Grundschule Abensberg: Wer leitet die „Küken“ sicher über die Straße?

Schülerlotsen werden in Abensberg nach wie vor gesucht: Auch eine halbe Stunde pro Woche würde schon helfen.
Einmal wurde er sogar weggeschubst. Auch Beschimpfungen kamen schon vor. Für Ensar Rahmani und seine Mitschüler Felix Schiefert, Elias Bohnenstengel, Agon Krasniqi und Michelle Büttner war damit das Maß voll. Die Schülerlotsen warfen erst einmal das Handtuch beziehungsweise die Kelle. Eigentlich sollten sie ja nur Grundschülern morgens über die Straße helfen – freiwillig und ehrenamtlich, in ihrer Freizeit. Sich blöd anreden, sich gar anrempeln lassen von entnervten Eltern oder von älteren Schülern, das gehört freilich nicht dazu.
Mit Engelszungen musste Rektor Wolfgang Brey wohl auf die Jugendlichen eingeredet haben, damit sie ihren Dienst noch einmal verlängert hatten bis Ende Dezember. Und dafür erhielten sie von der Stadt ein kleines Dankeschön.
„Ich finde es super, dass ihr diese äußerst wertvolle Aufgabe übernommen habt, ihr bringt das zusammen, was viele Erwachsene nicht zusammenbringen“, sagte Bürgermeister Bernhard Resch. Oftmals habe er dazu aufgerufen, ob nicht jemand diesen Dienst übernehmen könnte, „Ihr seid die, die das in die Hand genommen habt“. Soziales Engagement sei wichtig, ohne dieses ginge es nicht, „alles, was unsere Gesellschaft bunt, interessant und sicherer macht, geht über das Ehrenamt.“ „Ihr seid Helden des Alltags“, stimmt Grundschulrektorin Andrea Brandl mit ein.
„Wir werden nicht ernst genommen“
Büttner, Rahmani, Schiefert, Bohnenstengel und Krasniqi üben das Amt seit der achten Klasse aus, ursprünglich hinter der Mittelschule in der Nähe des Bahnübergangs, seit diesem Schuljahr an der Grundschule. Schülerlotsen müssen die Kinder bei Verkehrslücken durchlassen, regelnd in den fließenden Verkehr eingreifen dürfen sie nicht. „Ein Elternteil hat mich weggeschubst, gemeint, ,ich gehe, wann ich will, und nicht, wann du das sagst‘“, erzählt Rahmani, „Das Kind meinte noch, ,Mami, wir müssen doch da warten‘“. „Man wird nicht ernst genommen“, sagt auch Büttner, „dabei stellen wir uns hin in der eigenen Freizeit“, so die Schülerin. Auch ältere Schüler seien bisweilen rabiat, ein Schüler sei einem Grundschüler mit dem E-Scooter ans Auge gefahren, habe die Lotsen ignoriert.
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In der Grund- und Mittelschule gab es daraufhin Durchsagen, auch Elternbriefe gingen raus. „Vor 18 Jahren starteten wir noch mit Erwachsenen, die die Lotsen erst einmal begleiteten“, so Brey. So konnten die Jüngeren von den Älteren lernen, den Lotsen wurde noch mehr Respekt entgegen gebracht. Aber Erwachsene zu animieren, ist anscheinend mittlerweile schwieriger als angenommen. Ein Appell an die Elternbeiräte, noch einmal bei den Mamas und Papas, Opas und Omas nachzufragen, eine Anfrage im Seniorenbeirat, ob sich nicht jemand finde – nichts von alledem hat bisher gefruchtet. Vielleicht braucht es einfach jemanden, der anfängt. Resch will noch einmal beim Seniorenbeirat nachhaken. Und auch die Eltern sollen noch einmal gefragt werden.
Einstweilen hat Brey schon wieder neue Schüler gefragt, ob sie nicht Lotsen werden wollen, denn für die bisherigen fünf Lotsen endete der Dienst mit Ablauf zum Dezember.
Amt ist nicht viel Aufwand
Sie sind in der zehnten Klasse und müssen sich nun auf ihren Schulabschluss vorbereiten.
Viel Aufwand ist das Amt im Übrigen nicht: Auch wer nur einmal in der Woche für eine halbe Stunde vor acht Uhr Zeit hätte, wäre gerne gesehen.
Und auch harsche Zeitgenossen, die nur einen sehr geringen Teil ausmachen, sollen nicht davon abhalten, eine wichtige Aufgabe zu übernehmen – nämlich die, den Kindern, die sich im Verkehr noch wie „Küken“ verhalten, ein sicheres Geleit zu geben, denn: „Das Amt macht auch Freude“, wie zum Beispiel Krasniqi sagt.
Ein wichtiges Amt ab 13 Jahren
Mindestalter: Schülerlotsen sind zum einen Schüler, die in der Regel mindestens 13 Jahre alt sind und bereits die 7. Klasse besuchen. Sie stellen sich freiwillig zur Verfügung, der Klassenlehrer ist an der Auswahl beteiligt. Ihre wichtigste Aufgabe ist es, vor Schulbeginn und nach Schulschluss jüngere und unerfahrene Mitschüler über die Straße zu führen und ihren Weg an gefährlichen Stellen zu sichern. Auch Erwachsene sind für das Amt gefragt.
Ausbildung: Der Einsatzort der Lotsen wird von der Polizei oder den Kommunen vorgegeben. Die Schülerlotsen werden von Polizeibeamten, teilweise auch von örtlichen Verkehrswachten, ausgebildet und geprüft. Die Dauer der Ausbildung liegt zwischen sechs und zwölf Stunden und beinhaltet unter anderem praktische Übungen im Straßenverkehr.
Keine Polizisten: Schülerlotsen sind keine kleinen Aushilfspolizisten. Regelnd in den fließenden Verkehr eingreifen dürfen sie nicht. Sie müssen warten, bis sich im Verkehrsfluss eine genügend große Lücke ergibt, durch die sie die jüngeren Schüler – möglichst in Gruppen – über die Straße führen.
Bevor sie losgehen, signalisieren sie Autofahren mit ihrer Winkerkelle, dass Schüler die Fahrbahn überqueren möchten. (Info: Kreisverkehrswacht Kelheim)
Bei Interesse einfach melden im Sekretariat der Aventinus Mittelschule unter Telefon (09443) 64 39.
