicht zurück zu fordern. „Ich wollte es aber schriftlich.“ Um 11 Uhr kam die Unterschrift. Die Kunde von der großzügigen Spende wurde mehrfach von lautstarkem Beifall begleitet. Auch eine zweite, von Rachner geforderte Unterschrift kam erst am Freitag Vormittag. Das Greenkeeping-Unternehmen, also die Firma, die den Platz wartet, sicherte zu, die jährlichen Kosten um 100000 Euro zu reduzieren. Weitere Einsparung. Der bisherige Golflehrer, der auch Manager des Clubs war, verlässt den Verein. Der neue Golflehrer Hugo Del Cerro arbeitet auf eigene Rechnung, kostet den Verein also nichts. Einsparung: 85000 Euro. Und schließlich stundet die Stiftung Voithenberg die Pacht 2024 (35000 Euro) um ein Jahr. In seiner Antrittsrede betonte der neue Präsident unter anderem, den Internetauftritt zu modernisieren, einen Spielausschuss zu gründen und die Öffentlichkeitsarbeit zu verbessern.

Schließlich kündigte Wahlleiter Herbert Wendl, der einige Erfahrung im Bereich Fördervereine hat, an, einen solchen für den Golfclub gründen zu wollen. Da könne jeder freiwillig und nach seinen Möglichkeiten etwas beitragen. In diesem Zusammenhang erwähnte er eine mittelfristig zu bauende Sprenkleranlage. In Bezug auf den neuen Vorsitzenden sagte er: „Ich darf uns beglückwünschen, dass Gunnar sich zur Verfügung gestellt hat.“

Zahlreiche Ehrungen für treue Mitglieder des Golfclubs

Zahlreiche Ehrungen wurden im Rahmen der Jahreshauptversammlung vorgenommen:

20 Jahre Mitgliedschaft: Barbara Holzfurthner, Frank Nafzger, Ernst und Karin Reuschl, Florian Straß, Andreas Wilde.

25 Jahre: Fabian, Franz , Marco und Dr. Renate Aukofer, Jutta Bachl, Werner Bachl, Marion Bernholz, Elvira Buchner- Laubmeier, Ludwig Fleischmann, Klaus Frahm, Dr. Tobias Graf, Thomas Gruber, Rainer Hamm, Max Hauser, Thomas Heigl, Stefan Hofner, Josef Iglhaut, Karl Laubmeier, Johann und Simon Löffelmann, Niki und Sophie Perlinger, Emil Pichlmeier, Gerd Schmaderer, Reinhard und Renate Vogl, Konstanze Walter, Dr. Marcus Walter, Walter Wanninger, Alexander Winterling, Xaver Wollinger.

30 Jahre: Fritz Berg, Ulrich Fleischmann, Norbert Götz, Thomas Hofner, Hermann Koberger, Herta Koberger, Franz Lugauer, Ricarda Rachner.

35 Jahre: Georg Rossberger.

40 Jahre: Pia Gemoll, Carl Schnabel.

Rückblick von Jim Gebhardt.
Pia Gemoll bekam für ihre Treue zum Verein einen Blumenstrauß.