Grundschule Abensberg: Jetzt hilft der Prinz beim Straßenqueren

Von Lucia Pirkl · 7. März 2024 um 11:00

Schülerlotsen in Abensberg: Nach einer Flaute haben sich ein paar Mütter und vier Schüler für den Dienst an der Kelle entschieden. Weitere Freiwillige sind aber jederzeit gern willkommen.

Während ihre Kinder nebenan in der Grundschule sitzen, drücken eine Handvoll Mamis in der Mensa der Mittelschule noch einmal die Schulbank – und zwar freiwillig. Sie hatten sich zum Dienst an der Kelle gemeldet, zusammen mit vier Schülern aus der Mittelschule wollen sie künftig den Grundschülern morgens über die Straße helfen.

Viele Wochen war der Übergang bei der Grundschule verwaist. Nachdem die letzten Schülerlotsen ihren Dienst an den Nagel gehängt hatten, weil sie sich auf ihre Prüfungen vorbereiten mussten (wir berichteten), fanden sich erst einmal keine Lotsen mehr. Auch bei den Eltern der etwa 165 Grundschüler war keiner darunter, der morgens an der Straße stehen wollte oder konnte. Bis jetzt: „Viele Tropfen höhlen den Stein“, ist Elisabeth Geltl, Elternbeiratsvorsitzende in der Grundschule überzeugt.

Mehrfach wurde darüber berichtet, dass es keine Schulweghelfer gibt, mehrfach gab es Aufrufe von Seiten der Schulleiter. Auch Geltl bat die Eltern um Hilfe, „das war am Anfang sehr zäh, es kam erst einmal keine Rückmeldung“, sagt sie. Aber nach dem zweiten Versuch sei dann der Stein ins Rollen gekommen.

Ruhe bewahren

Und nun sitzen sie hier in der Mensa der Mittelschule und hören zu, was ihnen der Verkehrspolizist erzählt. Gerald Halbritter, Hauptkommissar Plus und Leiter der Verkehrsabteilung bei der Polizei Kelheim redet ihnen ins Gewissen, mahnt, sich die Fragen, die sie bei einem Notruf beantworten müssten, genau einzuprägen. In der Nervosität im Ernstfall, den es gottlob nicht sehr, sehr selten gibt, vergesse man oft Wichtiges. „Das muss wie aus der Pistole geschossen kommen.“

Noch wichtiger sei aber die Konfliktbewältigung: Ob schlecht hörende Kinder, renitente Jugendliche und noch renitentere Erwachsene: Die Schulweghelfer sollen immer Ruhe bewahren, „Sie brauchen nicht laut zu sprechen, aber Brust raus und Körper gerade, dann werden Sie eher ernst genommen“, rät er den Frauen.

Mittelschullehrer Jürgen Deinlein, der seit Jahren die Schülerlotsen mit instruiert, mahnt die Schüler: „Ihr macht ein Angebot, ihr solltet die Grundschüler daran erinnern, sie nicht rüde anschnauzen. Die Kinder sollen euch nicht fürchten.“ Halbritter wiederum ergänzt: Sich nicht auf Streit einlassen. Wenn Eltern meinten, sie müssten mit ihren Kindern an einer gefährlicheren Stelle über die Straße gehen, dann müsse man die nicht zurückhalten, so Halbritter. „Sie können Sie ansprechen“, sagt er zu den Erwachsenen, „aber mancher hat damit auch schon schlechte Erfahrungen gemacht“. So sei es in Neustadt beinahe mal zu einer Rauferei zwischen Eltern und einem engagierten Schulweghelfer gekommen.

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Auch in Abensberg musste sich so mancher Schülerlotse schon blöde Sprüche gefallen lassen (wir berichteten). Mark Wagner, Konstantin Daxl, Louis Weingartner und Lenny Ursino lassen sich aber davon nicht abschrecken. Gemeinsam mit Lehrer Deinlein gehen die Siebt- und Achtklässler an diesem Tag den Fragebogen, den Halbritter ausgeteilt hat, durch: Wie kommt es zu Stürzen in der Kurve, welche Punkte solltest du bei der Verwendung der Winkerkelle beachten? Den Jugendlichen fallen die Antworten leicht. „Ist so wie in der Radl-Prüfung“, sagt Daxl, der als Prinz Konstantin I in seiner Freizeit mit der Babonia unterwegs ist.

Während Deinlein bislang jedes Jahr aufs Neue in allen Klassen die Werbetrommel für das Amt des Schülerlotsen rührte, bat er heuer die Klassenleiter, ihm Vorschläge zu machen: „Zuverlässigkeit, Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit“ zählt er die Voraussetzungen auf, die ein Schülerlotse mitbringen sollte.

Zudem muss er oder sie mindestens 13 Jahre alt und mindestens in der siebten Klasse sein. 20 Kinder wären geeignet gewesen, zum Schluss hatten sich vier gemeldet. „Zwingen kann man niemanden dazu.“ Die vier Jungs machen das jetzt zumindest für den Rest des Schuljahres, dann sehe man weiter.

„Wollen“ muss man wollen

Zwischen 7.20 und etwa 7.45 Uhr, bei Wind, Regen oder Sonnenschein, werden sie künftig beim Übergang an der Grundschule stehen, und zwar zu zweit.

Genau diese Zeit sei es, die vielleicht so manchen Eltern aufstößt, mutmaßt Geltl, angesprochen auf die Frage, warum es so schwierig sei, Schulwegbegleiter zu finden, „ich bin der Meinung, das Amt ist für uns Eltern nicht ganz einfach in den Alltag zu integrieren. Man muss die kleineren Kinder fertig machen und ein Großteil der Eltern ist berufstätig“, sagt sie, und fügt an: „Aber zu wollen, das ist freilich auch bei manchen ein Problem.“

Eine, die will, ist Stefanie Ramsauer, gibt zu: „Wenn man im kleinen Kreis direkt angesprochen wird, dann ist man vielleicht eher bereit“. Nun müssten sie einfach mal mit gutem Beispiel anfangen

Die Schülerlotsen und Schulweghelfer bekamen eine theoretischen Einführung.
Voraussetzung für den Dienst: Mark Wagner, Babonia-Prinz Konstantin Daxl und Louis Weingartner müssen Fragen zur Verkehrssicherheit beantworten. Besonders schwer sei das nicht, sagen sie.