Aventinus Grundschule Abensberg: Ein turbulentes Jahr geht zu Ende

Die Aventinus Grundschule wurde 2023 zur Baustelle – eine Herausforderung für alle. In den Containerklassenzimmer sind Schüler und Lehrer mittlerweile angekommen.
Sila und Leona üben gerade das Zerlegen der Zahlen. Die 1a ist eine von acht Klassen, die seit diesem Schuljahr in den Containern neben der Grundschule beschult werden. Für die beiden Mädchen dürfte das keinen Unterschied machen: Die Klassenräume sind so groß wie im alten Schulgebäude, sie sind hell, sie sind warm – und vor allem sind sie bunt geschmückt.
Abstriche müssen die Lehrer machen: Im Lehrerzimmer und in den Büros ist jetzt weniger Platz. „Aber es war uns ein Anliegen, dass alle an einem Standort sind. Das hat sich erfüllt, das war uns wichtig“, sagt Konrektorin Andrea Brandl, „dafür nehmen wir jetzt manchen Kompromiss in Kauf“. Zur Lehrerkonferenz mit allen Kollegen müsse man dann eben in den Sitzungssaal im Rathaus ausweichen.
Kompromisse waren nötig
Kompromisse mussten freilich auch die Eltern und die Kinder in Kauf nehmen. In den ersten Wochen war der Unmut groß, die Verkehrssituation an der Schule empfanden viele als Zumutung. Ein Teil des Bürgersteigs musste weichen, die Schüler müssen die Straße kreuzen. Schülerlotsen fehlen. Trotz mehrmaligem Aufruf habe sich auch niemand gemeldet, bedauert Brandl. Aber mittlerweile habe sich alles eingependelt.
Hinter der Rektorin und ihrem Kollegium liegt ein anstrengendes Jahr. Vor allem die Sommerferien, als sie in sechs Wochen acht Räume samt Lehrerzimmer, Büros und Technikraum in die Container umsiedeln und gleichzeitig das neue Schuljahr planen mussten, seien anstrengend gewesen. Viele Eltern fremdelten zudem mit der Containeroptik, „von außen ist es nicht besonders hübsch, aber im Alltag ist es von einem Schulhaus im Inneren kaum zu unterscheiden“, sagt Brandl. Die ersten Klassen hätten es sogar einfacher gehabt anzukommen als im alten Schulgebäude, weil es hier, ohne große Aula, sogar heimeliger sei, ist sie überzeugt. „Ich finde, die haben sich hier viel schneller zurechtgefunden.“ Zudem ermöglichten die Container schon jetzt, die späteren Lernlandschaften umzusetzen, die vorsehen, dass jede Jahrgangsstufe einen für sich abgeschlossenen Bereich hat.
Die Raumaufteilung sei sehr durchdacht geplant, lobt Brandl. Die acht Klassenräume für derzeit 165 Schüler befänden sich nicht nebeneinander, die Kinder störten sich nicht gegenseitig. Und auch an das Treppenhaus grenze kein Klassenzimmer.
Oft wurde gefragt, warum der alte Pausenhof nicht weiter genutzt werden könne. Der ist jetzt Baustellenbereich, „nicht gesichert und zu gefährlich“, so Brandl, vor allem, wenn schweres Gerät anfährt.
Für die 426 Kinder bleibt eine Fläche neben den Containern, die auf den ersten Blick relativ klein wirkt für die vielen Schüler, aber es klappe, „die Kinder spielen sinnvoller miteinander als vorher, es gibt weniger Unfälle und aufgeschlagene Knie“, sagt Brandl, „das sinnlose Gerenne fällt weg“. Trotzdem sei noch genügend Platz zum Austoben. Bänke wurden aufgestellt und auch ein kleines Häuschen für den Pausenverkauf. „Im Frühjahr werden wir das Ganze dann noch aufhübschen, beispielsweise mit Pflanzkübeln“, sagt Brandl.
Die Buskinder werden über eine Einhausung gefahrlos über den alten Schulhof zum Bus geführt, den gleichen Weg gehen die Schüler auch zur Turnhalle. Ein Stück des Weges zum Eingang wurde zudem gepflastert, um trockenen Fußes zum Eingang zu kommen.
Zum Schuljahresanfang gab es noch keine Garderobenleisten, weil noch Brandschutzfragen zu klären waren. Mittlerweile hängen nicht nur die Jacken und Mäntel in Reih und Glied. Die Wände schmücken Kunstwerke der Kinder, beispielsweise „Weihnachtszimmer“: In alte Handykartons wurden Schlüssellöcher geschnitten, die den Blick aufs Weihnachtszimmer freigeben.
Während die Kinder in ihren neuen Klassenzimmern fleißig das Lesen, Schreiben und Rechnen üben, geht es nebenan im alten Schulgebäude weiter mit den Bauarbeiten. Sobald es das Wetter zulässt, beginnen die Kanalarbeiten. Die Trockenbauer waren schon da, Leitungen wurden schon verlegt. Im neuen Jahr sollen dann die Abbrucharbeiten beginnen. Der erste Bauabschnitt wird zwei Jahre dauern. Dann können die Klassen, die jetzt im Container beschult werden, rüberziehen in ein neu gestaltetes Schulgebäude.
Dass, statt einem Neubau, das alte Schulhaus renoviert werde, habe durchaus Vorteile, findet Brandl. „In Neubauten sind die Klassenzimmer kleiner und es gäbe beispielsweise auch keine Waschbecken mehr in den Klassenzimmern“, sagt sie.
Vom Ende her denken
Für das kommende Jahr hofft Brandl, dass sich alles etwas entspannt. „Wir denken die Sache vom Ende her. Wenn alles vorbei ist, dann freuen wir uns auf ein schönes Schulgebäude“, sagt Brandl. Sila und Leona berührt das alles nicht. Ob sie sich im Klassenzimmer wohlfühlen? Ein freudiges „Ja“ ist Antwort genug.


